ASML, Milliarden

ASML: 9,3 Milliarden Euro Umsatz im Quartal

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 04:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ASML übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen deutlich und hebt die Jahresprognose erneut an. Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach Lithografieanlagen.

ASML übertrifft Erwartungen und hebt Jahresprognose erneut an
Abstrakte Darstellung der Halbleiterindustrie mit Fokus auf Wachstum und technologischen Fortschritt durch Licht und Linien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

ASML hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen deutlich übertroffen und die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Der niederländische Lithografie-Spezialist profitiert von der ungebrochenen Nachfrage nach Chipfertigungsanlagen für Künstliche Intelligenz. Trotz der starken Zahlen gab die Aktie am Freitag nach – ein Muster, das sich schon nach der Vorlage der Quartalszahlen gezeigt hatte.

Starkes zweites Quartal treibt Ausblick nach oben

Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro, ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Nettogewinn kletterte auf 2,9 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie lag bei 7,58 Euro und damit über der Konsensschätzung von 6,80 Euro. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 54 Prozent von zuvor 53,7 Prozent. Der Systemumsatz von 6,6 Milliarden Euro verteilte sich zu 51 Prozent auf Logik-Chips und zu 49 Prozent auf Speicherchips, hinzu kamen 2,8 Milliarden Euro aus dem Servicegeschäft.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet ASML nun einen Umsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent – zuvor hatte das Unternehmen 36 bis 40 Milliarden Euro und eine Marge von 51 bis 53 Prozent in Aussicht gestellt. Für das dritte Quartal rechnet ASML mit einem Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro und einer Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent. Der Umsatz aus dem Speicherchip-Geschäft soll 2026 um mehr als 75 Prozent zulegen. ASML-Chef Christophe Fouquet begründete die Anhebung mit einer außergewöhnlich starken Auftragslage, die vor allem durch den KI-Boom getrieben werde.

Kapazitätsausbau und Preismacht gegenüber TSMC

Um die Nachfrage zu bedienen, will ASML die Kapazität für Low-NA-EUV- und DUV-Immersionssysteme 2027 um 30 Prozent erhöhen, eine weitere Ausweitung um denselben Umfang für 2028 wird derzeit geprüft. Konkret plant der Konzern den Bau von rund 65 EUV-Systemen im laufenden Jahr, 84 bis 85 im Jahr 2027 und 110 im Jahr 2028. Die Auftragsbücher sind laut Unternehmensangaben bis Ende 2027 nahezu ausgebucht.

Parallel dazu signalisiert ASML Preiserhöhungen von rund zehn Prozent für Low-NA-EUV-Systeme. Finanzvorstand Roger Dassen sprach von einer verbesserten Preissetzungsmacht des Unternehmens, betonte aber, dass Preisanpassungen angesichts langer Bestellzyklen Zeit benötigen. Größter Kunde TSMC widersetzt sich den höheren Preisen und setzt lieber auf eine Verlängerung der Nutzung bestehender Low-NA-Systeme, statt auf die teurere High-NA-Technologie umzusteigen – anders als Intel, das High-NA-EUV bereits für seinen 18A-Prozess in der Massenproduktion einsetzt. Einige chinesische Kunden akzeptierten laut ASML bereits eine rund zehnprozentige Preiserhöhung bei älteren DUV-Werkzeugen. Ein High-NA-System kostet nach Unternehmensangaben mehr als 350 Millionen Euro pro Stück.

China-Geschäft unter geopolitischem Druck

Das Verhältnis zu China bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Im zweiten Quartal steuerte China 14 Prozent zum Umsatz bei, für das Gesamtjahr rechnet ASML mit einem Anteil von rund 20 Prozent. Größter Absatzmarkt im zweiten Quartal war Südkorea mit 43 Prozent. In den USA wird der sogenannte MATCH Act diskutiert, der Exporte von DUV-Systemen nach China verbieten könnte. ASML betont, dass keine EUV-Maschinen nach China geliefert würden – Fouquet erklärte, jede Maschine sei lückenlos nachverfolgbar, nachdem Vorwürfe aufgekommen waren, ein EUV-System könnte dorthin gelangt sein.

Mitarbeiterbonus und Kursreaktion

Angesichts der starken Geschäftsentwicklung kündigte ASML an, allen rund 45.000 Mitarbeitern eine Einmalzahlung von 20.000 Euro in Aktien zu gewähren, die erst Anfang 2030 vollständig übertragen wird. Der Gesamtwert des Pakets liegt bei etwa 900 Millionen Euro. Das Unternehmen begründet den Schritt auch als Bindungsinstrument, da parallel rund 1.700 Managementstellen abgebaut werden. Zudem beschloss ASML einen Aktienrückkauf über 1,1 Milliarden Euro sowie eine Dividende von 1,88 Euro pro Aktie.

Die Aktie reagierte trotz der angehobenen Prognose verhalten: Nach einem anfänglichen Kurssprung schloss sie am Tag der Zahlenvorlage leicht im Minus. Zum Wochenschluss lag der Kurs bei 1.526,60 Euro, ein Rückgang von 2,64 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit notiert die Aktie 12,67 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das Ende Juni erreicht wurde. Einzelne Marktbeobachter verweisen auf eine anspruchsvolle Bewertung, während andere angesichts der strukturellen Rolle von ASML als praktisch alleiniger Anbieter von EUV-Lithografiesystemen weiteres Kurspotenzial sehen.

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