ROUNDUP, Russlands

'Wir sind Russlands nÀchstes Ziel'

11.12.2025 - 15:15:38

BERLIN - Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie "absolute PrioritĂ€t" fĂŒr die StĂ€rkung der europĂ€ischen SĂ€ule der Nato zugesichert.

(neu: Details)

BERLIN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie "absolute PrioritĂ€t" fĂŒr die StĂ€rkung der europĂ€ischen SĂ€ule der Nato zugesichert. "Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, das ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor", sagte Merz zudem bei einem Treffen mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte in Berlin.

Der NiederlĂ€nder warnte in einer Rede in Berlin ungewöhnlich deutlich vor der Bedrohung durch Russland. Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin wolle es nicht bei dem Krieg gegen die Ukraine belassen. "Wir sind Russlands nĂ€chstes Ziel", sagte der NiederlĂ€nder. FĂŒr die Nato gehe es nun darum, einen Krieg zu stoppen, bevor dieser beginne. Konkret forderte Rutte erneut mehr Engagement bei der Steigerung der Verteidigungsausgaben und der UnterstĂŒtzung der Ukraine.

Die Äußerungen kommen in einer Zeit zunehmender Verunsicherung darĂŒber, wie bestĂ€ndig das transatlantische VerhĂ€ltnis unter US-PrĂ€sident Donald Trump kĂŒnftig ist. Die US-Regierung beklagte in einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Sicherheitsstrategie einen angeblichen Verlust der Demokratie und der Meinungsfreiheit in Europa. Der Kontinent stehe vor großen Problemen, hieß es in dem Dokument.

Dazu zĂ€hlen nach Ansicht der US-Regierung unter anderem die "Zensur der freien MeinungsĂ€ußerung und die UnterdrĂŒckung der politischen Opposition, abstĂŒrzende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler IdentitĂ€ten und des Selbstvertrauens". Wirbel machten auch unbestĂ€tigte Berichte darĂŒber, die US-Regierung könnte einzelne EU-Staaten aus der Union herauslösen wollen.

Merz: Europa auch unter Druck zusammenhalten

Der Kanzler sagte, er wolle ein einiges und starkes Europa mit aller Kraft behaupten. "Das heißt, wo wir jenseits der Rhetorik im eigenen Interesse mit den USA zusammenarbeiten können, werden wir das selbstverstĂ€ndlich weiterfĂŒhren", sagte Merz. Das gelte insbesondere fĂŒr die intensive Arbeit an einem möglichen Frieden in der Ukraine und die Zukunft der Nato.

"Wir werden das als einiges und ein starkes Europa tun. Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, das ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor", sagte Merz.

Merz sagte auch: "Die neue nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten, die wir in der letzten Woche gesehen haben, bestÀtigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind."

Kanzler erwartet Tomahawks in Deutschland

Merz rechnet aber damit, dass die USA im nĂ€chsten Jahr wie geplant mit der Stationierung von weitreichenden Waffen in Deutschland beginnen. "Ich habe im Augenblick keine Veranlassung, an den Verabredungen zu zweifeln, die wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Nato-BĂŒndnis getroffen haben", sagte er. "Es gibt keine AnkĂŒndigung und auch keine Schritte hin zur Auflösung des gegenseitigen Sicherheitsversprechens, das wir uns gegeben haben."

Er antwortete mit diesen SĂ€tzen auf die Frage, ob er vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie die Sorge habe, dass die US-Regierung ihre Zusage zurĂŒckziehen könnte, wieder Marschflugkörper vom Typ Tomahawk in Deutschland zu stationieren. Dabei geht es um eine Absprache, die im Juli 2024 noch mit der Regierung des damaligen US-PrĂ€sidenten Joe Biden getroffen worden war.

Rutte: USA stehen zu ihrer Verpflichtung

Sie sieht vor, dass die USA von 2026 an in Deutschland wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen stationieren wollen, die weit bis nach Russland reichen. Darunter sollen Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern sein, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen.

Die Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump hat sich öffentlich bislang nicht klar dazu geĂ€ußert, ob sie die Absprachen wie geplant umsetzen will. In einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Sicherheitsstrategie wird als US-Ziel ausgegeben, dass die EuropĂ€er kĂŒnftig die Hauptverantwortung fĂŒr ihre Verteidigung ĂŒbernehmen sollen.

Merz sagte zu diesem Thema: "Wir wissen, dass wir fĂŒr unsere Sicherheit in Europa sehr viel mehr tun mĂŒssen als in der Vergangenheit." Darauf weise die amerikanische Regierung zu Recht hin. Rutte sagte zu der neuen Sicherheitsstrategie, dort stehe eindeutig, dass die USA sich Europa und Europas Sicherheit weiter verpflichtet fĂŒhlten. "Die USA stehen zu ihrer Verpflichtung gegenĂŒber der Nato", sagte er.

@ dpa.de