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Arbeitnehmer drÀngen VW-Vorstand zu GesprÀchen

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 10:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach der Einigung im VW-Aufsichtsrat DE0007664039 auf einen schÀrferen Sparkurs drÀngt die Arbeitnehmerseite auf GesprÀche mit dem Management.

Dazu beschloss die Tarifkommission der IG Metall einstimmig, eine Klausel aus dem Zukunftstarifvertrag von Ende 2024 in Anspruch zu nehmen. Das teilte die Gewerkschaft in Hannover mit. Volkswagen DE0007664039 begrĂŒĂŸte den Schritt wenig spĂ€ter und erklĂ€rte, fĂŒr GesprĂ€che zur VerfĂŒgung zu stehen.

In dem GesprĂ€ch will die Gewerkschaft die Einhaltung der Zukunftszusagen ĂŒberprĂŒfen. Im Zentrum stehen sollen demnach Investitionen in neue Modelle, Zukunftsprodukte und moderne Produktionsverfahren. "Vertragstreue ist keine Einbahnstraße", sagte der niedersĂ€chsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. "Wir akzeptieren keine Politik des Aufschiebens, Relativierens oder Verwischens verbindlicher Zusagen. Wer von den BeschĂ€ftigten Verzicht verlangt, muss selbst verlĂ€sslich liefern."

VW dĂŒrfe seine Seite des Pakets nicht nachtrĂ€glich zur Disposition stellen. "Es geht hier nicht um neue Forderungen der IG Metall, sondern schlicht um die Einhaltung eines bestehenden Tarifvertrages", sagte Gröger. DafĂŒr sei das ÜberprĂŒfungsgesprĂ€ch vorgesehen. Die Erwartung sei, dass die GesprĂ€che noch in diesem Quartal stattfinden - also bis Monatsende.

Das Verfahren Ă€ndert der Gewerkschaft zufolge nichts an den Bestimmungen des Tarifvertrages und löst keine KĂŒndigung desselben aus. Auch die vereinbarte BeschĂ€ftigungssicherung werde dadurch nicht angetastet. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2030.

Tarifabschluss mit weitreichenden ZugestÀndnissen

Der Tarifabschluss war 2024 hart erkĂ€mpft worden. Erst nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten gab es eine Einigung. Der Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Außerdem wurden diverse Bonuszahlungen und Zulagen gekĂŒrzt und Lohnerhöhungen auf Eis gelegt. Im Gegenzug verzichtet der Autokonzern auf betriebsbedingte KĂŒndigungen und Werkschließungen - und sagte Investitionen und neue Produkte fĂŒr die deutschen Standorte zu.

Die Arbeitnehmer haben nun aber erhebliche Zweifel daran, ob Volkswagen an den vereinbarten Investitions- und Produktzusagen uneingeschrÀnkt festhalten will. "Die ZugestÀndnisse der Belegschaft aus der Auseinandersetzung 2024 gab es nicht zum Nulltarif, sie wurden im Vertrauen auf die Zusagen gemacht", sagte VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Deshalb erwarte sie, dass diese Vereinbarungen Bestand haben.

VW: Maßnahmen reichen nicht aus

Volkswagen kĂŒndigte an, sich dem Revisionsverfahren anzuschließen. Dieses Recht zum GesprĂ€ch stehe der IG Metall ebenso zu wie dem Unternehmen, sagte der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, in einem internen Interview. Der Zukunftstarifvertrag sehe ein solches Verfahren bei wesentlichen Änderungen der Grundannahmen oder der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor. "Und genau das ist ja seit Ende 2024 passiert".

Volkswagen verwies darauf, dass sich das Wirtschaftsumfeld fĂŒr die Branche in den vergangenen eineinhalb Jahren grundlegend verĂ€ndert hat: Geopolitische Spannungen belasteten Lieferketten und MĂ€rkte, Handelsbarrieren drĂŒckten auf Absatz und Ergebnisse. Außerdem erhöhten neue chinesische Marken und Hersteller den Preisdruck in Europa und anderen Regionen. Hinzu komme, dass sich Technologien schneller und regional unterschiedlich entwickelten, was unter anderem mehr FlexibilitĂ€t und hohe Investitionen erfordere.

Das GesprĂ€ch sei notwendig, um sich den zusĂ€tzlichen Herausforderungen der Branche zu stellen. "Vorstand und Aufsichtsrat sind ĂŒbereinstimmend der Überzeugung, dass die Ende 2024 vereinbarten Maßnahmen nicht ausreichen, um die gemeinsam vereinbarte operative Umsatzrendite von neun Prozent zu erwirtschaften", hieß es in einer Mitteilung.

Den Vorwurf, Volkswagen verletze bestehende VertrĂ€ge mit den Tarifparteien, wies Meiswinkel aber zurĂŒck. "Das ist schlichtweg falsch", sagte der Manager. Im Zukunftstarifvertrag sei festgeschrieben worden, dass man ins GesprĂ€ch kommen könne, wenn sich die Lage grundlegend verĂ€ndert habe. "Ich denke, jeder spĂŒrt angesichts der Nachrichten aus der gesamten Automobilindustrie, dass das jetzt nötig ist".

Konzern steht vor historischem Umbau

Der Aufsichtsrat des Autobauers hatte sich vergangene Woche einstimmig auf einen "Zukunftsplan" des Vorstands geeinigt. Das finanzielle Kernziel: Von 100 Euro Umsatz sollen bis 2030 neun Euro operativer Gewinn ĂŒbrig bleiben. Zum Halbjahr waren es 3,80 Euro.

Das Management um VW-Chef Oliver Blume will daher unter anderem im gesamten Konzern rund 50.000 Stellen weltweit streichen - zusĂ€tzlich zu den bisherigen PlĂ€nen. "An die Marken und Gesellschaften ergeht der Auftrag, diese im Detail auszuplanen", hieß es von VW. Die HĂ€lfte davon könnte auf deutsche Standorte entfallen. Konkrete Abbauprogramme mĂŒssen noch mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden.

Zukunft von vier Werken ungewiss

Außerdem sieht der Vorstand derzeit keine wettbewerbsfĂ€hige Folgebelegung fĂŒr die VW-Werke in Emden, Zwickau, Hannover sowie den Audi-Standort in Neckarsulm. Das hat der Aufsichtsrat zur Kenntnis genommen. Schließungen wurden aber nicht beschlossen. Bis Mitte 2027 soll nun vielmehr ein Konzept fĂŒr eine wettbewerbsfĂ€hige europĂ€ische Produktionsstruktur vorliegen. FĂŒr die vier bedrohten Standorte werden "parallel und ergĂ€nzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprĂŒft", hieß es.

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