ASML, Aktie

ASML Aktie: Zwischen Rekordhoch und Regulierungsrisiko

28.06.2026 - 00:45:48 | boerse-global.de

ASML verzeichnet Wochenminus von 4,77 Prozent. Starke Micron-Quartalszahlen stützen den Kurs, während Exportkontroll-Risiken bestehen bleiben.

ASML Aktie: Wochenverlust trotz Erholung nach Micron-Zahlen
ASML - Abstrakte Darstellung der Halbleiterindustrie mit leuchtenden Schaltkreisen, die technologisches Wachstum und Regulierungsrisiken symbolisieren. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine Woche mit zwei Gesichtern liegt hinter ASML. Erst ein Exportkontroll-Vorwurf, der den Kurs unter Druck setzte — dann ein starkes Signal aus dem Speicherchip-Markt, das für Erholung sorgte. Unterm Strich steht ein Wochenverlust von 4,77 Prozent. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 1.582,00 Euro — rund 7,5 Prozent unter dem Allzeithoch von 1.710,00 Euro, das erst am 22. Juni markiert wurde.

Ausgangslage: Vorwurf, Dementi, Erholung

Am 19. Juni berichteten Medien, US-Handelsminister Howard Lutnick habe ASML-Manager konfrontiert. Der Vorwurf: Eine EUV-Maschine oder spezialisierte Transportkomponenten könnten entgegen den Exportkontrollen nach China gelangt sein. ASML wies das entschieden zurück. Das Unternehmen habe nie eine EUV-Maschine oder ein speziell dafür konstruiertes Bauteil nach China geliefert. Außerdem erforderten die riesigen Lithografiesysteme kontinuierlichen technischen Vor-Ort-Support — ein heimlicher Betrieb sei faktisch ausgeschlossen.

Zwei Tage schwerer Verluste folgten. Dann kam Donnerstag. Der US-Speicherchiphersteller Micron meldete starke Quartalsergebnisse für das dritte Geschäftsquartal 2026. Die Nachfrage nach Speicherprodukten bleibt hoch — ein direktes Signal für ASMLs Auftragslage. Aktien von Halbleiterausrüstern legten im vorbörslichen Handel zu. ASML stieg um 2,6 Prozent. Am Freitag folgte erneutes Verkaufen, das einen Teil des Rebounds wieder auflöste.

Die entscheidende Frage: Ist 2027 bereits ausgebucht?

Der einzelne Faktor, der ASMLs Kurs am stärksten in eine Richtung bewegen könnte, ist der Auftragsbestand für das Kalenderjahr 2027. Bank of America erwartet, dass das Orderbuch für 2027 voll ist, wenn ASML im Juli die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorlegt. Das könnte die Debatte verschieben — weg von der kurzfristigen Ausführung, hin zum Ertragspotenzial für 2028. Eine qualitativ andere Diskussion.

Bullisches Szenario: KI-Nachfrage füllt jede Kapazität

Die strukturelle Nachfragegeschichte ist intakt. Nach Microns Zahlen ist sie sogar gestärkt. KI-Infrastrukturausgaben treiben die Chipnachfrage, Kunden beschleunigen ihre Kapazitätspläne für 2026 und darüber hinaus — gestützt durch langfristige Abnahmevereinbarungen.

ASML ist der einzige Hersteller von EUV-Lithografiemaschinen. Diese Monopolstellung ist direkt relevant: Das Unternehmen plant, 2026 mindestens 60 EUV-Low-NA-Systeme auszuliefern und 2027 auf 80 Systeme hochzufahren — sofern die Nachfrage anhält.

Mehrere große Wall-Street-Banken haben ihre Kursziele in den Tagen vor Donnerstags Rally angehoben. Bank of America und Wells Fargo nannten dabei den starken Auftragsbestand und die durch KI getriebene Nachfragesichtbarkeit als Begründung. Technisch liegt die Aktie 12,82 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.402,25 Euro und 40,12 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.129,01 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 60,07 Prozent zugelegt.

Bärisches Szenario: Regulierung und Bewertungsdruck

Die scharfen Intraday-Schwankungen dieser Woche zeigen, wie anfällig ASML für regulatorische Schlagzeilen bleibt. Ende Juni schloss sich die niederländische Regierung offiziell der US-geführten Pax-Silica-Allianz an. Das erhöht das Risiko strengerer multilateraler Exportkontrollen. Hinzu kommen US-Regierungsanfragen zu möglichen Technologieabflüssen nach China — eine Bedrohung für DUV-Lieferungen, die rund 20 Prozent des geplanten ASML-Umsatzes 2026 ausmachen.

Selbst wenn der EUV-Vorwurf endgültig vom Tisch ist, bleibt der MATCH Act als legislatives Risiko bestehen. Das Gesetz würde Exportverbote auf DUV-Systeme ausweiten. China macht derzeit rund 19 Prozent des Nettoumsatzes aus. Aktuell überwiegt das Micron-Signal den regulatorischen Druck in der Markteinschätzung. Dieses Gleichgewicht kann sich schnell verschieben.

Auch die Bewertung liefert ein Gegenargument. Morningstar hat darauf hingewiesen, dass der aktuelle Kurs bereits einen Großteil des langfristigen KI-Potenzials einpreist. Bei einer Marktkapitalisierung von knapp 599 Milliarden Euro und einem RSI von 54,8 ist die Aktie weder technisch überkauft noch günstig. Das 52-Wochen-Tief von 593,60 Euro liegt 166 Prozent unter dem aktuellen Niveau — wie weit die Erholung bereits gelaufen ist, lässt sich daran ablesen.

Ausblick: Juli als Richtungsentscheid

ASML erwartet für das zweite Quartal 2026 einen Nettoumsatz zwischen 8,4 und 9,0 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge zwischen 51 und 52 Prozent. Trifft das Unternehmen diese Spanne oder übertrifft sie — und bestätigt dabei ein volles 2027-Orderbuch — könnte die Aktie zurück in Richtung Allzeithoch laufen.

Zeigt der Juli-Bericht hingegen Schwäche im Auftragseingang, Margendruck oder konkrete DUV-Restriktionen im Zusammenhang mit der Pax-Silica-Allianz, wäre das Abwärtspotenzial erheblich. Die Aktie notiert weit über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten — da ist Spielraum nach unten.

Was zwischen jetzt und dem Berichtstag zählt: jeder legislative Fortschritt beim MATCH Act und jede neue Aussage der US-Regierung zur DUV-Exportpolitik. Eine Verschärfung dort würde direkt die Umsatzbasis treffen, die die aktuelle Bewertung als gesichert behandelt.

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