Novo Nordisk kappt nach enttÀuschendem Quartal erneut die Ziele
05.11.2025 - 17:35:28(Neu: aktueller Kurs)
BAGSVAERD (dpa-AFX) - Seine unverĂ€ndert schwierigen GeschĂ€fte mit Diabetesmitteln und Gewichtssenkern lassen den Pharmakonzern Novo Nordisk DK0062498333 noch vorsichtiger auf das Jahr blicken. Die DĂ€nen senkten zur Vorlage ihrer Zahlen am Mittwoch fĂŒr das dritte Quartal ein weiteres Mal ihre Umsatz- und Gewinnziele. Zudem kĂŒrzte das Management um den erst seit Anfang August amtierenden Chef Maziar Mike Doustdar die InvestitionsplĂ€ne fĂŒr das Jahr von zuvor 65 Milliarden auf 60 Milliarden Kronen. An der Börse sorgten die Nachrichten fĂŒr einen weiteren deutlichen KursrĂŒckgang.
Das im Stoxx 50 EU0009658160 notierte Novo-Papier rutschte fast fĂŒnf Prozent auf rund 300 Kronen und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang August ab. Seit Jahresbeginn hat der Kurs des zwischenzeitlich sogar wertvollsten Konzerns in Europa rund die HĂ€lfte eingebĂŒĂt. Und im Vergleich zum Rekordhoch von Mitte 2024, als die Aktie mehr als 1000 dĂ€nische Kronen gekostet hatte, mehr als rund 70 Prozent dahin. Nach dem deutlichen KursrĂŒckgang in den vergangenen Monaten ist Novo Nordisk nur noch umgerechnet 180 Milliarden Euro wert.
Die KursschwĂ€che ist das Resultat der zuletzt enttĂ€uschenden Entwicklung beim Konzern. Novo, ursprĂŒnglich Pionier auf dem Gebiet der Gewichtssenker, kĂ€mpft seit geraumer Zeit mit der zunehmenden Konkurrenz durch den US-Hersteller Lilly. Auf dem wichtigen US-Markt machen den DĂ€nen zudem von Apotheken hergestellte billige Kopien das Leben schwer. Wegen der Probleme musste bereits der frĂŒhere Chef Lars Fruergaard Jorgensen gehen.
Der neue Chef Maziar Mike Doustdar geht jetzt entschieden vor. Im September - nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt - kĂŒndigte er den Abbau von weltweit 9000 Stellen an, die Mehrzahl davon im Heimatland. Dass der Manager nun gleich bei seiner ersten Bilanzvorlage auch die Ziele seines VorgĂ€ngers kappe, sei zwar kein idealer Start, merkte Derren Nathan von Hargreaves Lansdown an. Es sei aber sicherlich besser, jetzt zu kĂŒrzen, solange Doustdar noch auf Altlasten verweisen könne.
Der Kontrast der Quartalsergebnisse zu den "hervorragenden Zahlen" des Erzrivalen Eli Lilly verdeutliche, "wie groĂ die Aufgabe fĂŒr den neuen KapitĂ€n ist, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen", ergĂ€nzte der Branchenbeobachter. Lilly hatte Ende Oktober ĂŒberraschend gute Resultate fĂŒr das dritte Quartal vorgelegt und seine Jahresziele ein weiteres Mal angehoben.
Novo-Chef Doustdar hingegen peilt nun fĂŒr 2025 zu konstanten Wechselkursen ein Umsatzplus von acht bis elf Prozent an - zuvor war noch ein Zuwachs von 14 Prozent das Maximalziel gewesen. Die Bandbreite fĂŒr den bereinigten operativen Gewinn kappte der Manager ebenfalls am oberen Ende um drei Prozentpunkte und stellt nun wĂ€hrungsbereinigt einen Zuwachs von vier bis sieben Prozent in Aussicht. Bereits VorgĂ€nger Jorgensen hatte seine Umsatz- und Gewinnziele in diesem Jahr schon mehrfach gekĂŒrzt, weil es fĂŒr den Konzern schlecht lief.
Im dritten Quartal verfehlte Novo Nordisk die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten einmal mehr. Auch die beiden wichtigsten Kassenschlager Wegovy und Ozempic enttÀuschten etwas.
Nach neun Monaten steht nun konzernweit ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf knapp 230 Milliarden dĂ€nischen Kronen (ca 7,5 Mrd Euro) zu Buche, wie der Konzern weiter mitteilte. Der operative Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf knapp 96 Milliarden Kronen. Unter dem Strich ergibt sich fĂŒr die ersten drei Quartale ein Konzerngewinn von gut 75,5 Milliarden Kronen, ein Plus von 4 Prozent. Im dritten Quartal schrieb Novo Nordisk - wie bereits vor Wochen angekĂŒndigt - 9 Milliarden Kronen im Zusammenhang mit dem Konzernabbau ab.
Unterdessen liefert sich Novo Nordisk derzeit einen Bieterstreit mit dem US-Pharmakonzern Pfizer um das US-Unternehmen Metsera. Die Amerikaner hatten eigentlich bereits eine Ăbernahme ausgemacht und wollten mit Metsera in den lukrativen Markt fĂŒr die Gewichtssenker einsteigen. Doch Novo grĂ€tschte mit einer eigenen Offerte dazwischen. Inzwischen haben beide Konzerne ihr Angebot erhöht.
Wie Metsera am Vortag mitteilte, bietet Novo insgesamt 10 Milliarden US-Dollar (8,7 Mrd Euro), Pfizer kommt auf 8,1 Milliarden Dollar Gesamtwert. Zwar will Metsera vorerst weiter an der Abmachung mit Pfizer festhalten, zugleich aber mit dem Konzern noch zwei Tage lang nachverhandeln. FĂŒr den Fall aber, dass der eigene Verwaltungsrat auch danach Novos Offerte als ĂŒberlegen einstuft, behĂ€lt sich Metsera vor, den Vertrag mit Pfizer aufzukĂŒndigen. Pfizer wiederum hat inzwischen Klage gegen die DĂ€nen eingereicht, mit dem Vorwurf, den Wettbewerb behindern zu wollen. Eine Richterin in Delaware wies aber bereits Pfizer Anliegen zurĂŒck, und erklĂ€rte, sich nicht in einen laufenden Bieterprozess einmischen zu wollen.

