Börse Frankfurt-News: Nach Golde drÀngt doch alles
15.10.2025 - 10:31:31 | dpa.deFondsmanager Christoph Frank setzt sich mit der Wechselwirkung Gold und US-Dollar auseinander - inklusive seiner eigenen langfristigen Einstellung zum Edelmetall im Depot.
15. Oktober 2025. FRANKFURT (pfp Advisory). "Nach Golde drĂ€ngt, am Golde hĂ€ngt, doch alles." Wer wĂ€ren die Investoren, wĂŒrden sie einem Johann Wolfgang von Goethe widersprechen oder gar zuwiderhandeln! Und so drĂ€ngen sie fĂŒrwahr, wie Gretchen in "Faust", anno 2025 zum Golde, und das mit aller Macht.
Zu Jahresbeginn 2024 noch bei rund 2.000 US-Dollar je Feinunze notierend, kletterte der Goldpreis bis MĂ€rz 2025 auf 3.000 Dollar. Nur gut ein halbes Jahr spĂ€ter, im Oktober 2025, hat er bereits die nĂ€chste Tausendermarke bei 4.000 Dollar geknackt. Mit einer year-to-date-Rendite von ĂŒber 50 Prozent könnte 2025 den glĂ€nzendsten Goldrand seit dem Jahr 1980 bekommen.
Parallel dazu erreichen mich immer mehr Anfragen ĂŒber meine persönliche Meinung zu Gold. Diese ist, fĂŒr manche wohl enttĂ€uschend, seit einem Vierteljahrhundert unverĂ€ndert: Gold ist fĂŒr mich eine Absicherung, die in einer Welt mit unsolider Schuldenpolitik leider nötig ist, und die ich im Depot je nach individueller Risikoneigung mit 5 bis 15 Prozent gewichten wĂŒrde. An dieser UralteinschĂ€tzung Ă€ndert auch die rasante Rally der vergangenen zwei Jahre nichts.
Ăberraschend finde ich persönlich, dass Gold erst jetzt wiederentdeckt wird. Denn eigentlich strebt das goldene Metall schon seit 1999/2001 aufwĂ€rts, als sein Preis bei etwa 255 US-Dollar einen Doppelboden ausbildete. Danach folgten etwa zehn wahrlich goldene Jahre. Langfristinvestoren hatten ihren Einsatz bereits vervielfacht und konnten die darauf folgenden rund zehn Jahre volatile SeitwĂ€rtsbewegung bequem "aussitzen", oder, wenn sie bessere Market-Timer als ich sind, auch pausieren. So oder so hatte sich am Markt zwischenzeitlich offenbar ein so gewaltiger Kaufdruck aufgestaut, dass der Goldpreis 2024 nach mehreren vergeblichen Versuchen dynamisch ausbrach und binnen zwei Jahren von 2.000 auf 4.000 US-Dollar "explodierte".
Doch offenbar fand diese Goldrally zumindest bis vor dieser Versteilung weitgehend unter Ausschluss gröĂerer Anlegergruppen statt. Und das hat sich meiner Meinung nach jĂŒngst tatsĂ€chlich geĂ€ndert, wie wichtige Investorengruppen (dazu zĂ€hle ich auch Notenbanken) Gold wahrnehmen: als Hafen, der unter UmstĂ€nden sicherer ist als der US-Dollar.
TrĂ€fe diese Vermutung zu, wĂ€re das wirklich eine Revolution. Denn bisher galt in Krisenzeiten stets: Rein in den US-Dollar! Knallte es irgendwo auf der Welt, sei es wegen eines Kriegs oder einer schweren Finanzkrise, flĂŒchteten Investoren in diesen "Safe Haven".
2025 scheint dagegen zu gelten: Raus aus dem US-Dollar! Oder weniger salopp: Das Vertrauen in die finanzielle StabilitĂ€t der USA und damit des US-Dollars nimmt ab. Offenbar finden es mehr und mehr Investoren reizvoll, "zinsloses" Gold statt rund 4 Prozent verzinste zehnjĂ€hrige US-Staatsanleihen zu kaufen. Sie schĂ€tzen Gold als Krisenversicherung und strategischen Vermögenswert ein, der im Gegensatz zu Dollarscheinen nicht willkĂŒrlich vermehrt werden kann und weitgehend unabhĂ€ngig von den Launen einer Regierung ist.
FĂŒr mich ist der steigende Goldpreis, ebenso wie der steigende Bitcoin-Preis, ein Misstrauensvotum bezĂŒglich PapierwĂ€hrungen, denn Gold steigt z. B. auch relativ zum Euro, zum Yen, zum Schweizer Franken und zum Singapur-Dollar. Interessant ist, dass nun auch die WeltleitwĂ€hrung US-Dollar zunehmend argwöhnisch beĂ€ugt wird. Indizien, die fĂŒr diese EinschĂ€tzung sprechen, gab es in der jĂŒngeren Vergangenheit, z. B. wĂ€hrend des Ausverkaufs am Aktienmarkt im April, wĂ€hrend dem der US-Dollar kaum noch als sicherer Hafen angesteuert wurde, Gold aber sehr wohl.
Wer will es den Investoren verdenken?
In den USA steigt die Staatsverschuldung von einem sehr hohen Niveau aus weiter, wĂ€hrend die GegenmaĂnahmen der politisch Verantwortlichen auf mich bestenfalls halbherzig wirken. Statt Schulden zu reduzieren, setzt die Trump-Regierung nun offenbar darauf, die Zinslast durch niedrigere Leitzinsen zu drĂŒcken, und attackiert deshalb die UnabhĂ€ngigkeit der US-Notenbank. Das zerstört ebenso Vertrauen wie Trumps erratische Wirtschaftspolitik, die mehr auf Zwang und Zölle statt auf Kooperation und Vertrauen setzt.
Verstetigt sich dieser Trend, könnte er sich durchaus zu einer "Zeitenwende" ausweiten. Die Gretchenfrage ist, ob die Zukunft dem "Drehbuch" der Schuldenkrise in den siebziger Jahren folgen wird, als Richard Nixon die Goldbindung des US-Dollars aufhob, die UnabhĂ€ngigkeit der Notenbank attackierte und schlieĂlich niedrigere Zinsen durchsetzte, wodurch die Inflation auĂer Kontrolle geriet.
Seinerzeit drĂ€ngte schon einmal alles "nach Golde": Sein Preis legte binnen weniger Jahre um mehr als das Zwanzigfache zu, vom Fixpreis bei 35 auf 850 US-Dollar. Eine Wiederholung dieser Rally sollten sich indes auch die enthusiastischsten Gold-Fans nicht wĂŒnschen. Denn sie dĂŒrfte, wie in den Siebzigern, wohl mit einer gröĂeren Krise einhergehen.
Ăber den Autor
Christoph Frank ist geschĂ€ftsfĂŒhrender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit ĂŒber 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds, sowie den im August 2021 gestarteten pfp Advisory Aktien Mittelstand Premium (WKN A3CM1J). Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmĂ€Ăig fĂŒr die Börse Frankfurt.
Von Christoph Frank, 15. Oktober 2025, © pfp Advisory
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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