Prien, EU-Auflagen

Prien will rasche EU-Auflagen fĂŒr Social Media

16.03.2026 - 06:17:22 | dpa.de

Bildungsministerin Karin Prien erwartet rasch europĂ€ische Vorschriften fĂŒr Tech-Konzerne, um den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Medien einzuschrĂ€nken.

"Mein Eindruck ist, dass sowohl in der EU als auch in Großbritannien ein klarer Wille besteht, hier zu handeln", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Sollte sich ein europĂ€isches Vorgehen verzögern, behalte sie sich eine eigene Lösung fĂŒr Deutschland vor.

"Entscheidend wird sein, dass die Plattformen stĂ€rker in die Verantwortung genommen werden, um sicherzustellen, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter ĂŒberhaupt keinen Zugang zu gefĂ€hrlichen Inhalten auf Social-Media-Plattformen erhalten", sagte Prien. "Gleichzeitig sollte gewĂ€hrleistet werden, dass Jugendliche ab einem bestimmten Alter Zugang zu ausgewĂ€hlten Inhalten haben, um Teilhabe zu ermöglichen." Bei VerstĂ¶ĂŸen sollten gegen die Tech-Konzerne Strafen verhĂ€ngt werden, fĂŒgte sie hinzu.

"Geduld zunehmend am Ende"

Australien hat im Dezember ein Social-Media-Verbot fĂŒr unter 16-JĂ€hrige eingefĂŒhrt. Auch in Deutschland nimmt die Debatte Fahrt auf. Die Bundes-CDU beschloss im Februar, ein Mindestalter von 14 fĂŒr soziale Medien wie Tiktok und Instagram zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einfĂŒhren zu wollen. Sorge besteht vor allem wegen der teils sehr langen Nutzungszeiten sowie wegen schĂ€dlicher Inhalte wie Hassbotschaften oder Pornografie.

"Ich habe den Eindruck, dass die Geduld auf nationaler Ebene zunehmend begrenzt ist - das gilt auch fĂŒr Deutschland", sagte Prien der dpa. "Der Handlungsdruck ist entsprechend hoch. Da bleibt auf EU-Ebene sicherlich keine Zeit fĂŒr ein jahrelanges Gesetzgebungsverfahren. Vielmehr besteht die Erwartung, dass nun zĂŒgig gehandelt wird."

Expertenkommission tagt

In Deutschland hat Prien eine Expertenkommission eingesetzt, die bis zur Sommerpause Empfehlungen vorlegen soll. "Unsere BemĂŒhungen auf nationaler Ebene laufen parallel weiter", sagte die Ministerin. "Wir wĂŒrden es sehr begrĂŒĂŸen, wenn eine Lösung auf europĂ€ischer Ebene gelingt. Sollte dies jedoch nicht gelingen oder die EU-Kommission im Sommer keine ausreichenden Fortschritte erzielen, halte ich auch nationale Wege fĂŒr möglich."

Die technische Umsetzung von AltersbeschrĂ€nkungen sieht Prien nicht als große HĂŒrde. "Zugangskontrollen lassen sich inzwischen auf vielfĂ€ltige Weise umsetzen", sagte sie. "DafĂŒr ist es nicht erforderlich, die AnonymitĂ€t im Netz grundsĂ€tzlich aufzugeben. Mit Hilfe von KI etwa lĂ€sst sich vergleichsweise einfach einschĂ€tzen, ob jemand ein bestimmtes Alter erreicht hat, etwa durch die Auswertung typischer Verhaltensweisen."

Kein Allheilmittel

Prien wies darauf hin, dass Altersgrenzen allein die Gefahren von Sucht oder psychischer Belastung nicht abwenden könnten. Vielmehr brauche es eine ganzheitliche Strategie. "Wie stĂ€rken wir den Eltern den RĂŒcken, damit sie ihre Kinder besser begleiten können? Wie stĂ€rken wir die Kompetenzen der LehrkrĂ€fte und der KindergĂ€rtner und der KinderĂ€rzte?"

Zur PrĂ€ventionsstrategie gehörten auch klare Zielmarken, wie sich die psychische Gesundheit von Kindern verbessern kann und wie Suchtgefahren eingedĂ€mmt werden sollen. Dazu bedĂŒrfe es auch systematischer Forschung, sagte Prien.

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