ASML, RekordauftrÀgen

ASML: Zwischen RekordauftrÀgen und Peking-Risiko

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 01:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ASML verzeichnet starke AuftrÀge und hebt Prognose an, wÀhrend politische Risiken durch mögliche US-ExportbeschrÀnkungen bestehen bleiben.

ASML Aktie: RekordauftrÀge trotz drohender China-Restriktionen
Abstrakte Darstellung einer modernen Halbleiterfertigung mit Fokus auf Technologie und globale MarktkomplexitĂ€t. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

ASML kostet aktuell 1.575,20 Euro. Das liegt fast zehn Prozent unter dem Rekordhoch von 1.748,00 Euro, erreicht erst am 30. Juni 2026. Der RĂŒckzug vom Allzeithoch fĂ€llt in eine Phase, in der Washington ĂŒber schĂ€rfere Exportregeln fĂŒr Chip-Technologie nach China berĂ€t. Genau diese Frage dĂŒrfte entscheiden, ob die Rekordjagd bei ASML weitergeht.

Volle AuftragsbĂŒcher, ungelöste Politik

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 sprechen fĂŒr sich. ASML hob die Jahresprognose an: Der Umsatz soll zwischen 43 und 45 Milliarden Euro liegen, die Bruttomarge zwischen 54 und 56 Prozent. FĂŒr das dritte Quartal rechnet der Konzern mit 11,0 bis 12,0 Milliarden Euro Umsatz.

CEO Christophe Fouquet nannte den Auftragseingang im ersten Halbjahr "außergewöhnlich stark". Die Konsequenz: ASML baut die KapazitĂ€t fĂŒr Low-NA-EUV-Systeme 2026 um 30 Prozent aus. FĂŒr DUV-Immersionssysteme kommt 2027 ebenfalls ein Plus von 30 Prozent dazu. Eine weitere Erweiterung fĂŒr 2028 prĂŒft der Konzern bereits.

Parallel zu diesem Boom bleibt eine politische Baustelle offen. China soll 2026 rund 20 Prozent des ASML-Umsatzes beisteuern, wĂ€hrend in Washington der Druck fĂŒr strengere Exportkontrollen wĂ€chst. Eine US-Regel, die auch GeschĂ€ftspartner von ASML auf die Entity List gesetzt hĂ€tte, ist Teil eines Handelsabkommens fĂŒr ein Jahr ausgesetzt — bis zum 10. November 2026. Ausgesetzt heißt aber nicht aufgehoben.

Die entscheidende Frage

Zwei KrĂ€fte ringen um die Oberhand. Auf der einen Seite steht ein von KI-Nachfrage getriebener Buchungsboom. Auf der anderen Seite schrumpft die China-Basis, bleibt aber relevant. Der Ausgang hĂ€ngt davon ab, ob Washington die schĂ€rferen Exportregeln vor Ablauf der Aussetzung in verbindliches Recht gießt — oder ob das fragile Gleichgewicht bis Ende 2026 hĂ€lt.

Bull-Szenario: KapazitÀt schlÀgt Politik

Die optimistische Sicht stĂŒtzt sich auf harte KapazitĂ€tsplĂ€ne, nicht auf Politik. Die Erweiterungen bei EUV- und DUV-Systemen zeigen: Das Management vertraut Kundenzusagen, die weit ĂŒber die kurzfristige Prognose hinausreichen. Kunden beschleunigen ihre eigenen KapazitĂ€tsplĂ€ne weiter, was sich in Bestellungen ĂŒber das gesamte ASML-Produktportfolio niederschlĂ€gt.

Analysten der UBS sehen zusĂ€tzlichen RĂŒckenwind. Der breite Ausbau von Fertigungsanlagen und die KI-getriebene Nachfrage nach Chips der Spitzenklasse sollen ASML ein stĂ€rkeres zweites Halbjahr bescheren. Bleiben die Bestellungen von Logik- und Speicherherstellern stark genug, um den China-RĂŒckgang zu ĂŒberkompensieren, könnte die Aktie ihre hohe Bewertung mit weiteren Prognoseanhebungen rechtfertigen.

BĂ€r-Szenario: Schrumpfende China-Basis, wachsendes Regulierungsrisiko

Die Risikoseite hat zwei Gesichter: sinkender Umsatzanteil und politische Eskalationsgefahr. Der China-Anteil am Umsatz fiel im ersten Quartal 2026 bereits auf rund 19 Prozent. Die zugrundeliegende politische Dynamik ist trotz der Aussetzung nicht verschwunden.

US-Gesetzgeber haben neue ExportbeschrĂ€nkungen vorgeschlagen, die gezielt den Verkauf und die Wartung von DUV-Lithografiesystemen in China treffen sollen. Analysten schĂ€tzten fĂŒr diesen Fall zuvor einen niedrigen einstelligen UmsatzrĂŒckgang und einen GewinnrĂŒckgang je Aktie von bis zu zehn Prozent. Wird die ausgesetzte "Affiliates Rule" nach Ablauf der Frist im November 2026 reaktiviert oder sogar ausgeweitet, drohen ASML neue Unsicherheiten — nicht nur bei neuen Lieferungen, sondern auch bei der Wartung bereits installierter Anlagen in China.

Hinzu kommt eine allgemeinere MarktnervositÀt. Halbleiterwerte stehen unter Druck, weil Investoren zunehmend hinterfragen, ob sich die enormen KI-Investitionen langfristig tragen. Das könnte die hohe Bewertung von ASML belasten, selbst wenn das operative GeschÀft intakt bleibt.

Ausblick

Solange die globalen Bestellungen außerhalb Chinas die neu geschaffenen KapazitĂ€ten fĂŒr 2027 und 2028 absorbieren, spricht die angehobene Jahresprognose fĂŒr eine Fortsetzung der Rally in Richtung des Rekordhochs bei 1.748,00 Euro. Setzt sich hingegen der politische Druck in Washington durch und wird die Entity-List-Regel vor dem 10. November 2026 reaktiviert oder verschĂ€rft, könnte ein RĂŒckschlag folgen, wie ihn frĂŒhere Exportkontroll-Schlagzeilen bereits ausgelöst haben.

Der nĂ€chste konkrete Termin steht damit fest: der 10. November 2026, an dem die Aussetzung der Affiliates Rule auslĂ€uft. Ob Washington sie verlĂ€ngert, abschwĂ€cht oder in Kraft treten lĂ€sst, dĂŒrfte die Stimmung rund um ASML schon deutlich vor dem nĂ€chsten Quartalsbericht prĂ€gen.

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