Arm, Arbeit

Arm trotz Arbeit: 7,2 Millionen Deutsche im Niedriglohnsektor

24.03.2026 - 04:40:35 | boerse-global.de

Studien belegen: Erwerbsarbeit schĂŒtzt in Deutschland immer weniger vor Armut. 7,2 Millionen Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor, der aktuelle Mindestlohn verfehlt EU-Standards.

Arm trotz Arbeit: 7,2 Millionen Deutsche im Niedriglohnsektor - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Arm trotz Arbeit: 7,2 Millionen Deutsche im Niedriglohnsektor - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Trotz Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro bleibt die Gefahr der Altersarmut fĂŒr Millionen BeschĂ€ftigte akut. Neue Studien zeigen ein strukturelles Problem.

Armutsbericht offenbart bröckelnden Schutz durch Arbeit

Die Erwerbsarbeit verliert in Deutschland zunehmend ihre Schutzfunktion vor Armut. Das ist die zentrale Erkenntnis des Siebten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung, der am Montag im Bundestagsausschuss fĂŒr Arbeit und Soziales diskutiert wurde. WĂ€hrend die BeschĂ€ftigungsquote hoch bleibt, rutscht ein wachsender Teil der „Working Poor“ trotz Job in die soziale PrekaritĂ€t. Experten wie Dr. Joachim Rock vom ParitĂ€tischen Gesamtverband kritisieren: Die Politik beschreibe die MissstĂ€nde zwar treffend, doch eine kohĂ€rente Strategie dagegen fehle.

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Besonders betroffen sind Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Analyse zeigt: Einfache Lohnanpassungen reichen nicht aus. Ohne flankierende Maßnahmen bei Wohnkosten und sozialer Infrastruktur klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Die traditionelle ErzĂ€hlung vom „Aufstieg durch Arbeit“ gerĂ€t damit ins Wanken.

Studie: Jeder fÜnfte BeschĂ€ftigte verdient zu wenig

Die Dimension des Problems unterstreicht eine aktuelle Studie des Instituts fĂŒr Arbeit, Qualifikation und Training (IAQ) der UniversitĂ€t Duisburg-Essen. Demnach arbeiten rund 7,2 Millionen Menschen – fast 20 Prozent aller BeschĂ€ftigten – im Niedriglohnsektor. Ihr Armutsrisiko ist mehr als dreimal so hoch wie im Durchschnitt der Arbeitnehmerschaft.

WĂ€hrend die allgemeine Armutsgefahr fĂŒr BeschĂ€ftigte bei 7,3 Prozent liegt, schnellt sie bei Geringverdienern auf 22,6 Prozent hoch. Ein Job allein garantiert also lĂ€ngst kein Leben oberhalb der Armutsgrenze. Die Forscher identifizieren zudem die „Arbeitszeitfalle“ als kritischen Faktor. Besonders betroffen sind Minijobber und TeilzeitkrĂ€fte. Fast vier von fĂŒnf Minijobbenden verdienen unter der Niedriglohnschwelle. FĂŒr viele ist nicht nur der Stundenlohn das Problem, sondern der Umstand, nicht genug Arbeitsstunden fĂŒr ein existenzsicherndes Einkommen zu erhalten.

13,90 Euro Mindestlohn verfehlt EU-Standard

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro zum Jahresbeginn 2026 entpuppt sich damit als unzureichend. Aktuelle Regierungsdaten zeigen: Noch immer verdienen etwa 7,7 Millionen Menschen weniger als 15 Euro die Stunde. Das ist brisant, denn die EU-Mindestlohnrichtlinie empfiehlt einen Referenzwert von 60 Prozent des Medianlohns fĂŒr ein „armutsfestes“ Einkommen.

Nach Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung und des Sozialverbands Deutschland (SoVD) wĂ€re dafĂŒr bereits im Vorjahr ein Lohn von mindestens 15,12 Euro nötig gewesen. Michaela Engelmeier, Chefin des SoVD, fordert daher eine deutlichere Anhebung. Nur ein wirklich existenzsichernder Lohn gewĂ€hrleiste soziale StabilitĂ€t. Kritiker wie der Politiker Cem Ince verweisen auf den Kaufkraftverlust: Bei hohen Lebenshaltungskosten fĂŒr Energie und Wohnen reiche ein Vollzeitjob oft nicht fĂŒr gesellschaftliche Teilhabe.

Frauen und Migranten besonders betroffen

Das Armutsrisiko im Niedriglohnsektor trifft nicht alle gleich. Daten des Statistischen Bundesamtes belegen: Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund sind ĂŒberproportional gefĂ€hrdet. Der Niedriglohnanteil bei Frauen liegt bei 23,5 Prozent, bei auslĂ€ndischen BeschĂ€ftigten sogar bei 28,4 Prozent.

Der „Gender Pay Gap“ wirkt hier besonders nachhaltig. Frauen sind in Dienstleistungsbranchen wie Gastronomie, Reinigung und Pflege ĂŒberreprĂ€sentiert – Sektoren mit traditionell schwacher Tarifbindung. Zwar profitieren sie von Mindestlohnerhöhungen, tragen aber ein höheres Risiko fĂŒr dauerhafte Armut, insbesondere im Alter. Ein Treiber dieser Entwicklung ist die stagnierende Tarifbindung. 2025 waren nur noch 49 Prozent der BeschĂ€ftigten durch einen Tarifvertrag geschĂŒtzt. Wo keine Branchenvereinbarungen gelten, zahlen viele Firmen nur das gesetzliche Minimum.

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Ausblick: Der Weg zu 14,60 Euro und die politische Debatte

Der nĂ€chste Schritt ist bereits gesetzlich verankert: Zum 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro. Diese zweistufige Erhöhung soll die Belastbarkeit gerade fĂŒr Branchen wie Gastgewerbe und Landwirtschaft wahren.

Doch die aktuelle Debatte im MĂ€rz 2026 zeigt: Der Druck fĂŒr eine schnellere AnnĂ€herung an die 15-Euro-Marke wird bis zur nĂ€chsten Wahl wohl dominieren. SozialverbĂ€nde fordern einen „lebenserhaltenden“ Lohn, der die strukturelle Inflation der vergangenen Jahre ausgleicht. Die politische Diskussion verschiebt sich zunehmend auf integrierte Lösungen – von Steuerentlastungen fĂŒr Geringverdiener bis zu Qualifizierungsoffensiven, um aus der Niedriglohnfalle herauszukommen. Die Daten der letzten Tage machen deutlich: Arbeit allein ist in Deutschland kein Garant mehr gegen Armut.

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