Bahn, ZĂŒge

Bahn: Lassen keine ZĂŒge ausfallen, um Statistik aufzubessern

19.09.2025 - 13:07:48

Bei hohen VerspÀtungen im Fernverkehr stoppt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben in EinzelfÀllen den Zug an einem Bahnhof und bittet FahrgÀste, auf andere Verbindungen umsteigen.

Damit solle aber nicht verhindert werden, dass die betroffenen ZĂŒge in die VerspĂ€tungsstatistik eingehen, teilte der bundeseigene Konzern mit. Er wies damit eine entsprechende Darstellung des "Spiegel" zurĂŒck. "Die DB schönt keine Statistiken", schreibt das Unternehmen.

Hintergrund ist, dass ZugausfĂ€lle nicht in der betrieblichen PĂŒnktlichkeitsstatistik berĂŒcksichtigt werden. Sie erfasst die Haltepunkte der ZĂŒge, die diese mit einer VerspĂ€tung von mindestens sechs Minuten erreichen. Im vergangenen Monat waren demnach lediglich knapp 60 Prozent der FernzĂŒge pĂŒnktlich unterwegs. Ausgefallene ZĂŒge gehen nicht in diese Quote ein, bei TeilausfĂ€llen nur die Strecke, die der Zug bereits zurĂŒckgelegt hat.

Chat: Zug fÀllt zur Verbesserung der Statistik aus

Daneben erhebt die Deutsche Bahn monatlich auch die sogenannte ReisendenpĂŒnktlichkeit. Sie misst den Anteil der Reisenden, die im jeweiligen Zeitraum pĂŒnktlich am Ziel ihrer Reise ankamen. Als pĂŒnktlich gilt ein Reisender bis zu einer Verzögerung von maximal 14 Minuten und 59 Sekunden. Im August lag diese Quote bei knapp 67 Prozent. ZugausfĂ€lle werden dabei berĂŒcksichtigt.

Der "Spiegel" berichtet ĂŒber zwei FĂ€lle aus dem September, bei denen die ZĂŒge mit einer beziehungsweise mit zwei Stunden VerspĂ€tung unterwegs waren. In beiden FĂ€llen wurden die ZĂŒge schließlich gestoppt; die FahrgĂ€ste mussten mit anderen Verbindungen an ihr Ziel kommen. Das Magazin zitiert in diesem Zusammenhang aus einem internen System-Chat der DB, in dem es demnach zur BegrĂŒndung des Zugausfalls hieß: "Zug fĂ€llt zur Verbesserung der Statistik ab Köln aus".

Bahn: Formulierung ist falsch

Die Bahn rĂ€umt die VorgĂ€nge ein, erlĂ€utert aber, bei dem Chat handele es sich um eine interne Plattform namens "BetriebLive". "Über diese Plattform findet Austausch im Chat-Format statt, nicht jedoch Statistik-Erfassung." Die von einem Mitarbeiter gewĂ€hlte Formulierung sei falsch. "Mit ihm ist bereits Kontakt aufgenommen worden", hieß es.

Die GrĂŒnde dafĂŒr, dass in EinzelfĂ€llen ZĂŒge gestoppt werden und die FahrgĂ€ste umsteigen mĂŒssen, seien andere: Zum einen mĂŒssten auf hoch verspĂ€teten ZĂŒgen die arbeitsrechtlichen Belange des Zugpersonals berĂŒcksichtigt werden. Außerdem belasteten die verspĂ€teten Verbindungen das ohnehin schon ĂŒberlastete Netz. Daher könne es unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein, ZĂŒge auf Teilabschnitten ausfallen zu lassen. Grundvoraussetzung dafĂŒr sei, dass es auf der betroffenen Verbindung eine direkte Alternative fĂŒr die FahrgĂ€ste gebe.

@ dpa.de