Hacker-Ultimatum, Lösegeld

Berliner Hacker-Ultimatum abgelaufen - Kein Lösegeld

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 16:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Im Erpressungsfall nach dem massiven Datendiebstahl im Berliner Landesnetz ist das Ultimatum der kriminellen Hackergruppe Rhysida abgelaufen.

Ob die TĂ€ter ihre Drohung wahr gemacht und das rund 5,8 Terabyte große Datenpaket bereits im Darknet veröffentlicht haben, war unmittelbar nach Ablauf der Frist am Freitagmittag zunĂ€chst unklar.

Die Erpresser hatten auf ihrer Leak-Site einen Countdown geschaltet, der am Freitag gegen 15.35 Uhr ablief. Gefordert wurde ein Lösegeld von 30 Bitcoin (umgerechnet rund zwei Millionen Euro). Der Berliner Senat hatte vorab bekrĂ€ftigt, auf derartige Erpressungen grundsĂ€tzlich nicht einzugehen und kein Lösegeld zu zahlen. Nach dem Verstreichen der Frist wurde auf der Webseite der Erpresser im Darknet die "Auktion" beendet. "Alle Dateien wurden im öffentlich zugĂ€nglichen Bereich hochgeladen - viel Spaß beim Stöbern, DatenjĂ€ger!", hieß es dort. Ein Link fĂŒhrte allerdings nicht zu den Daten, sondern zu einer Fehlermeldung.

Lob von Experten fĂŒr Verweigerung einer Lösegeldzahlung

Die Weigerung des Senats, auf Erpressungsversuche der kriminellen Hacker einzugehen, stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im RBB Inforadio, die Entscheidung des Senats sei richtig. "WĂŒrde man diese Gruppen weiter unterstĂŒtzen mit Geld oder anderen Dingen, dann wĂŒrden die natĂŒrlich immer weitermachen", sagte sie. "Man muss sie finanziell austrocknen."

Der renommierte IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dĂŒrfe. Die Situation bei VorfĂ€llen wie in Berlin sei aber sehr schwierig: "Die Daten sind in den HĂ€nden von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen FĂ€llen sehr schĂ€dliche Auswirkungen. Bislang ist mir kein Fall bekanntgeworden, bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung erfolgte." Allerdings sei anzunehmen, dass die TĂ€ter, die meist in osteuropĂ€ischen LĂ€ndern lebten, diese Daten den dortigen Behörden zugĂ€nglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu erkaufen, sagte Fischer der dpa.

Bei vergleichbaren Angriffen vergehen erfahrungsgemĂ€ĂŸ oft mehrere Stunden oder Tage, bis gestohlene DatensĂ€tze tatsĂ€chlich ĂŒber Archivdateien oder sogenannte Peer-to-Peer-Netzwerke zum Download bereitgestellt werden. IT-Sicherheitsexperten und die Berliner Ermittlungsbehörden beobachten die einschlĂ€gigen Foren und Leak-Seiten fortlaufend.

Brisante Details in den AnkĂŒndigungen

Die von den Angreifern zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots deuten auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Demnach behauptet die Gruppierung, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben. Darunter sollen sich neben mehr als 5.000 Personalakten, BußgeldvorgĂ€ngen und Gehaltsabrechnungen auch vertrauliche Unterlagen aus BundesratsausschĂŒssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung befinden.

Zudem brĂŒsteten sich die Erpresser damit, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben - unter anderem fĂŒr Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister.

Die Berliner Verwaltung hatte den am 14. August bekanntgewordenen Cyberangriff bestĂ€tigt. Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) sowie das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind in die Analyse und BewĂ€ltigung des Vorfalls eingebunden. Sollte das Datenpaket vollstĂ€ndig publik werden, drohen den betroffenen Behörden und Tausenden BĂŒrgern sowie BeschĂ€ftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.

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