Wadephul warnt vor Vertrauensverlust in EU auf Westbalkan
08.10.2025 - 17:09:42"Die Menschen beginnen, das Vertrauen auf eine baldige Zukunft in der EU zu verlieren", sagte der CDU-Politiker vor einem Treffen mit den WestbalkanlĂ€ndern in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Wadephul warnte: "Das können wir uns nicht leisten, denn dann droht ein RĂŒckfall in alte Zeiten der Feindseligkeit und eine gröĂere Rolle Russlands und Chinas."
Vor diesem Hintergrund sei der 2014 von der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Leben gerufene "Berliner Prozess" als Katalysator im EU-Beitrittsprozess der Westbalkanstaaten wichtiger denn je. "Der westliche Balkan ist Teil unserer europĂ€ischen Familie", erklĂ€rte Wadephul und fĂŒgte hinzu: "Darum ist fĂŒr uns klar: Den eingeschlagenen Weg in die EU gehen wir gemeinsam mit den sechs LĂ€ndern der Region."
EU-Beitrittsprozess fĂŒr WestbalkanlĂ€nder tritt auf der Stelle
Der Prozess zum EU-Beitritt der WestbalkanlĂ€nder kommt seit Jahren nicht voran. In dieser Gruppe wird Montenegro als am weitesten im Beitrittsprozess gesehen, ein Datum fĂŒr eine Aufnahme steht aber nicht in Aussicht. Mit Montenegro und Serbien fĂŒhrt die EU seit 2012 beziehungsweise 2014 Beitrittsverhandlungen. Mit Albanien und Nordmazedonien wurde der Verhandlungsprozess 2022 gestartet. Bosnien-Herzegowina hat den Status eines Beitrittskandidaten, ist aber bislang noch nicht in Verhandlungen. Das Kosovo ist potenzieller Beitrittskandidat.
"Konferenzort Belfast Symbol fĂŒr Versöhnung"
Wadephul sagte, es gehe auch darum, die tĂ€gliche Zusammenarbeit zu fördern und spĂŒrbare Verbesserungen im Leben der Menschen zu erreichen - sei es durch grenzĂŒberschreitende Jugendarbeit, freien Reiseverkehr oder die gegenseitige Anerkennung von AbschlĂŒssen. Zudem gebe es gerade auch auf dem Weg der Versöhnung teilweise noch viele Schritte zu gehen. Auch deshalb sei der Ort, den die britischen Gastgeber fĂŒr das Treffen gewĂ€hlt haben, von besonderer Bedeutung.
Belfast stehe symbolisch dafĂŒr, wie nach Jahrzehnten der gesellschaftlichen Spaltung Versöhnung möglich wurde, sagte Wadephul. "Nicht ĂŒber Nacht. Sondern mit Geduld, politischem Willen, vor allem aber dank des Mutes vieler Menschen, in schwierigen Situationen immer wieder aufeinander zuzugehen." Im Nordirlandkonflikt starben mehrere Tausend Menschen, auch viele Unbeteiligte. Der BĂŒrgerkrieg dauerte von Ende der 1960er Jahre bis zum Friedensschluss im Karfreitagsabkommen von 1998.

