AufklÀrung zu Millionenverlusten bei Krankenkassen gefordert
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 16:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Der Bundesgesundheitsminister muss im Oktober einen umfassenden Bericht ĂŒber die Höhe der Verluste vorlegen. Es geht um das Geld der Beitragszahler", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, an die Adresse des neuen Amtsinhabers Carsten Linnemann (CDU). Die GrĂŒnen forderten den Versuch, wenigstens einen Teil der Beitragsgelder auf juristischem Weg zu retten.
Bereits bis Ende 2025 sahen sich Kassen zu Wertberichtigungen in Höhe von rund 400 Millionen Euro gezwungen, wie die Regierung in einer vom Bundestag veröffentlichten Antwort auf eine GrĂŒnen-Anfrage mitteilte. Demnach umfassen die möglichen Fehlinvestitionen aber weitere 700 Millionen Euro. Die Verluste könnten also noch weit gröĂer sein. NDR, WDR und "SĂŒddeutsche Zeitung" berichteten zuerst darĂŒber.
Verbot von Spekulationen bei Kassen gefordert
Die GrĂŒnen-Haushaltsexpertin Paula Piechotta sagte: "Es sollten nun alle Schadensersatzforderungen gegenĂŒber Rating-Agenturen und Fonds-Inhabern geprĂŒft werden, um nichts unversucht zu lassen, so viele Beitragsgelder wie möglich zu retten." Offengelegt werden mĂŒsse, um welche Krankenkassen es sich handele. Wer sichergehen wolle, dass die eigene Krankenkasse mit Geld umgehen könne, solle wechseln können.
Der Linke-Gesundheitsexperte Ates GĂŒrpinar warf der Bundesregierung vor, den riskanten Spekulationen einfach zuzuschauen. "Das ist Klientelpolitik fĂŒr die Finanzlobby, statt Gesundheitspolitik fĂŒr die Menschen, denn diese Art Spekulationen liegen nicht in deren Interesse." Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Linnemann mĂŒssten "die Spekulationen mit unseren VersicherungsbeitrĂ€gen" verbieten.
Brysch nannte einen vollstĂ€ndigen Kassensturz "ĂŒberfĂ€llig". "Auch ist zu klĂ€ren, warum der Bund und die LĂ€nder bei der Kontrolle der riskanten Investments versagt haben", sagte Brysch der dpa. Es brauche endlich vollstĂ€ndige Transparenz.
Gesamtschaden steht noch nicht fest
Fehlinvestitionen in Fonds zur Immobilienfinanzierung durch Krankenkassen waren bereits bekannt gewesen, doch das AusmaĂ wurde nun erst durch neue Zahlen des Bundesamts fĂŒr Soziale Sicherung (BAS) deutlicher, die von der Regierung zitiert wurden. Das BAS hat die Rechtsaufsicht ĂŒber die knapp 60 bundesweiten Kassen. Zu den regionalen Kassen, die der Landesaufsicht unterstehend, lĂ€gen keine Informationen vor, hieĂ es weiter.
Die Regierung schreibt unter Nennung der betroffenen Fonds: "Das BAS geht aktuell davon aus, dass es bei den Inhaberschuldverschreibungen Verius II und Verius III zu weiteren Verlusten kommen kann." Einige Krankenkassen hĂ€tten fĂŒr die Jahresrechnung 2026 weitere Wertberichtigungen angekĂŒndigt. "Ein Gesamtverlust kann noch nicht beziffert werden." Einige Kassen hĂ€tten Klagen erhoben und Strukturen eingerichtet, um gepfĂ€ndete Immobilien verkaufen zu können. Gerichtsverfahren liefen.
Gesetz: Verlust ausschlieĂen
Laut viertem Sozialgesetzbuch sind die Mittel der TrÀger der Sozialversicherungen "so anzulegen und zu verwalten, dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint, ein angemessener Ertrag erzielt wird und eine ausreichende LiquiditÀt gewÀhrleistet ist". Ausfall- und LiquiditÀtsrisiken seien durch eine Mischung und Streuung der Anlagen zu begrenzen.
