Arbeitszeitgesetz, Koalition

Arbeitszeitgesetz: Koalition streitet über Ende des Acht-Stunden-Tags

24.01.2026 - 13:42:12

Die Regierungskoalition steht vor einem Zerwürfnis: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die CSU fordern eine radikale Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Gewerkschaften warnen indes vor gesundheitsgefährdenden 13-Stunden-Tagen.

Die Debatte eskalierte, als bekannt wurde, was der Kanzler auf einem Neujahrsempfang der Wirtschaft sagte: Würde er ein Gesetz streichen können, wäre es wohl das Arbeitszeitgesetz. Diese Aussage entfachte einen Sturm der Entrüstung. Die CSU sekundiert: Generalsekretär Martin Huber drängt auf eine schnelle Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Flexibilisierung – und zwar noch 2026.

Der Plan: Statt der täglichen Höchstarbeitszeit soll eine wöchentliche Obergrenze treten. Befürworter argumentieren, dies gleiche deutsches Recht der EU-Arbeitszeitrichtlinie an. Unternehmen könnten so besser auf Auftragsschwankungen reagieren, Beschäftigte ihre Stunden bündeln und längere Freizeitblöcke genießen.

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Gewerkschaften prophezeien „Rückkehr zum 19. Jahrhundert“

Die Reaktion der Gewerkschaften ließ nicht auf sich warten. Der DGB Niedersachsen nannte Merz‘ Äußerung eine „Ohrfeige für die Beschäftigten“. Die acht Stunden seien kein Bürokratie-Hindernis, sondern ein unverhandelbarer Gesundheitsschutz.

Besonders deutlich wird Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern. Sein warnendes Szenario: Ein rein wöchentliches Limit könnte bis zu 13 Stunden Arbeit am Tag legalisieren. Die versprochene bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben? Eine Mogelpackung. Stattdessen drohten unkalkulierbare Schichten und mehr psychischer Druck. Der DGB verweist auf Rekord-Arbeitsvolumina des IAB – ein Beleg, dass die Belegschaften bereits am Limit seien.

Arbeitgeber fordern Modernisierungsschub

Auf der anderen Seite erhöht die Wirtschaft den Druck. BDA-Präsident Rainer Dulger wirft der Koalition mangelnden Reformmut vor. Das starre Gesetz ersticke die Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Zeitalter und verhindere moderne Modelle wie Vertrauensarbeitszeit.

Für die Arbeitgeber geht es nicht um mehr Stunden, sondern um eine intelligentere Verteilung. Der wirtschaftliche Druck ist groß: Allein die Bürokratiekosten für Unternehmen belaufen sich jährlich auf über 60 Milliarden Euro. Die Reform des Arbeitszeitrechts gilt vielen als zentraler Hebel für mehr Wirtschaftskraft.

Rechtslage und politischer Drahtseilakt

Aktuell gilt: Die tägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt acht Stunden eingehalten werden. Die Reform würde die tägliche Obergrenze zugunsten einer 48-Stunden-Woche im Durchschnitt abschaffen – ein Modell, das andere EU-Länder bereits praktizieren.

Juristen betonen: EU-Recht erlaubt diese Flexibilität, schreibt die Abschaffung der Tagesgrenze aber nicht vor. Die politische Verantwortung liegt damit voll bei Berlin. Der Konflikt offenbart den Grundsatzstreit in der Koalition: Während Union auf Deregulierung setzt, stehen die Ampel-Partner unter Druck ihrer Wählerschaft, Arbeitnehmerrechte zu verteidigen.

Was kommt jetzt?

Die CSU pocht auf ein Gesetz noch in diesem Jahr. Ein Entwurf könnte im ersten Quartal 2026 in den Bundestag eingebracht werden. Beobachter spekulieren über einen Kompromiss: die wöchentliche Obergrenze plus verschärfte Pflicht zur Zeiterfassung, um unbezahlte Überstunden zu verhindern.

Doch der Weg zum Konsens ist steinig. Während Gewerkschaften für den Acht-Stunden-Tag mobilmachen, warnt die Wirtschaft vor wirtschaftlicher Erstarrung. Die Schlacht um die Arbeitszeit wird die politische Agenda in Berlin in den kommenden Monaten dominieren.

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