BearingPoint GmbH / BearingPoint-Studie: Deutsche Banken sind so stabil ...
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 07:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKĂŒnftig entscheiden Effizienz, Ertragskraft, Daten und KI ĂŒber Gewinner und Verlierer im Bankenmarkt.
Deutschlands Banken sind heute so stabil wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Gleichzeitig entwickelt sich ausgerechnet Deutschland zu einem Unsicherheitsfaktor im europĂ€ischen Bankensektor. WĂ€hrend viele europĂ€ische MĂ€rkte ihre Problemkredite weiter abbauen, stieg der Bestand notleidender Kredite deutscher Banken zwischen 2019 und 2025 um 87 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Bankenstudie von BearingPoint, fĂŒr die 216 europĂ€ische Banken ĂŒber einen Zeitraum von 13 Jahren analysiert wurden.
Die Studie zeigt zugleich: Europas Banken haben ihre StabilitĂ€tsagenda weitgehend abgeschlossen. Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg seit 2013 von 15,7 auf rund 20 Prozent, die durchschnittliche Problemkreditquote sank europaweit auf 1,9 Prozent. Doch die nĂ€chste Wettbewerbsphase wird nicht mehr durch KapitalstĂ€rke und LiquiditĂ€t entschieden, sondern durch Effizienz, Ertragskraft, DatenqualitĂ€t und den erfolgreichen Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz.
"Unsere Analyse belegt, dass hohe Kapitalquoten und solide LiquiditĂ€t heute Hygienefaktoren sind. Differenzieren werden sich Banken kĂŒnftig ĂŒber datengetriebene Steuerung, intelligente Automatisierung und die FĂ€higkeit, regulatorische KomplexitĂ€t effizient zu beherrschen. Genau dort liegt das gröĂte Potenzial fĂŒr Finance- und Risk-Funktionen in den kommenden Jahren", sagt Alexander Beck, Partner bei BearingPoint.
Deutschlands Banken werden effizienter, kÀmpfen aber um ihren Platz im europÀischen Bankenmarkt
Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild des deutschen Bankenmarkts. Deutschlands Institute haben ihre Effizienz in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Cost-Income-Ratio sank europaweit zwischen 2019 und 2025 von 62,9 auf 52,7 Prozent. Mit einer Cost-Income-Ratio von 54,8 Prozent liegen deutsche Banken inzwischen nahezu auf Benelux-Niveau und sogar vor Ăsterreich. Dennoch bleibt Deutschland bei der ProfitabilitĂ€t hinter fĂŒhrenden europĂ€ischen Regionen zurĂŒck. Die Eigenkapitalrendite deutscher Banken liegt 2025 bei 8,6 Prozent und damit deutlich unter dem europĂ€ischen Durchschnitt von 10,4 Prozent sowie den 14 bis 15,4 Prozent, die Banken in SĂŒdeuropa und den nordischen LĂ€ndern erreichen.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung auf der Risikoseite. Deutschland ist der einzige groĂe europĂ€ische Bankenmarkt, in dem Problemkredite wieder deutlich zunehmen - allerdings von einem vergleichsweise niedrigen Niveau kommend. Der Anstieg konzentriert sich dabei vor allem auf den Gewerbeimmobiliensektor. Bei spezialisierten Immobilienfinanzierern stieg die Problemkreditquote von 0,85 auf 4,09 Prozent der Bilanzsumme. Gleichzeitig bleibt die Risikolage bei den meisten anderen deutschen Instituten weitgehend stabil.
Damit stellt die Studie eine weitverbreitete Annahme der Branche infrage: Niedrige Kostenquoten allein sind kein Beleg fĂŒr ein widerstandsfĂ€higes GeschĂ€ftsmodell. Ausgerechnet die jahrelang effizientesten Institute zĂ€hlen heute zu den HĂ€usern mit den höchsten Risikokonzentrationen.
"FĂŒr Deutschland ist die Botschaft besonders klar: Die Institute sind heute robuster als je zuvor. Gleichzeitig steigen die Problemkredite, die ErtrĂ€ge bleiben stark zinsabhĂ€ngig und die RenditelĂŒcke zu Europas Spitzenreitern besteht fort. Die Frage fĂŒr die kommenden Jahre lautet daher, ob deutsche Banken produktiv genug sind, um die nĂ€chste Wettbewerbsphase zu gewinnen", kommentiert Dr. Kordula Oppermann, Director bei BearingPoint.
