Weniger Steuereinnahmen fĂŒr den Staat als erwartet
07.05.2026 - 16:45:04 | dpa.de(neu: mehr Details und Hintergrund)
BERLIN (dpa-AFX) - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kann angesichts schwĂ€cherer Konjunkturaussichten wegen des Iran-Kriegs in den nĂ€chsten Jahren mit weniger Steuereinnahmen rechnen als noch im Herbst angenommen - wie der gesamte Staat auch mit LĂ€ndern und Kommunen. FĂŒr 2027 ergibt die aktuelle SteuerschĂ€tzung allein fĂŒr den Bund 10,1 Milliarden Euro weniger als bisher erwartet, wie das Finanzministerium mitteilte. Auch in den folgenden Jahren bis 2030 dĂŒrfte weniger Steuergeld hereinkommen als gedacht.
Klingbeil sagte, die SchĂ€tzung zeige, "wie sehr uns der Iran-Krieg wirtschaftlich schadet". US-PrĂ€sident Donald Trumps "verantwortungsloser Krieg" und der daraus resultierende Energiepreis-Schock bremsten die Wirtschaftsdynamik vorerst aus. Die Lage bleibe von groĂen Unsicherheiten geprĂ€gt und erfordere permanentes Krisenmanagement. Klingbeil betonte zugleich, man mĂŒsse weiter daran arbeiten, krisenfester und unabhĂ€ngiger zu werden. "Wir setzen deshalb auf Investitionen und Reformen, um Deutschland stĂ€rker zu machen."
Prognose bis 2030
Konkret sagen die SchĂ€tzer nun fĂŒr 2027 beim Bund Steuereinnahmen von 394,6 Milliarden Euro voraus. FĂŒr den gesamten Staat - also auch mit LĂ€ndern und Kommunen - ist mit einer Billion Euro zu rechnen. Es wĂ€ren aber 17,7 Milliarden Euro weniger als noch in der SchĂ€tzung von Oktober 2025 erwartet. Auch fĂŒr die Folge-Jahre bis 2030 ergibt die Prognose nun jeweils rund 17 Milliarden Euro weniger an Steuereinnahmen als noch im Herbst angenommen.
Dem Arbeitskreis fĂŒr die SteuerschĂ€tzungen gehören Experten der Bundesregierung, der fĂŒhrenden Wirtschaftsforschungsinstitute, des Statistischen Bundesamts, der Bundesbank, des SachverstĂ€ndigenrats fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung sowie von LĂ€ndern und Kommunen an. Das Gremium kommt zweimal im Jahr, im FrĂŒhjahr und im Herbst, zusammen.
Die Ergebnisse bilden jetzt eine wichtige Grundlage fĂŒr die nĂ€chsten Schritte fĂŒr den Bundesetat 2027. DafĂŒr hatte das schwarz-rote Kabinett Ende April bereits Eckwerte beschlossen. Seinen Regierungsentwurf will Klingbeil Anfang Juli ins Kabinett bringen. An mehrere Ministerkollegen hat er dafĂŒr schon in der Koalition verabredete AuftrĂ€ge vergeben, um verbliebene LĂŒcken zu schlieĂen - von KĂŒrzungen bei BundeszuschĂŒssen fĂŒr Sozialversicherungen ĂŒber Reformen bei Elterngeld und Wohngeld bis zu neuen Abgaben auf Plastik und Limonaden. Abgabe der EntwĂŒrfe: spĂ€testens am 20. Mai. Auch Subventionsabbau steht an.
GetrĂŒbte Konjunkturaussichten
Grundlage der SteuerschĂ€tzung ist jeweils die jĂŒngste Wirtschaftsentwicklung. Und ihre Konjunkturprognose hatte die Bundesregierung erst im April halbiert und erwartet in diesem Jahr fĂŒr Deutschland nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. FĂŒr 2027 werden 0,9 Prozent Wachstum veranschlagt. Klingbeil betonte, Treiber der Entwicklung sei der Iran-Krieg. Es sei auch nicht der Fall, dass der Staat durch höhere Steuereinnahmen profitiere - im Gegenteil: "Der Staat ist kein Krisengewinner. Der Iran-Krieg kostet Deutschland Geld."
Die Vorbereitungen fĂŒr den Bundesetat 2027 erleichtert das nicht, auch wenn das Ministerium fĂŒr die Eckwerte schon eine erste "interne Aktualisierung" der SteuerschĂ€tzung von Oktober vorgenommen hatte. Die neue SteuerschĂ€tzung schaffe nun einen zusĂ€tzliche Einsparbedarf von etwa einer Milliarde Euro, sagte Klingbeil. Schon berĂŒcksichtigt wurde auch eine Palette teurer Vorhaben der Koalition, die 2027 zu Buche schlagen - etwa die Mehrwertsteuersenkung fĂŒr Speisen in der Gastronomie oder die Anhebung der Pendlerpauschale.
"Momentaufnahme in hoher Unsicherheit"
Unions-ChefhaushĂ€lter Christian Haase mahnte direkt zur Vorsicht und nannte auch die frische SteuerschĂ€tzung nur eine "Momentaufnahme in Zeiten hoher Unsicherheit". Der Iran-Krieg habe Energie und Rohstoffe drastisch verteuert. Der CDU-Politiker forderte: "Statt neuer kostenwirksamer Ausgabenprogramme oder etwaiger Umverteilungsphantasien gilt es, eine Dynamik zu entfachen fĂŒr wirtschaftliches Wachstum." Es brauche eine kluge, aktivierende Steuerpolitik flankiert von Strukturreformen, um wirtschaftliche Impulse zu setzen.
GrĂŒnen-Haushaltsexperte Sebastian SchĂ€fer sagte, die neue SteuerschĂ€tzung mĂŒsse ein Warnsignal fĂŒr Klingbeil und Kanzler Friedrich Merz (CDU) sein. "Der Haushalt und die Finanzpolitik dieser Koalition sind auf Sand gebaut." Das sei auch Resultat von "Steuersenkungen ohne Wachstumswirkungen", die auf Druck der CSU gekommen seien. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) mahnte: "Ohne Wachstum bleiben dem Staat die HĂ€nde gebunden." Hemmnisse fĂŒr Unternehmen mĂŒssten zĂŒgig abgebaut werden.
FĂŒr den Etat 2027 veranschlagt Klingbeil laut den Eckwerten bisher Ausgaben von 543,3 Milliarden Euro - nach 524,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Der Bund plant im Kernhaushalt mit neuen Schulden von 110,8 Milliarden Euro. Dazu kommen schuldenfinanzierte Ausgaben im Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur sowie fĂŒr Verteidigung. Der Bundestag soll den Haushalt voraussichtlich Ende November beschlieĂen.
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