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Oracle enttÀuscht trotz hohen Wachstums im KI-GeschÀft - Aktie fÀllt

11.12.2025 - 17:56:18

AUSTIN - Der US-Softwarekonzern Oracle US68389X1054 wĂ€chst dank stark anziehender GeschĂ€fte mit Produkten fĂŒr den Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) krĂ€ftig.

(neu: Kurs)

AUSTIN (dpa-AFX) - Der US-Softwarekonzern Oracle US68389X1054 wĂ€chst dank stark anziehender GeschĂ€fte mit Produkten fĂŒr den Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) krĂ€ftig. Allerdings blieben die Wachstumsraten in diesem Bereich hinter den hohen Erwartungen von Experten zurĂŒck. Zudem drĂŒckte die AnkĂŒndigung höherer Investitionen in KI-Datenzentren auf die Laune der Investoren. Die seit Wochen unter Druck stehende Aktie rutschte krĂ€ftig ab.

Zuletzt sackte das Papier gut 14 Prozent auf 191 US-Dollar, im Tief hatte der Kurs gar 16,5 Prozent eingebĂŒĂŸt. Damit gingen zwischenzeitlich ĂŒber 100 Milliarden Dollar Marktwert in Luft auf. Die Aktie lag fast wieder auf dem Niveau von Mitte Juni, bevor der KI-Boom den Kurs merklich nach oben hievte. Im September war die Aktie nach der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal des laufenden GeschĂ€ftsjahres sprunghaft bis auf fast 350 Dollar geklettert.

Der Börsenwert kratzte damals an der Marke von einer Billion Dollar. UnternehmensgrĂŒnder und Vorstandmitglied Larry Ellison, der rund 40 Prozent der Anteile hĂ€lt, hatte nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg zwischenzeitlich Tesla US88160R1014-Chef Elon Musk an der Spitze der weltweit reichsten Menschen abgelöst. Zuletzt lag der Börsenwert inklusive des Kursrutschs am Donnerstag noch bei rund 548 Milliarden Dollar.

Kurzfristig dĂŒrften Oracle-Aktien weiter unter Druck stehen, schrieb Barclays-Analyst Raimo Lenschow. Das solide zweite Quartal habe Fortschritte gezeigt, aber in SchlĂŒsselbereichen enttĂ€uscht. KĂŒnftig dĂŒrften Fragen rund um die Finanzierung von Vorhaben und Klumpenrisiken auf Kundenseite an Gewicht gewinnen. Zwar sei das Management diese direkt angegangen, habe daneben aber auch neue Fragen aufgeworfen rund um geplante Beteiligungsmodelle von Kunden im Technikausbau.

Oracle ist zwar bisher vor allem fĂŒr seine angestammte Datenbanksoftware bekannt, hat sich aber inzwischen auch auf dem umkĂ€mpften Markt fĂŒr Cloud-Computing breitgemacht, also dem Betrieb und der Bereitstellung von Software und Rechenleistung aus dem Netz. Der Konzern will vor allem im großen Stil ins GeschĂ€ft mit der Infrastruktur dafĂŒr - sprich Rechenzentren - einsteigen und damit vom KI-Boom profitieren.

Im zweiten GeschÀftsquartal zog der Umsatz mit Cloudservices insgesamt um rund ein Drittel auf knapp acht Milliarden Dollar an. Davon kamen bereits 4,1 Milliarden Dollar aus dem GeschÀft mit Rechenzentren (IaaS - Infrastructure as a Service), ein Plus von sogar rund zwei Drittel. Analysten hatten sich im Schnitt aber bei beidem mehr ausgerechnet.

Der Konzernerlös insgesamt stieg wĂ€hrungsbereinigt um 13 Prozent. Die Softwareerlöse gingen um wĂ€hrungsbereinigt fĂŒnf Prozent zurĂŒck. Da die Kosten etwas stĂ€rker als der Umsatz anzogen, legte der operative Gewinn bereinigt um Sonderposten auf dieser Basis um neun Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar zu.

Im laufenden GeschĂ€ftsjahr 2025/26, das im Mai endet, rechnet Oracle jetzt mit Investitionen von rund 50 Milliarden Dollar und damit 15 Milliarden mehr als im September. Angesichts hoher Schulden mĂŒssen diese Investitionen sich auch rentieren. Den gesamten ausstehenden Vertragsbestand bezifferte Oracle Ende November auf 523 Milliarden Dollar - dank des Auftragsbooms mit Rechenzentren mehr als fĂŒnfmal so viel wie ein Jahr zuvor.

Oracle ist Teil des von US-PrĂ€sident Donald Trump groß ins Schaufenster gestellten KI-Ausbauprogramms Stargate, zusammen mit ChatGPT-Erfinder OpenAI und dem japanischen Tech-Investor Softbank JP3436100006.

Generell herrscht bei Anlegern die Sorge, dass sich die Konzerne beim Aufbau der fĂŒr den KI-Betrieb nötigen Infrastruktur finanziell ĂŒbernehmen. FĂŒr Rechenzentren und die darin notwendigen KI-Chips sollen allein in den USA Hunderte von Milliarden Dollar ausgegeben werden - mit unklaren Erfolgsaussichten und in einem hitzigen Konkurrenzkampf.

So muss sich Oracle im InfrastrukturgeschÀft mit den Platzhirschen Amazon US0231351067 Web Services (AWS), Microsoft US5949181045 Azure und Google US02079K1079 Cloud Platform (GCP) messen, die alle tiefe Taschen haben.

Am Markt befeuerten die Resultate von Oracle zunÀchst die skeptische Stimmung um vom KI-Hype aufgeheizte Aktienbewertungen. In Asien belastete das vor allem Technologiewerte. Auch der deutsche Leitindex Dax DE0008469008 war zunÀchst etwas unter Druck, stand zum Handelsschluss aber wieder komfortabel in der Gewinnzone, nachdem der US-Leitindex Dow Jones Industrial US2605661048 ein weiteres Rekordhoch markierte.

SAP DE0007164600-Papiere hatten nach europĂ€ischem Handelsbeginn anfangs mehr als vier Prozent eingebĂŒĂŸt, zum Xetra-Schluss dĂ€mmten die Aktien das Minus aber deutlich auf rund 0,8 Prozent ein. Die Walldorfer haben kein nennenswertes GeschĂ€ft mit Recheninfrastruktur, sind aber wie Oracle auch im Bereich von Unternehmenssoftware unterwegs. Eine ZurĂŒckhaltung von Kunden hier könnte den Dax-Primus vor allem im Schlussquartal bremsen, dem saisonal mit Abstand wichtigsten Jahresviertel.

@ dpa.de