ROUNDUP, Berlin

Berlin und Paris einig ĂŒber Verbrenner-Aus-Lockerung

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 13:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschland und Frankreich haben sich auf gemeinsame VorschlÀge zur Automobilindustrie geeinigt.

"Wir streben eine deutliche Senkung der CO2-Emissionen an und stĂ€rken zugleich Europas KapazitĂ€ten fĂŒr die Entwicklung und Fertigung der nĂ€chsten Generation von Elektrofahrzeugen", teilten die Bundesregierung und der ÉlysĂ©e-Palast mit. "Der Übergang zu sauberer MobilitĂ€t muss mit Investitionen, Innovationen und Produktion in Frankreich, Deutschland und ganz Europa einhergehen."

Könnte europÀische Einigung ermöglichen

Die VerstĂ€ndigung könnte eine Mehrheit im Rat der EU-Staaten zur Aufweichung des eigentlich beschlossenen Verbrenner-Aus ermöglichen. Die EU-Kommission hatte im vergangenen Dezember vorgeschlagen, auch nach 2035 in der EU Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen - eine Abkehr vom eigentlich ausgehandelten Verbrenner-Aus. DafĂŒr hatten sich Deutschland und die Autoindustrie eingesetzt.

Über den Vorschlag der EU-Kommission beraten derzeit jeweils das Europaparlament und der Rat der EU-Mitgliedstaaten. Ohne die Zustimmung beider Institutionen tritt er nicht in Kraft. Frankreich und sechs weitere EU-LĂ€nder hatten sich noch im Juni gegen eine Lockerung eingesetzt und vor einem strategischen Fehler gewarnt. Gemeinsam hatten sie die nötigen Stimmen, um eine Entscheidung zu blockieren.

Weitergehend als bisheriger Plan

Der deutsch-französische Kompromiss sieht jetzt unter anderem vor, dass die Hersteller ihre durchschnittlichen Emissionen ab 2035 nur noch um 90 Prozent reduzieren mĂŒssten, ohne die verbleibenden 10 Prozent kompensieren zu mĂŒssen. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die restlichen 10 Prozent komplett durch CO2-neutrale Kraftstoffe oder grĂŒnen Stahl kompensiert werden mĂŒssen. Der deutsch-französische Vorschlag gibt Herstellern damit noch mehr FlexibilitĂ€t.

Damit könnten sie weiter neue Benzin- und Dieselfahrzeuge verkaufen, solange ihre Neuwagenflotte den vorgeschriebenen Grenzwert einhĂ€lt. Werden heimischer grĂŒner Stahl und Aluminium verbaut, soll dies zudem besonders gĂŒnstig auf CO2-Werte der Herstellerflotte angerechnet werden.

Strengere Vorgaben zu europÀischen Produkten

Deutschland macht umgekehrt beim Thema Industrieförderung ZugestĂ€ndnisse an Frankreich. KĂŒnftig soll die staatliche Förderung fĂŒr Autos grundsĂ€tzlich auf in den EU-Mitgliedstaaten, Großbritannien und den anderen LĂ€ndern des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraums hergestellte Fahrzeuge beschrĂ€nkt sein. Das heißt, staatliche KaufprĂ€mien könnten etwa auch fĂŒr britische Autos genutzt werden. Deutschland hatte sich bisher fĂŒr eine weichere Regelung eingesetzt, die Lieferanten aus mehr Handelspartnern einbeziehen wĂŒrde - etwa aus der TĂŒrkei und Marokko, wo viele Autohersteller produzieren.

Regierungen: Autoindustrie erhalten

"Wir sind es unseren BeschĂ€ftigten, unserer Industrie und unseren BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern schuldig, sicherzustellen, dass Europa beim globalen Wandel der Automobilbranche eine fĂŒhrende Rolle einnimmt. Unser Ziel ist klar: eine wettbewerbsfĂ€hige, innovative und dekarbonisierte europĂ€ische Automobilindustrie, die in Europa produziert und die ArbeitsplĂ€tze von morgen schafft", teilten die Regierungen der beiden grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Volkswirtschaften nun mit.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X von einem Investitionssignal an die Industrie und einem guten Tag "fĂŒr Autofahrerinnen und Autofahrer und fĂŒr ArbeitsplĂ€tze in Deutschland, Frankreich und Europa".

"Elektroautos werden sich in jedem Fall durchsetzen"

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) teilte mit: "Elektroautos werden sich in jedem Fall durchsetzen, weil sie technisch ĂŒberlegen sind und man beim Fahren viel Geld sparen kann." Das Ziel sei, dass sie in Europa gebaut werden und nicht nur in China. Er verwies unter anderem auf die Anreize dafĂŒr, Autos kĂŒnftig mit klimafreundlichem grĂŒnem Stahl zu bauen. "Die klare Erwartung an die deutschen Unternehmen ist, dass sie die neuen Möglichkeiten nutzen fĂŒr Investitionen und Jobgarantien hier in Deutschland."

Auch Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) appellierte an die Automobilhersteller, in die Zukunft der deutschen Standorte zu investieren und ArbeitsplÀtze zu sichern. "Wir wollen nicht, dass in Deutschland nur noch Komponenten aus Asien zusammengeschraubt werden, sondern dass entscheidende Komponenten hier entwickelt und hier produziert werden."

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron schrieb auf der Plattform X: "Europa muss ein Kontinent sein, der innovativ ist, investiert und produziert und dabei das Klima schĂŒtzt und unsere ArbeitsplĂ€tze sichert, das ist der Kern unseres Engagements."

Verband: Europa wird ausgebremst

ZunĂ€chst hatte das "Handelsblatt" am Donnerstag ĂŒber ein deutsch-französisches Positionspapier berichtet, dem Deutschland noch final zustimmen musste. Der Verkehrsverband T&E Deutschland kritisierte, die vorlĂ€ufige Einigung sei in erster Linie ein ZugestĂ€ndnis an die Forderungen der Automobilindustrie. "Es ist bitter, dass die beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der EU den Kontinent jetzt so ausbremsen. Wer auf dem Weltmarkt bestehen will, muss auf Zukunftstechnologien setzen."

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