Bitzero Aktie: 91 Prozent Kursgewinn im Monat
26.06.2026 - 17:40:02 | boerse-global.de
Der Schritt kommt nicht überraschend, ist aber radikal. Bitzero, bis vor Kurzem reiner Bitcoin-Miner, positioniert sich neu. Das Unternehmen baut eine milliardenschwere Infrastruktur für Künstliche Intelligenz auf — und setzt dabei auf einen Trumpf, den klassische Rechenzentren nicht haben: günstigen Strom.
Der Plan ist ambitioniert. Über Verträge in Norwegen, Finnland und den USA sichert sich Bitzero Strom zu Kosten von rund 0,03 bis 0,035 Dollar pro Kilowattstunde. Ein 15-Jahres-Abkommen mit OneQode Networks über eine 110-Megawatt-Anlage im norwegischen Namsskogan hat ein Gesamtvolumen von rund 2,6 Milliarden Dollar. Voll ausgelastet könnte die Anlage jährlich zwischen 176 und 178 Millionen Dollar Umsatz generieren.
Doch das ist nur der Anfang.
Vom Miner zum Strom-Lieferanten
Parallel dazu entwickelt Bitzero in Kokemäki, Finnland, einen Campus mit einer Gigawatt Kapazität. In North Dakota betreibt das Unternehmen eine 225.000 Quadratfuß große Anlage. Die Strategie: bestehende Hochspannungsanschlüsse der Mining-Farmen nutzen, um die jahrelangen Wartezeiten zu umgehen, mit denen klassische Rechenzentren aktuell kämpfen.
Gleichzeitig läuft das Bitcoin-Mining weiter. Derzeit erreicht Bitzero eine Hashrate von 2,80 EH/s — ein Plus von 59 Prozent seit September 2025. Das entspricht einer täglichen Produktion von etwa 1,1 Bitcoin.
Der Fahrplan ist klar: Im vierten Quartal 2026 sollen 110 MW ans Netz gehen, die Hashrate steigt dann auf 10 EH/s. Ein Jahr später plant das Unternehmen 325 MW und eine Kapazität von bis zu 30 EH/s.
Kursrallye trifft auf harte Zahlen
Die Aktie profitiert von der Neuausrichtung. Am Freitag notiert sie bei 8,00 Euro, ein Plus von 2,56 Prozent zum Vortag. Auf Monatssicht steht ein Anstieg von 91,39 Prozent zu Buche. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 9,25 Euro, Anfang Juni erreicht, beträgt noch 13,51 Prozent.
Die Bewertung zeigt jedoch, dass der Markt hohe Erwartungen vorwegnimmt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 18,1 — der Branchenschnitt bei 3,1. Bei einem Umsatz von 26,70 Millionen Dollar steht ein Nettoverlust von 22,09 Millionen Dollar. Ein für wachstumsstarke Infrastrukturfirmen typisches Muster.
Ein kritischer Punkt: Analysten weisen darauf hin, dass die Zahlungsmittelreserven für weniger als ein Jahr reichen. Die milliardenschwere Expansion wird ohne frische Kredite oder Kapitalerhöhungen kaum zu stemmen sein.
Mit Kevin O'Leary, bekannt aus "Shark Tank", hat Bitzero einen prominenten Unterstützer im Rücken. Ob das reicht, um die ehrgeizigen Ziele für 2026 und 2027 zu erreichen, ist offen. Die Märkte für KI-Strom sind heiß umkämpft. Bitzero hat einen Plan, günstige Verträge und die ersten Meilensteine vor sich. Ob das reicht, entscheidet sich im vierten Quartal.
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