Bitcoin, Milliarden

Bitcoin: 80 Milliarden Dollar vernichtet

09.06.2026 - 00:20:06 | boerse-global.de

Nach dem Einbruch unter 60.000 Dollar erholt sich Bitcoin leicht. Makrodaten, Strategy-Verkäufe und Kapitalabflüsse in KI-Aktien belasten den Markt weiterhin.

Bitcoin Erholung: Kurs steigt nach schwerster Handelswoche 2026
Bitcoin - Eine abstrakte Darstellung des fallenden Bitcoin-Wertes, mit visuellen Metaphern fĂĽr Verlust und finanziellen RĂĽckgang. 09.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Bitcoin notiert am Montag bei rund 63.500 Dollar — gut vier Prozent über dem Sonntagsniveau. Die Erholung kommt nach einer Woche, die den Kurs erstmals seit 2024 unter die Marke von 60.000 Dollar gedrückt hat. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von fast 14 Prozent zu Buche.

Makroschock als Auslöser

Den entscheidenden Anstoß zum Absturz lieferte der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Mit 172.000 neu geschaffenen Stellen übertraf er die Erwartung von 88.000 deutlich. Die Folge: Innerhalb einer Sitzung verlor Bitcoin 80 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung sprang von 40 auf 57 Prozent.

Parallel dazu trieben steigende Ölpreise — ausgelöst durch Spannungen im Nahen Osten und stockende US-Iran-Gespräche — die Realzinsen weiter nach oben. Starke US-Stellenangebotsdate verstärkten den Eindruck, dass die Fed die Zinsen länger hochhalten wird. Für Bitcoin war das eine toxische Kombination.

Strategy-Verkauf: Klein, aber symbolisch

Ein weiterer Belastungsfaktor kam von unerwarteter Seite. Strategy gab bekannt, 32 Bitcoin verkauft zu haben — um Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien zu finanzieren. Die Menge ist marginal. Die Botschaft dahinter ist es nicht.

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Seit 2020 gilt Strategy als struktureller Nachfrageblock für Bitcoin. Das Unternehmen hatte das Narrativ geprägt, niemals zu verkaufen. JPMorgan-Analysten warnten, der Verkauf sende ein negatives Signal und habe die Marktstimmung spürbar verschlechtert. Hinzu kommen dünne Kassenreserven bei Strategy — was Investoren zusätzlich beunruhigt.

Kapitulationssignale auf der Kette

Die technischen Indikatoren zeigen ein Bild extremer Erschöpfung. Der RSI-14 fiel am 7. Juni auf 24 — der tiefste Stand in diesem Zyklus. Aktuell liegt er bei rund 27. Der MACD bleibt tief im negativen Bereich, ohne Anzeichen einer Trendwende. Der Fear-&-Greed-Index steht bei 8 — klassifiziert als „Extreme Fear".

On-Chain-Daten verschärfen das Bild. Rund 10,5 Millionen Bitcoin werden derzeit mit Verlust gehalten. Kurzfristige Halter realisieren Verluste auf Rekordniveau — das Verhältnis von realisiertem Gewinn zu Verlust fiel auf ein neues Allzeittief. Langfristige Halter halten 5,3 Millionen Bitcoin unter Wasser. Das übertrifft sogar die Zahlen nach dem FTX-Kollaps.

Miner geraten ebenfalls unter Druck. Tagesgewinne für gängige Mining-Geräte sind laut Antpool-Daten ins Negative gedreht — ein Zeichen, dass der Preis die Produktionskosten berührt und kleinere Betreiber aus dem Markt gedrängt werden.

KI-Aktien ziehen Kapital ab

Bitcoin kämpft nicht nur gegen Makrodruck. Kapital fließt verstärkt in KI-Aktien und einen anziehenden IPO-Markt. Das SpaceX-IPO-Registrierungsfenster läuft vom 7. bis 11. Juni — ein direkter Konkurrent um Liquidität und Aufmerksamkeit von Privatanlegern.

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Markus Thielen von 10xResearch sieht ETF-Abflüsse nach heißen Inflationsdaten im April als Haupttreiber der Schwäche. Ob die Erholung trägt, hängt seiner Einschätzung nach maßgeblich von den US-Verbraucherpreisdaten am Mittwoch ab.

Wo die nächsten Widerstände liegen

Bitcoin notiert derzeit rund 19 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 78.500 Dollar. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte liegen weit über dem aktuellen Kurs — der 20-Tage-EMA bei rund 69.000 Dollar, der 50-Tage-EMA bei rund 72.800 Dollar.

Auf Stundenbasis wäre ein Durchbruch über 63.924 Dollar der erste relevante Test. Gelingt danach auch die 65.413-Dollar-Marke — dort verläuft der 200-EMA im Stundenbereich —, öffnet sich der Weg in Richtung 67.000 bis 69.000 Dollar. Dort würde Bitcoin auf den 20-Tage-EMA treffen: der erste echte Test, ob sich das Bild grundlegend ändert. Bis dahin bleibt die Erholung das, was sie ist — eine Gegenbewegung aus überverkauften Niveaus, keine bestätigte Trendwende.

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