Bayer Aktie: Urteil am 9. Juli
20.06.2026 - 04:08:16 | boerse-global.de
Bayer hat eine ereignisreiche Woche hinter sich. Ein US-Bundesrichter stärkte die Position des Konzerns im Roundup-Verfahren — und die Übernahme eines Augenheilkunde-Spezialisten ist nun vollzogen. Die Aktie legte auf Wochensicht knapp fünf Prozent zu.
Richter verweist Roundup-Klage zurück nach Missouri
Am 17. Juni entschied Bundesrichter Henry E. Autrey vom Eastern District of Missouri: Der Sammelklage-Vergleich King v. Monsanto gehört vor das Missouri State Court — nicht vor ein Bundesgericht. Autrey wies damit die Einwände einer Gruppe von Krebsopfern zurück. Diese hatten argumentiert, ein staatliches Gericht könne keine landesweite Sammelklasse binden.
Der Richter stellte klar: Nur Bayer als Beklagter hätte den Fall in ein Bundesgericht verlegen können — nicht die Kläger. Das ist für Bayer ein wichtiges prozessuales Signal. Der Fall liegt nun wieder vor jenem Gericht, das den Vergleich bereits vorläufig genehmigt hat. Ein anderer Bundesrichter, der das Abkommen öffentlich kritisiert hatte, ist damit aus dem Spiel.
Richter Timothy Boyer in St. Louis hatte den Vergleich im März vorläufig gebilligt. Die finale Anhörung findet am 9. Juli 2026 statt. Klagende Parteien, die gegen den Deal votieren, haben Autreys Entscheidung bereits angefochten.
Bayer hat bislang mehr als 10 Milliarden US-Dollar zur Beilegung von Roundup-Klagen aufgewendet. Rund 65.000 Ansprüche sind noch offen. Der im Februar vorgeschlagene Vergleich soll nahezu alle verbleibenden Klagen über eine neue Sammelklasse beenden.
Parallel läuft ein Verfahren vor dem US Supreme Court. Bayer argumentiert dort, dass bundesstaatliche Pestizidvorschriften staatliche Klagen wegen unzureichender Warnhinweise verdrängen sollten. Ein Urteil erwarten Beobachter bis Ende Juli — es könnte die gesamte künftige Roundup-Litigation neu sortieren.
Perfuse-Übernahme abgeschlossen
Ebenfalls am 17. Juni meldete Bayer den Abschluss der Übernahme von Perfuse Therapeutics. Der Konzern zahlte 300 Millionen US-Dollar als Vorauszahlung. Durch Meilensteinzahlungen kann der Gesamtwert auf bis zu 2,45 Milliarden US-Dollar steigen.
Im Mittelpunkt steht PER-001: ein intravitreales Implantat mit verzögerter Wirkstofffreisetzung, derzeit in Phase II. Der Wirkstoff zielt auf Glaukom und diabetische Retinopathie — Erkrankungen, von denen weltweit bis zu 80 Millionen beziehungsweise rund 146 Millionen Menschen betroffen sind. PER-001 hat das Potenzial, eine der ersten krankheitsmodifizierenden Therapien für beide Indikationen zu werden.
Kostendruck bleibt hoch
Die rechtliche Entspannung hat ihren Preis. Für 2026 erwartet das Management einen Abfluss von rund fünf Milliarden Euro allein für Rechtsstreitigkeiten. Der freie Cashflow dürfte dadurch auf bis zu minus 2,5 Milliarden Euro rutschen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 37,80 Euro — exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht liegt das Papier nahezu unverändert, im Zwölf-Monats-Vergleich steht allerdings ein Plus von gut 41 Prozent. Das technische Bild ist neutral. Die Richtung entscheidet sich am 9. Juli in St. Louis.
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