Berliner Senat zahlt nicht - sensible Daten jetzt im Darknet
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 17:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRund eine Stunde nach Ablauf des Ultimatums wurde das rund 5,8 Terabyte groĂe Datenpaket am spĂ€ten Freitagnachmittag im Darknet veröffentlicht.
Die Erpresser hatten auf ihrer Leak-Site einen Countdown geschaltet, der am Freitag gegen 15.35 Uhr ablief. Gefordert wurde ein Lösegeld von 30 Bitcoin (umgerechnet rund zwei Millionen Euro). Der Berliner Senat hatte vorab bekrÀftigt, auf derartige Erpressungen grundsÀtzlich nicht einzugehen und kein Lösegeld zu zahlen.
Nach dem Verstreichen der Frist wurde auf der Webseite der Erpresser im Darknet die "Auktion" beendet. "Alle Dateien wurden im öffentlich zugĂ€nglichen Bereich hochgeladen - viel SpaĂ beim Stöbern, DatenjĂ€ger!", hieĂ es dort. Ein Link fĂŒhrte allerdings zunĂ€chst nicht zu den Daten, sondern zu einer Fehlermeldung. Eine Stunde spĂ€ter konnte man dann allerdings den Download der Daten starten.
Lob von Experten fĂŒr Verweigerung einer Lösegeldzahlung
Die Weigerung des Senats, auf Erpressungsversuche der kriminellen Hacker einzugehen, stieĂ in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im RBB Inforadio, die Entscheidung des Senats sei richtig. "WĂŒrde man diese Gruppen weiter unterstĂŒtzen mit Geld oder anderen Dingen, dann wĂŒrden die natĂŒrlich immer weitermachen", sagte sie. "Man muss sie finanziell austrocknen."
Der renommierte IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dĂŒrfe. Die Situation bei VorfĂ€llen wie in Berlin sei aber sehr schwierig: "Die Daten sind in den HĂ€nden von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen FĂ€llen sehr schĂ€dliche Auswirkungen. Bislang ist mir kein Fall bekanntgeworden, bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung erfolgte." Allerdings sei anzunehmen, dass die TĂ€ter, die meist in osteuropĂ€ischen LĂ€ndern lebten, diese Daten den dortigen Behörden zugĂ€nglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu erkaufen, sagte Fischer der dpa.
Bei vergleichbaren Angriffen vergehen erfahrungsgemÀà oft mehrere Stunden oder Tage, bis gestohlene DatensĂ€tze tatsĂ€chlich ĂŒber Archivdateien oder sogenannte Peer-to-Peer-Netzwerke zum Download bereitgestellt werden. IT-Sicherheitsexperten und die Berliner Ermittlungsbehörden beobachten die einschlĂ€gigen Foren und Leak-Seiten fortlaufend.
Brisante Details in den AnkĂŒndigungen
Die von den Angreifern zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots deuten auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Demnach behauptet die Gruppierung, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben. Darunter sollen sich neben mehr als 5.000 Personalakten, BuĂgeldvorgĂ€ngen und Gehaltsabrechnungen auch vertrauliche Unterlagen aus BundesratsausschĂŒssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung befinden.
Zudem brĂŒsteten sich die Erpresser damit, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben - unter anderem fĂŒr Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister.
Die Berliner Verwaltung hatte den am 14. August bekanntgewordenen Cyberangriff bestĂ€tigt. Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) sowie das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind in die Analyse und BewĂ€ltigung des Vorfalls eingebunden. Sollte das Datenpaket vollstĂ€ndig publik werden, drohen den betroffenen Behörden und Tausenden BĂŒrgern sowie BeschĂ€ftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.
