Analyse, Bahn

Analyse zur Bahn im Harz: Dampflokbetrieb perspektivlos

02.09.2025 - 11:13:48

Auf die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) kommen möglicherweise tiefgreifende VerÀnderungen zu.

"Der Dampflokbetrieb ist in aktueller Form perspektivlos", heißt es in einer Analyse, die das Beratungsunternehmen SCI Verkehr fĂŒr die HSB erstellt hat. Es bestehe daher dringender Handlungsbedarf bei Dampfloks, Reisezugwagen und TriebzĂŒgen. Schon jetzt sei die VerfĂŒgbarkeit der Fahrzeuge unzureichend und ein neues Fahrzeugkonzept erforderlich. So empfiehlt die Beratungsfirma die Anschaffung neuer Diesel-Hybrid-Triebwagen, die zusĂ€tzlich zu Dampfloks fahren könnten.

Laut der Analyse, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, weisen Infrastruktur und Fahrzeugflotte so deutliche InstandhaltungsrĂŒckstĂ€nde auf, dass der Betrieb der Schmalspurbahnen auch kurzfristig gefĂ€hrdet ist. Das Beratungsunternehmen sieht fĂŒr die Harzer Schmalspurbahnen bis zum Jahr 2045 Investitionskosten in Höhe von 544,1 Millionen Euro. Dazu kommen noch einmal laufende Kosten von 253,2 Millionen Euro. Nur mit diesen finanziellen Mitteln komme die HSB sukzessive in die Lage, ein nachhaltig wirtschaftliches Unternehmen zu sein.

Empfehlung: BeschrÀnkung auf weniger Strecken

Allerdings beschrĂ€nken sich die prognostizierten Millionenkosten auf eine Variante, in der sich der Betrieb auf die Brocken- und die Harzquerbahn beschrĂ€nke. Allein auf der Strecke zwischen Wernigerode und dem Brocken wĂŒrden demnach 96 Prozent der TicketverkĂ€ufe erlöst. Der regulĂ€re Betrieb auf der Selketalbahn steht damit vor dem Aus.

Bei einem Erhalt des heutigen Angebots lĂ€gen die Kosten bei den Investitionen noch einmal um 34 Prozent, bei den notwendigen BetriebszuschĂŒssen um mehr als 36 Prozent höher. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte vergangene Woche bereits entschieden, am Streckennetz festhalten zu wollen. "Die Situation der HSB ist hochgradig kritisch", heißt es in der Analyse.

Die HSB wollen am Nachmittag die Ergebnisse der Analyse vorstellen und vorher die Belegschaft informieren. Stellenstreichungen sind laut Analysen nicht vorgesehen und auch nicht sinnvoll. Mit rund 140 Kilometern in ThĂŒringen und Sachsen-Anhalt betreibt die HSB das lĂ€ngste zusammenhĂ€ngende Schmalspurnetz Deutschlands. Zuletzt fuhren die HSB bei rund einer Million FahrgĂ€sten jĂ€hrlich ein Millionendefizit ein.

@ dpa.de