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ASML Aktie: Speicher-Boom treibt Kurs vor Quartalszahlen

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 18:36 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Investitionen von Micron, Samsung und SK Hynix beflügeln ASML. Der Juli-Bericht muss zeigen, ob die Aufträge mithalten.

ASML Aktie: Speicher-Boom treibt Kurs vor Quartalszahlen
Abstrakte Darstellung der Halbleiterindustrie und des Datenspeicher-Booms mit einem Gefühl der Vorfreude. Fokus auf Lichteffekte und Reflexionen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Kurssprung um 5,16 Prozent auf 1.550 Euro am Donnerstag, dann weiter auf 1.630 Euro. ASML nähert sich damit wieder dem Rekordhoch von 1.748 Euro vom 30. Juni. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von fast 65 Prozent, auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Der Börsenwert des niederländischen Lithografie-Monopolisten liegt inzwischen bei rund 663 Milliarden Euro.

Bemerkenswert: ASML selbst hat seit den Quartalszahlen im April keine neuen Unternehmensmeldungen veröffentlicht. Der aktuelle Kursschub kommt von außen.

Speicherhersteller geben den Takt vor

Auslöser ist eine Kette von Investitionsankündigungen aus der Kundschaft. Micron übertraf am 24. Juni die Erwartungen im dritten Geschäftsquartal deutlich und hob die geplanten Investitionsausgaben fürs Geschäftsjahr von 25 auf 27 Milliarden Dollar an. Wenige Tage später zogen Samsung und SK Hynix nach: Die beiden Konzerne kündigten Investitionen von zusammen 520 Milliarden Dollar für neue Speicherwerke über mehrere Jahre an.

Speicherhersteller setzen intensiv auf ASMLs Systeme für extreme Ultraviolett-Lithografie. Steigende Investitionsbudgets bei diesen Kunden wirken deshalb direkt als Rückenwind für die Aktie. Mehrere Investmentbanken haben in den vergangenen Wochen ihre Kursziele angehoben und die positive Stimmung vor dem nächsten Quartalsbericht im Juli zusätzlich befeuert.

Die entscheidende Kennzahl: Bestätigt der Auftragseingang das Ausgabenversprechen?

Die Kernfrage lautet, ob ASMLs eigener Auftragseingang die angekündigte Investitionswelle tatsächlich widerspiegelt. Der Juli-Bericht soll genau das zeigen. Bislang ist das eine offene Größe, keine gesicherte Tatsache.

Das Management hatte zuletzt erklärt, der Wachstumsausblick der Halbleiterbranche verfestige sich weiter. Treiber seien KI-bezogene Infrastrukturinvestitionen, eine Nachfrage nach Chips, die das Angebot übersteigt, und Kunden, die ihre kurz- und mittelfristigen Bedarfe nach oben korrigieren. Das Ergebnis: ein sehr starker Auftragseingang in der Vergangenheit. Ob sich dieser Trend nach den Großankündigungen von Micron, Samsung und SK Hynix ins zweite Quartal fortgesetzt hat, dürfte die am genauesten beobachtete Zahl im Juli-Bericht werden.

Bullen-Szenario: Strukturelle KI-Investitionen als Kurstreiber

Das positive Szenario stützt sich auf die schiere Größe und Beständigkeit der Speicher-Investitionen. ASML hat angekündigt, 2026 mindestens 60 Systeme der Low-NA-EUV-Klasse ausliefern zu können, 2027 sollen es 80 werden. Gleichzeitig rechnet der Konzern auf absehbare Zeit mit einem Angebot, das die Nachfrage nicht deckt.

Die Lieferzeiten für EUV-Systeme liegen bereits jetzt bei über zwölf Monaten. Einzelne Kunden sichern sich Fertigungsplätze bis weit ins Jahr 2027. Die aktuelle Investitionswelle der Speicherhersteller würde in diesem Szenario nicht als einmaliger Ausschlag wirken, sondern die Preissetzungsmacht für Jahre festigen. Bestätigt der Juli-Bericht, dass der Auftragseingang mit den neuen Kundenplänen Schritt hält, ließe sich die aktuelle Bewertung durch künftiges Gewinnwachstum rechtfertigen — nicht allein durch Stimmung.

Bären-Szenario: Ambitionierte Bewertung und ungelöstes China-Risiko

Das Gegenargument setzt an der Distanz des Kurses zu seinen eigenen Trendlinien an. Die Aktie notiert 13,00 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 41,90 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 62,96 Prozent. Das lässt Raum für scharfe Rückschläge, sollte eine einzelne Kennzahl enttäuschen.

Simply Wall St verweist zudem auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 66,2 — niedriger als bei Wettbewerbern und Branchendurchschnitt, aber deutlich über dem geschätzten fairen Niveau von 54,4. Sollten sich Gewinnerwartungen abschwächen, könnte sich die Bewertung diesem fairen Niveau annähern.

Hinzu kommt ein politisches Risiko: Exportkontrollen gegenüber China, etwa durch den vorgeschlagenen MATCH Act, könnten ASMLs Liefermöglichkeiten an chinesische Kunden einschränken. China steht derzeit für einen erheblichen Anteil am Konzernumsatz. Dieses Risiko bleibt ungelöst — und könnte die Stimmung belasten, selbst wenn die Nachfrage aus dem Speichersegment robust bleibt.

Ausblick: Der Juli-Bericht als nächste Bewährungsprobe

Solange Speicher- und Logikkunden ihre Investitionsankündigungen weiter in feste ASML-Aufträge übersetzen, bleibt der Weg zurück zum Rekordhoch offen. Eine bestätigte Beschleunigung im Juli-Bericht könnte die Rally verlängern.

Zeigt der Bericht dagegen einen Auftragseingang, der hinter den Ausgabenzusagen von Micron, Samsung und SK Hynix zurückbleibt, oder tauchen neue Entwicklungen bei den China-Exportbeschränkungen auf, spricht das überdehnte technische Bild für ein spürbares Rückschlagrisiko. Der nächste konkrete Termin steht fest: der Quartalsbericht im Juli. Er dürfte klären, ob die aktuelle Kursdynamik durch belastbare Auftragszahlen gedeckt ist — oder ihnen bislang nur vorauseilt.

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