Die Zeit des RĂŒckenwinds geht zu Ende
Die Studie wirft auch die Frage auf, wie nachhaltig die aktuelle Erholung der europĂ€ischen Banken tatsĂ€chlich ist. Zwar stieg die durchschnittliche Eigenkapitalrendite europĂ€ischer Banken von 4,1 Prozent im Corona-Jahr 2020 auf 10,4 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig zeigt die Analyse jedoch, dass ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung auf die Zinswende zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Besonders deutlich wird dies in Deutschland: Hier stieg der Anteil des Zinsergebnisses am Gesamtertrag zwischen 2019 und 2025 von rund 46 auf 55 Prozent. Die vielfach geforderte Diversifikation weg vom klassischen ZinsgeschĂ€ft hat damit bislang nicht stattgefunden. Entsprechend anfĂ€llig bleibt die aktuelle ErtragsstĂ€rke fĂŒr eine Normalisierung des Zinsumfelds.
BearingPoint bezeichnet die kommenden Jahre deshalb als "RealitĂ€tscheck" fĂŒr die Branche. Nicht der nĂ€chste Zinszyklus wird ĂŒber die WettbewerbsfĂ€higkeit entscheiden, sondern die FĂ€higkeit, Effizienzsteigerungen dauerhaft zu verankern, Ertragsquellen zu diversifizieren und neue Technologien produktiv einzusetzen.
KI wird vom Innovationsthema zum Wettbewerbsfaktor
Neben dem Langfristvergleich europĂ€ischer Banken analysiert die Studie die Rolle von kĂŒnstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Dabei warnt BearingPoint vor einer verbreiteten FehleinschĂ€tzung. Der Erfolg von KI bemisst sich nicht an der Anzahl von Pilotprojekten oder einzelnen AnwendungsfĂ€llen. Entscheidend ist vielmehr, ob Banken ihre zentralen Wertschöpfungsprozesse neu organisieren und kĂŒnstliche Intelligenz in KerngeschĂ€ftsfunktionen wie Kreditvergabe, Risikomanagement, Compliance oder Kundenservice integrieren können.
"Europas Banken haben ihre WiderstandsfĂ€higkeit in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen. Jetzt beginnt die nĂ€chste Phase der Transformation. Nicht die Anzahl einzelner KI-AnwendungsfĂ€lle wird ĂŒber den Erfolg entscheiden, sondern die FĂ€higkeit, vertrauenswĂŒrdige Daten, moderne Betriebsmodelle und skalierbare KI-FĂ€higkeiten zu einer nachhaltigen Performance-Architektur zu verbinden", resĂŒmiert Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint.
Ăber die Studie
Die BearingPoint Bankenstudie 2026 basiert auf der Analyse veröffentlichter GeschĂ€ftsberichte und Pillar-3-Offenlegungsberichte europĂ€ischer Banken im Zeitraum von 2013 bis 2025. FĂŒr das Berichtsjahr 2025 umfasst die Stichprobe 168 Institute; ĂŒber den gesamten Untersuchungszeitraum flieĂen insgesamt 216 Banken in die Analyse ein. Alle betrachteten Institute stehen unter der Aufsicht der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) oder einer nationalen Aufsichtsbehörde.
Die vollstĂ€ndige Studie steht unter dem nachfolgenden Link zur VerfĂŒgung: https://ots.de/PiQLeM
Ăber BearingPoint
BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite, die Unternehmen mithilfe moderner Technologien transformiert. Wir unterstĂŒtzen Unternehmen bei der Transformation, indem wir fundiertes Branchenwissen mit starken Kompetenzen in Strategie, GeschĂ€ftsprozessen, Technologie und KI kombinieren. Unsere Beraterteams arbeiten dabei in unterschiedlichsten Industrien - immer nah am Kunden. Spezialisierte SAP- und Microsoft-Einheiten, ein starker Fokus auf KI sowie ergebnisorientierte Softwarelösungen ermöglichen maĂgeschneiderte, innovative Lösungen fĂŒr die Herausforderungen unserer Kunden.
Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.
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