Apple und Google lenken in Großbritannien ein – doch der globale Druck bleibt
12.02.2026 - 12:53:12Die Tech-Giganten Apple und Google haben sich mit der britischen Wettbewerbsbehörde auf faire Regeln für ihre App-Stores geeinigt. Während London auf Verhandlungen setzt, kämpfen Entwickler in Japan gegen neue Gebühren und die EU bleibt hart.
In einer bedeutenden Wende für den digitalen Markt haben sich Apple und Google verpflichtet, ihre App-Stores in Großbritannien wettbewerbsfreundlicher zu gestalten. Die Competition and Markets Authority (CMA) gab am Dienstag eine entsprechende Vereinbarung bekannt. Sie kommt nur Tage, bevor die Behörde ihre neuen Vollmachten aus dem Digital Markets, Competition and Consumers Act hätte nutzen wollen. Die Tech-Konzerne vermeiden so vorerst hohe Strafen – doch der globale Regulierungsdruck bleibt unvermindert hoch.
Verpflichtungen für fairen Wettbewerb in Großbritannien
Im Kern der Vereinbarung steht eine Überarbeitung der Algorithmen, die Apps in den Stores ranken. Künftig müssen alle Anwendungen „fair, objektiv und transparent“ gelistet werden. Das soll ein Ende der lang kritisierten Selbstbevorzugung machen, bei der eigene Dienste wie Apple Music oder Google Maps bevorzugt wurden.
„Diese sofortigen Verpflichtungen zeigen die Flexibilität unseres neuen Regimes“, sagte CMA-Chefin Sarah Cardell. Durch die Verhandlungen will die Behörde schnelle Ergebnisse für die britische App-Wirtschaft erzielen, die Milliarden umsetzt. Besonders bemerkenswert: Apple sagt zu, Entwicklern den Zugang zu iOS-Funktionen wie NFC für Bezahlungen zu erleichtern. Die Änderungen sollen am 1. April 2026 in Kraft treten – pünktlich zum 50. Geburtstag des Konzerns.
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Japan: Proteste gegen neue Gebührenmodelle
Während in London der Ton kooperativ ist, brodelt es in Tokio. Sieben große IT-Verbände protestierten am 6. Februar scharf gegen die Pläne von Apple und Google. Hintergrund ist das japanische Mobile Software Competition Act, das seit Dezember 2025 externe Bezahlsysteme erlaubt.
Die Kritik der Entwickler richtet sich gegen die neuen Provisionsgebühren der Plattformen. Diese liegen für externe Transaktionen zwischen 15 und 27 Prozent und machen alternative Bezahlsysteme wirtschaftlich unattraktiv. Die Verbände werfen den Tech-Firmen vor, den Geist des Gesetzes zu untergraben. Die japanische Wettbewerbsbehörde JFTC beobachtet die Lage nun genau.
EU bleibt hart: Strenge Durchsetzung des Digital Markets Act
In der Europäischen Union geht der regulatorische Druck unvermindert weiter. Nach Rekordstrafen in Höhe von 500 Millionen Euro für Apple und 200 Millionen für Meta im Jahr 2025 feilt die EU-Kommission weiter an der Durchsetzung des Digital Markets Act (DMA).
Zwar erhielt Apple Anfang Februar eine kleine Atempause, als die Kommission Apple Ads und Apple Maps nicht als „zentrale Plattformdienste“ einstufte. Gleichzeitig laufen aber neue Verfahren, um Google bei komplexen Interoperabilitäts- und Datenteilungspflichten zu unterstützen. Berichten zufolge droht Google im ersten Quartal 2026 eine Geldstrafe, falls seine Anpassungen am Play Store nicht den EU-Vorgaben genügen.
Analyse: Ein zersplittertes regulatorisches Puzzle
Die Ereignisse der letzten Woche zeigen ein globales Muster: Die Ziele sind ähnlich, die Methoden jedoch verschieden. Großbritannien setzt auf „Regulierung durch Verpflichtungen“ für schnelle Ergebnisse. Die EU verfolgt ein Modell der „Regulierung durch Durchsetzung“ mit hohen Strafen, aber möglicherweise langsameren Umsetzungen. Japan wiederum zeigt, dass Gesetze allein nicht reichen, wenn Gatekeeper sie durch Gebührenstrukturen aushöhlen.
Für Entwickler bedeutet dies eine komplexe Gemengelage. Eine App muss heute unterschiedliche Ranking-Algorithmen in Großbritannien, verschiedene Gebührenmodelle in Japan und strenge EU-Vorgaben zur Interoperabilität beachten.
Ausblick: Der Druck wird weiter zunehmen
Der Fokus liegt nun auf dem 1. April 2026. Sollten die britischen Verpflichtungen erfolgreich sein, könnte Londons Ansatz zum Vorbild für andere Länder werden. Bleiben die „fairen“ Algorithmen undicht oder die Interoperabilitätsversprechen halbherzig, behält sich die CMA jedoch formelle Auflagen vor.
In Japan wird der Konflikt voraussichtlich eskalieren, mit möglichen Eingriffen der JFTC noch vor dem Sommer. Und in Brüssel richtet sich der Blick der Kommission bereits auf die nächsten Regulierungsfelder: Cloud Computing und Künstliche Intelligenz. Der Kampf um offene digitale Märkte ist noch lange nicht vorbei.
@ boerse-global.de
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