Australien sagt Social-Media-Algorithmen den Kampf an
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 06:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNachdem das Land Ende vergangenen Jahres als erstes weltweit Social-Media-Konten fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verboten hatte, sollen nun auch Ă€ltere Nutzer mehr Kontrolle darĂŒber bekommen, welche Inhalte ihnen die Plattformen anzeigen.
Nutzer ab 16 Jahren sollen kĂŒnftig wĂ€hlen können, ob sie einen von Algorithmen zusammengestellten Feed in ihren sozialen Netzwerken sehen wollen oder lediglich BeitrĂ€ge von Freunden und Content Creators, denen sie selbst folgen. Die Regierung stellte jetzt einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor, der Plattformen verpflichten soll, ihren Usern diese Wahlmöglichkeit anzubieten.
"Technologie zum Guten verÀndern"
"Es geht nicht darum, der Regierung Kontrolle zu geben, sondern den Menschen", sagte Premierminister Anthony Albanese. "Wir haben die Chance, die Technologie zum Guten zu verÀndern, statt uns von ihr verÀndern zu lassen." Das Motto laute dementsprechend: "My feed, my way" (mein Feed, meine Wahl).
Das Vorhaben ist Teil eines neuen Gesetzes zur digitalen Sorgfaltspflicht ("Digital Duty of Care"). Gemeint ist damit eine gesetzliche Verpflichtung fĂŒr Anbieter digitaler Dienste, ihre Angebote so zu gestalten, dass insbesondere junge Nutzer besser vor schĂ€dlichen Inhalten und Funktionen geschĂŒtzt werden. Neue Regeln sind deshalb nicht nur fĂŒr soziale Netzwerke geplant, sondern auch fĂŒr Online-Spiele, Apps und KI-Chatbots.
Auch lebensgefÀhrliche Mutproben im Visier
FĂŒr unter 18-JĂ€hrige sollen Plattformen unter anderem gegen Inhalte vorgehen mĂŒssen, die Essstörungen fördern, frauenfeindliche Einstellungen verbreiten oder Pornografie, Verbrechen und lebensgefĂ€hrliche Mutproben verherrlichen. Auch Funktionen, die sĂŒchtig machen oder das SelbstwertgefĂŒhl junger Menschen beeintrĂ€chtigen können, sollen stĂ€rker reguliert werden.
Bei VerstöĂen gegen die neue Sorgfaltspflicht sollen hohe Geldstrafen möglich sein. Die Regierung hat den Gesetzentwurf zunĂ€chst zur Beratung mit Plattformbetreibern, BranchenverbĂ€nden und Organisationen vorgelegt. Noch in diesem Jahr soll er ins Parlament eingebracht werden.
