ROUNDUP, Regierung

Regierung tut nicht genug fĂŒr den Klimaschutz

18.05.2026 - 12:13:41 | dpa.de

BERLIN - Die Anstrengungen der Bundesregierung beim Klimaschutz reichen nach EinschÀtzung eines wichtigen Beratergremiums nicht aus.

(neu: Aussagen aus der Pk, Details)

BERLIN (dpa-AFX) - Die Anstrengungen der Bundesregierung beim Klimaschutz reichen nach EinschĂ€tzung eines wichtigen Beratergremiums nicht aus. Die Wirkung des jĂŒngst von Umweltminister Carsten Schneider (SPD) vorgestellten Klimaschutzprogramms dĂŒrfte deutlich geringer ausfallen als von der Bundesregierung angenommen, schreibt der Expertenrat fĂŒr Klimafragen in seinem in Berlin veröffentlichten neuesten Gutachten.

Selbst wenn das Programm komplett umgesetzt wĂŒrde, werde keines der Ziele fĂŒr das Jahr 2040 erreicht, so der Expertenrat, ein unabhĂ€ngiges Beratergremium der Bundesregierung. Dass die von Umweltminister Schneider angekĂŒndigten Ausschreibungen fĂŒr rund 2.000 weitere WindrĂ€der tatsĂ€chlich zu CO2-Einsparungen von 6,5 Millionen Tonnen fĂŒhren, daran zweifelt der Ökonom Oliver BettzĂŒge, der Mitglied im Rat ist.

Rat: Bundesregierung zu optimistisch

Die Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) fĂŒr das vergangene Jahr, wonach der Ausstoß an Treibhausgasen um 0,1 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr sank, bestĂ€tigt der Expertenrat zwar. Die UBA-Projektionen zur erwarteten Entwicklung des Treibhausgas-Ausstoßes bis zum Jahr 2030 stufen die Experten hingegen als zu optimistisch ein - insbesondere, was Emissionen im Energiesektor und bei GebĂ€uden angeht.

"FĂŒr beide Sektoren gehen wir davon aus, dass die tatsĂ€chlichen Emissionen höher ausfallen dĂŒrften als ausgewiesen", erklĂ€rte die Vorsitzende des Rats, Barbara Schlomann. ZusĂ€tzliche Risiken ergeben sich demnach unter anderem aus der Reform des Heizungsgesetzes, die in den Projektionen des UBA, auf die die Bundesregierung sich stĂŒtzt, noch gar nicht berĂŒcksichtigt war.

Überschreitung um bis zu 100 Millionen Tonnen CO2 erwartet

Im deutschen Klimaschutzgesetz ist festgelegt, wie viel Treibhausgase Deutschland zwischen 2020 und 2030 pro Jahr höchstens ausstoßen darf - alle jĂ€hrlichen Mengen zusammen ergeben das Emissionsbudget.

Anders als die Bundesregierung geht der Expertenrat nicht davon aus, dass dieses Budget knapp eingehalten werden kann, sondern ĂŒberschritten wird, und zwar um 60 bis 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Zur besseren Vergleichbarkeit werden andere Treibhausgase in CO2 umgerechnet.

LĂ€ngerfristige Klimaziele immer schwerer erreichbar

Ein weiteres Ziel ist, dass der Ausstoß von CO2 und anderer Treibhausgase bis 2030 um mindestens 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken soll, bis 2040 um mindestens 88 Prozent.

Auch das wird nach EinschĂ€tzung des Expertenrats nicht klappen. Damit wĂŒrde es unwahrscheinlich, dass Deutschland sein Ziel erreicht, bis 2045 klimaneutral zu sein, also nicht mehr Treibhausgase auszustoßen als wieder gespeichert werden können.

Lob fĂŒr den Moorschutz - aber das reiche nicht

Auch beim Bereich Landnutzung, der unter anderem WĂ€lder und Moore umfasst, ziehen die Experten eine dĂŒstere Bilanz. Auch fĂŒr diesen Bereich gibt es gesetzlich festgelegte Emissions-Einsparziele fĂŒr die Jahre 2030, 2040 und 2045, die laut Rat aber alle nicht eingehalten werden dĂŒrften. Vielmehr sei davon auszugehen, dass in diesem Bereich bis zur Mitte des Jahrhunderts durchgĂ€ngig mehr Treibhausgase abgegeben als eingespeichert werden.

Die massiven SchĂ€digungen der WĂ€lder durch DĂŒrre und BorkenkĂ€fer ab 2018 hĂ€tten die Funktion der WĂ€lder als natĂŒrliche CO2-Speicher weitgehend zunichtegemacht, sagte Geografin Julia Pongratz, die Mitglied im Rat ist.

WÀlder und Moore können CO2 binden und so dem Klima helfen. Die neuen AnsÀtze der Bundesregierung etwa einer Förderung der schonenden Bewirtschaftung von Mooren bewertet der Rat zwar als sinnvoll, aber bei Weitem nicht ausreichend.

Das Fazit der Regierungsberater: "Aus Sicht des Expertenrats fĂŒr Klimafragen folgt aus den identifizierten Zielverfehlungen dringender politischer Handlungsbedarf."

Schneider: Nehme Warnungen ernst

Umweltminister Schneider versprach: "Ich nehme die Warnungen des Expertenrates ernst und werde sie grĂŒndlich prĂŒfen lassen." Er verwies aber auch auf die aktuelle Energiekrise durch den Iran-Krieg. "Meine Vermutung ist, dass die Tragweite erheblich sein wird. Weltweit orientieren sich Menschen und MĂ€rkte um und suchen erneuerbare Antworten auf die fossile Krise."

Wichtigste Antwort auf die Warnung des Expertenrats mĂŒsse der entschiedene Ausbau erneuerbarer Energien sein, sagte Schneider. Zudem mĂŒsse der europĂ€ische Emissionshandel sinnvoll weiterentwickelt werden und es brauche genug Förderung fĂŒr den Umstieg auf klimafreundlichere Heizungen.

UmweltverbÀnde sehen sich bestÀtigt

UmweltverbĂ€nde sehen sich durch das Gutachten des Expertenrats bestĂ€tigt. "Dieser Bericht ohrfeigt die bisherige Klimapolitik der Bundesregierung", meint Greenpeace. "Das gerade erst zusammengeschusterte Klimaschutzprogramm reicht bei Weitem nicht", erklĂ€rte der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz (BUND). "Mit aktuell geplanten RĂŒckschritten durch das geplante neue Heizungsgesetz oder mit der Aufweichung beim sogenannten Verbrenner-Aus verschĂ€rft die Regierung sogar das Problem im GebĂ€ude- und Verkehrsbereich."

Die Deutsche Umwelthilfe verlangte konkrete Maßnahmen wie ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen und 80 außerorts und drohte mit einer Klage.

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