BayWa Aktie: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pöllinger
20.06.2026 - 04:38:38 | boerse-global.de
BayWa kämpft an zwei Fronten gleichzeitig. Der Münchner Agrarkonzern steckt tief in einer Sanierungskrise — und jetzt droht zusätzlich eine breite juristische Aufarbeitung, die das Unternehmen weiter lähmt.
Klagen, Ermittlungen, PrĂĽferverfahren
Die BaFin rügte BayWa bereits im Oktober 2025: Der Geschäftsbericht 2023 habe wesentliche Risiken verschwiegen. Konkret nannte die Behörde einen Milliardenkredit und Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe. BayWa hat Widerspruch eingelegt.
Die Kanzlei TILP bereitet Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 Aktien erworben haben. Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen Untreue gegen ehemalige Führungskräfte — darunter Ex-CEO Marcus Pöllinger. Hausdurchsuchungen gab es im Januar. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
PwC unter Druck — Mandat neu ausgeschrieben
Weil die BaFin Verdachtsmomente festgestellt hat, schaltet sich auch die staatliche AbschlussprĂĽferaufsichtsstelle (Apas) ein. Sie leitete ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren gegen PwC ein. Der BayWa-Vorstand prĂĽft nun SchadensersatzansprĂĽche gegen die WirtschaftsprĂĽfer.
Das Prüfungsmandat für den Jahres- und Konzernabschluss 2026 hat BayWa neu ausgeschrieben. Einen offiziell benannten Nachfolger gibt es noch nicht. PwC prüft den Konzernabschluss 2025 noch letztmalig — dieser liegt allerdings erst im vierten Quartal 2026 vor. Grund sind Neubewertungen in der Energiesparte BayWa r.e., deren Mittelfristplanung wegen verschlechterter Marktbedingungen in Europa und den USA deutlich nach unten korrigiert werden musste.
Drei Aufgaben, ein enger Zeitplan
Die juristische Last trifft auf einen Sanierungsplan unter erheblichem Druck. BayWa steht vor einer Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro. Das gesamte Restrukturierungskonzept braucht zwingend die Verlängerung der Stillhaltevereinbarung mit den Kernbanken bis Herbst 2026.
Bis dahin mĂĽssen drei Dinge gelingen: die Bankenzustimmung zum Sanierungsplan, der Abschluss des T&G-Verkaufs und die Vorlage des testierten Jahresabschlusses. Scheitert BayWa an einer dieser Stellen, wackelt das gesamte Konstrukt erneut.
Drei Aufsichtsratsmitglieder haben bereits Konsequenzen gezogen. Monika Hohlmeier und Michael Höllerer legten ihre Mandate Ende März nieder, Monique Surges folgte Ende Mai. Die Schwelle für zustimmungspflichtige Geschäfte sank von 200 auf 50 Millionen Euro.
T&G-Verkauf stockt weiter
Mit dem Cefetra-Verkauf und weiteren Transaktionen hat BayWa bislang 1,3 Milliarden Euro an Schulden abgebaut. Der nächste potenzielle Erlös soll aus dem Verkauf von T&G Global kommen — erwartet werden rund 300 Millionen Euro. Als Interessenten gelten Roc Partners, Paine Schwartz und Hancock. Die komplizierte Aktionärsstruktur mit der Hongkonger Joy Wing Mau Group bremst den Prozess allerdings weiterhin aus.
Die Aktie schloss am Freitag bei 11,20 Euro, ein Tagesplus von gut fünf Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 33 Prozent — und die annualisierte Volatilität liegt bei rund 88 Prozent.
Eine verbindliche Richtungsentscheidung fällt frühestens im vierten Quartal 2026, wenn Bankeneinigung und testierter Jahresabschluss vorliegen. Bis dahin agiert der Markt ohne belastbare Zahlen — und die Hauptversammlung, auf der Nachfolger für die ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder bestätigt werden müssen, hat noch keinen Termin.
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