LĂ€ngster Stromausfall in Berlin nach Brandanschlag
06.01.2026 - 16:12:09(neu: Details, Hintergrund)
BERLIN (dpa-AFX) - Berlin erlebt den lĂ€ngsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte. Viele Tausende Menschen mĂŒssen ohne Strom und WĂ€rme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) und der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der landeseigenen Gesellschaft Berlin Stromnetz, Bernhard BĂŒllmann, versicherten ihnen, dass sie bis Donnerstag wieder mit Strom versorgt werden.
Am Tag vier des Blackouts im SĂŒdwesten der Hauptstadt sind noch rund 25.500 Haushalte und 1.200 GeschĂ€fte und Firmen nach Angaben des Betreibers ohne Strom.
Videomaterial sichergestellt
Zu dem Brandanschlag an einer KabelbrĂŒcke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte sich eine linksextremistische Gruppierung bekannt. In der Folge waren am Samstagmorgen im SĂŒdwesten Berlins zunĂ€chst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom.
Die Polizei ermittelt weiter, wer hinter dem Brandanschlag steckt. Nach Zeugenaufrufen seien Hinweise im "mittleren zweistelligen Bereich" eingegangen, sagte Polizei-VizeprÀsident Marco Langner. Acht davon seien erfolgversprechend. Zudem habe die Polizei mehrere Hundert Stunden Videomaterial sichergestellt. .
Generalbundesanwalt soll aus Berliner Sicht Fall ĂŒbernehmen
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Regierungschef Wegner drĂ€ngen darauf, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen ĂŒbernimmt. Spranger wiederholte, sie gehe von einem linksterroristischen Anschlag aus. DarĂŒber habe sie am Montag mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gesprochen. "Er sieht es genauso", sagte sie. Wegner sagte: "Hier ging es um einen terroristischen Akt, und dafĂŒr ist das Bundeskriminalamt, die Bundesanwaltschaft, zustĂ€ndig."
Unterdessen kursieren im Internet Spekulationen darĂŒber, ob Russland und einer seiner Geheimdienste die eigentlichen TĂ€ter sein könnten. Die Polizei spricht allerdings klar von Linksextremisten.
Hotels und SchwimmbĂ€der öffnen fĂŒr Betroffene
FĂŒr die Betroffenen gibt es praktische Hilfsangebote: So sollen drei BĂ€der in dem betroffenen Bereich rund um die Uhr öffnen, damit die Menschen kostenlos duschen können. Die Bundeswehr hilft laut Innenverwaltung vor allem bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung von Notstromaggregaten. Die Soldaten versorgen die Menschen vor Ort auch mit warmen Essen und Tee. In Notquartieren oder anderen Anlaufstellen wĂ€rmen sich Betroffene auf. Etwa 20 Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.
Um möglichst alle Menschen zu erreichen, gehen Mitarbeiter von OrdnungsĂ€mtern, der Polizei, der Malteser und anderen Besuchsdiensten seit Sonntag von TĂŒr zu TĂŒr.
Manche Menschen sind in Hotels gegangen. Betroffenen werden die Kosten fĂŒr Hotelzimmer erstattet, wie Berlins Regierender BĂŒrgermeister Wegner auf X mitteilte. Der Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft zufolge gilt das fĂŒr entsprechende Partnerhotels der Berliner Tourismusagentur Visit Berlin.
Netzbetreiber: Gut im Zeitplan
Der Netzbetreiber arbeitet daran, dass wieder alle Menschen mit Strom versorgt werden. Laut Betreiber sind die Tiefbauarbeiten fĂŒr die beiden provisorischen Kabelverbindungen abgeschlossen. Nun begĂ€nnen die elektrischen Arbeiten zur Herstellung der Verbindung. Damit liege man "sehr gut im Zeitplan", sagte ein Sprecher.
Laut Betreiber sind alle 74 betroffenen Pflegeeinrichtungen wieder mit Strom versorgt. Aktuell seien 36 groĂe Notstromaggregate im Einsatz. Auch die Stromversorgung fĂŒr alle drei betroffenen S-Bahnhöfe ist laut Stromnetz wiederhergestellt.
Polizei verstÀrkt PrÀsenz
Die Polizei hat in Wannsee und den benachbarten Ortsteilen ihre PrĂ€senz deutlich erhöht. Man habe UnterstĂŒtzung durch die Bundespolizei und sei mit bis zu 550 Beamtinnen und Beamten im Einsatz, sagte Polizei-VizeprĂ€sident Langner. Man sei sehr eng mit der Bundespolizei in Abstimmung, um zusĂ€tzliche Lichtmasten zu erhalten. In der Nacht war die Polizei auch mit einem Hubschrauber unterwegs, um die KrĂ€fte am Boden zu unterstĂŒtzen. Bislang sei die Situation aber "erstaunlich ruhig", sagte Langner.
LĂ€ngster Blackout in Berlin seit Krieg
Laut Stromnetz handelt es sich inzwischen um den lĂ€ngsten Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Blackout vom September 2025 im Berliner SĂŒdosten hatte rund 60 Stunden gedauert. Damals waren rund 50.000 Stromkunden betroffen.

