Beinahe-UnglĂŒck: Warum war die Boeing beim Start zu langsam?
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 14:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Wichtigste: Warum kam die Maschine auf dem Rollfeld vor dem Start nicht auf die geplante Geschwindigkeit? Wieso kam es zu dem dramatischen Start, der in einer Katastrophe hÀtte enden können?
Was passierte bei dem gefÀhrlichen Start?
Die Boeing-Dreamliner war am Samstag auf dem Rollfeld zu langsam, fuhr ĂŒber das Ende der Startbahn hinaus und schaffte es in einer Staubwolke gerade noch in die Luft. Bei der Landung zwei Stunden spĂ€ter in MĂŒnchen war am Fahrwerk Qualm zu sehen, Reifen waren geplatzt. Passagiere und Besatzung blieben unverletzt, sie kamen mit dem Schrecken davon.
Nach einem vorlĂ€ufigen Bericht der vietnamesischen Luftfahrtbehörde zu dem Vietnam-Airlines-Flug VN34 geht aus den Angaben der Piloten hervor, dass die Geschwindigkeit des Flugzeugs wĂ€hrend des Startvorgangs zwischenzeitlich abnahm. Da nicht mehr genĂŒgend Strecke fĂŒr einen Startabbruch zur VerfĂŒgung stand, hĂ€tten die Piloten den Start fortgesetzt, den Schub erhöht und die Flugzeugnase erfolgreich angehoben, sodass das Flugzeug abhob.
Wie reagierte die Besatzung dann?
Nach dem Start erhielt die Besatzung dem Bericht zufolge Warnungen, die darauf hindeuteten, dass das Heck des Flugzeugs die Startbahn berĂŒhrt oder gestreift hatte. AuĂerdem wurde eine Reifendruckwarnung ausgelöst. Bei vier der acht Reifen an den beiden Hauptfahrwerken war demnach der Reifendruck abgefallen.
Die Besatzung informierte die Flugsicherung und entschied, fĂŒr eine technische ĂberprĂŒfung zum MĂŒnchner Flughafen zurĂŒckzukehren, wie aus dem Bericht der Piloten hervorgeht. Auch das vietnamesische Staatsmedium "Bao Moi" hatte das unter Berufung auf die vietnamesische Luftfahrtbehörde berichtet.
Eine solche Entscheidung fĂ€llt grundsĂ€tzlich im Cockpit, wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) erlĂ€uterte. Die DFS ist dann zustĂ€ndig, den Luftraum entsprechend freizurĂ€umen und einen Slot fĂŒr die Landung vorzubereiten. Eine RĂŒckkehr zum Startflughafen sei bei Problemen insbesondere kurz nach dem Start ein ĂŒbliches Vorgehen.
Wie reagierte die Airline?
Die Airline sprach bereits am Samstag von einem technischen Problem und verwies auf Warnmeldungen, die kurz nach dem Vorfall beim Start abgesetzt wurden. Sie entschuldigte sich bei den Passagieren "aufrichtig fĂŒr die entstandenen Unannehmlichkeiten" und betonte, die Flugzeugbesatzung habe alle vorgeschriebenen Verfahren eingehalten.
Was wird weiter zur AufklÀrung getan - und wann gibt es Ergebnisse?
ZustĂ€ndig fĂŒr die Untersuchung des Vorfalls ist die Bundesstelle fĂŒr Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Deren Experten stellten schon am Wochenende Flugdatenschreiber und Voicerekorder sicher. Bei der BFU rechnet man mit mehreren Wochen, bis zunĂ€chst ein Zwischenbericht vorgelegt werden kann. Bis zum Abschlussbericht dĂŒrften jedoch Monate vergehen.
Wie gefÀhrlich war der Start?
Flughafen und Airline haben sich dazu nicht geĂ€uĂert. Nach Meinung eines Luftfahrtexperten entging der Flughafen allerdings nur haarscharf einer Katastrophe. "Das hĂ€tte einen Feuerball mit Hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hĂ€tten", sagt Luftfahrtexperte Heinrich GroĂbongardt der Deutschen Presse-Agentur.
Wie gefÀhrlich war die Landung?
Nach EinschĂ€tzung des Luftsicherheitsexperten Harald Hanke hat die Besatzung des Dreamliners alles getan, um eine möglichst risikoarme Sicherheitslandung hinzubekommen. In der gebotenen Ruhe wurden demnach Kerosin abgelassen und die technischen Systemhinweise nach dem fehlerhaften Start bewertet. Vor der Landung musste das Flugzeug zweimal knapp ĂŒber den Flughafen fliegen, um mögliche SchĂ€den an den Fahrwerken vom Boden aus zu erkennen. Nicht zuletzt waren ja nach dem Start Probleme am Reifendruck angezeigt worden. Letztlich platzten zwei von vier Reifen am linken Fahrwerk, die möglicherweise schon vorgeschĂ€digt waren. Der Flieger kam dennoch sicher zum Stehen.
Wie verhÀlt sich Vietnams Regierung?
Die vietnamesische Regierung setzt auf Kooperation und Transparenz. Sie habe die Luftfahrtbehörde und die staatliche Fluggesellschaft angewiesen, dringend mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten und zugleich die Aufsicht ĂŒber die Sicherheitsverfahren im Luftverkehr zu verstĂ€rken, berichteten staatliche Medien am Dienstag. Zudem sei die vietnamesische Luftfahrtbehörde aufgefordert worden, die Sicherheitsaufsicht ĂŒber die Ausbildung von Luftfahrtpersonal sowie ĂŒber den Flugbetrieb und die Wartung von Flugzeugen durch vietnamesische Fluggesellschaften zu verstĂ€rken.
Wie haben FluggÀste den Vorfall erlebt?
Passagiere beschrieben einen Schlag, es habe einen richtigen Knall gegeben, als der Flieger ĂŒber die Landebahn herausschoss. Einige, so berichtet ein Fluggast, hĂ€tten offensichtlich dem keine besondere Bedeutung gegeben oder gar nichts mitbekommen - sie hĂ€tten wĂ€hrend des etwa zweistĂŒndigen Fluges geschlafen. Er selbst und sein Begleiter hingegen hĂ€tten sich zunehmend Sorgen gemacht. "Hoffentlich kommen wir da wieder runter." Er habe vor Angst geschwitzt und gefroren zugleich, berichtet ein anderer Fluggast.
Kritik gab es an der Kommunikation. "Wir hatten keinerlei Informationen wĂ€hrend des Flugs, wir waren im Ungewissen", sagte der Fluggast. SchlieĂlich seien die FluggĂ€ste aufgefordert worden, die Sicherheitshaltung einzunehmen: den Kopf nach vorne geneigt und mit den HĂ€nden geschĂŒtzt. "Gott sei Dank" habe der Pilot die Maschine am Ende relativ sanft wieder auf den Boden gebracht.
Was geschah nach dem Flug mit den Passagieren?
Sie wurden am Rollfeld von Feuerwehr- und RettungskrĂ€ften in Empfang genommen und mit Bussen zum FlughafengebĂ€ude gefahren. Sie seien in Hotels untergebracht worden, berichtet ein Fluggast. FĂŒr den Weiterflug habe er sich fĂŒr eine andere Airline entschieden. "Wir haben aufgrund des Vorfalls kein gutes GefĂŒhl mehr gehabt." Von einem Ersatzflug war zunĂ€chst am Flughafen MĂŒnchen nichts bekannt.
