Bakterien, Nasen-Rachen-Raum

Bakterien im Nasen-Rachen-Raum schützen vor Long Covid

20.03.2026 - 00:00:34 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt, dass bestimmte Nasen-Rachen-Bakterien vor Langzeitfolgen wie Erschöpfung und kognitiven Einschränkungen schützen. Antibiotika können dieses Risiko erhöhen.

Bakterien im Nasen-Rachen-Raum schützen vor Long Covid - Foto: über boerse-global.de
Bakterien im Nasen-Rachen-Raum schützen vor Long Covid - Foto: über boerse-global.de

Eine neue Studie identifiziert natürliche Bakterien als Schlüsselfaktor gegen Langzeitfolgen. Fehlen sie, steigt das Risiko für Brain Fog und Erschöpfung deutlich.

Schutzwall im Rachen: So wirken die Helfer-Bakterien

Forscher der Universität UCLouvain fanden heraus: Bestimmte Bakterien im Nasen-Rachen-Raum bilden ein Schutznetzwerk. Konkret geht es um den Stamm Dolosigranulum pigrum und Arten der Gattung Corynebacterium. Diese Mikroben stabilisieren die Schleimhäute und unterstützen das lokale Immunsystem.

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Die Studie verglich die Krankheitsverläufe von 156 Patienten. Das Ergebnis ist eindeutig: Wer während der akuten Infektion viele dieser Bakterien aufwies, erkrankte seltener an Long Covid. Bei späteren Long-Covid-Patienten waren die schützenden Mikroorganismen dagegen stark reduziert.

Direkte Verbindung zu Brain Fog und Entzündungen

Die Bakterien schützen offenbar auch das Gehirn. Long Covid äußert sich oft in kognitiven Beeinträchtigungen – dem sogenannten Brain Fog. Grund sind entzündliche Prozesse, die die Blut-Hirn-Schranke angreifen.

Die schützenden Bakterien scheinen diese Entzündungskaskaden zu regulieren. Fehlen sie, kommt es häufiger zu einer überschießenden Immunantwort. Diese schädigt nicht nur die Lunge, sondern wirkt auch toxisch auf das Gehirn. Eine intakte Nasenflora fungiert somit als biologischer Torwächter für die kognitive Gesundheit.

Antibiotika können Risiko für Long Covid erhöhen

Eine besorgniserregende Erkenntnis: Breitband-Antibiotika während der Covid-19-Erkrankung zerstören das empfindliche Mikrobiom. Die Studie zeigt, dass diese Behandlung mit einer massiven Reduktion der Schutzbakterien einherging.

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Patienten mit antibiotischer Therapie entwickelten wesentlich häufiger Long-Covid-Symptome. Experten fordern daher, den präventiven Einsatz von Antibiotika bei viralen Infekten strenger zu hinterfragen. Der Erhalt der natürlichen Bakterienvielfalt gewinnt an Bedeutung.

Paradigmenwechsel: Prävention rückt in den Fokus

Bisher konzentrierte sich die Long-Covid- Forschung auf die Behandlung bestehender Symptome. Die neuen Ergebnisse verlagern den Fokus auf die Prävention. Das respiratorische Mikrobiom wird zum weichenstellenden Faktor für den Krankheitsverlauf.

Der Ansatz könnte universell funktionieren: Dolosigranulum pigrum wurde bereits früher mit einem Schutz vor Influenza-Viren in Verbindung gebracht. Der Schutz des Gehirns beginnt demnach an der Eintrittspforte der Viren – in den oberen Atemwegen.

Probiotisches Nasenspray in Planung

Das Forschungsteam arbeitet bereits an einer konkreten Anwendung: einem probiotischen Nasenspray. Dieses soll die schützenden Bakterienkulturen gezielt in den Nasen-Rachen-Raum einbringen. Ein solches Präparat könnte präventiv, etwa vor der Infektionssaison, verabreicht werden.

Zudem könnten Nasenabstriche künftig als Frühwarnsystem dienen. Das Vorhandensein der Schutzbakterien würde Risikopatienten identifizieren. Bis zur Marktreife eines Sprays sind zwar weitere Studien nötig. Die Entdeckung bietet jedoch eine der fundiertesten Perspektiven im Kampf gegen Long Covid.

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