Brent-Rohöl nähert sich 119 Dollar: Nahost-Konflikt treibt Oelpreise auf Höchststand
22.03.2026 - 15:39:07 | ad-hoc-news.deBrent-Rohöl hat sich am Freitag der Marke von 119 US-Dollar pro Barrel genähert, getrieben durch akute Versorgungsängste im Nahen Osten. WTI-Rohöl überschritt zeitweise 100 US-Dollar, während der Konflikt um Iran, Irak und die Straße von Hormus die Lieferketten bedroht.
Stand: 22. März 2026
Dr. Markus Lehmann, Rohstoffanalyst und Energieexperte. Spezialist für geopolitische Risiken im Oelmarkt mit Fokus auf europäische Auswirkungen.
Auslöser: Iranische Angriffe und Hormus-Störungen
Der unmittelbare Trigger war der iranische Angriff auf das Gasfeld South Pars am 18. März, der auch den benachbarten Industriekomplex Ras Laffan in Katar traf. Qatar Energy bestätigte Schäden, die die Stabilität der Golf-Lieferketten gefährden. Parallel erklärte der Irak Force Majeure für ausländisch betriebene Ölfelder: Die südliche Produktion fiel von 3,3 auf 0,9 Millionen Barrel pro Tag.
Diese Entwicklungen schüren Ängste vor einem langfristigen Engpass. Die Straße von Hormus, durch die 20 Prozent des globalen Öls fließen, ist zentral betroffen. Experten wie Fatih Birol warnen vor einer Wiederherstellungszeit von bis zu sechs Monaten.
Für den Rohoel-Markt bedeutet das einen klaren **Risikoprämien-Anstieg**. Brent als globaler Benchmark profitierte stärker als WTI, da Europa stärker von Golf-Importen abhängt.
Preisentwicklung: Brent bei 110-119 Dollar, WTI bei 94-100 Dollar
Bis Freitag notierte Brent zwischen 108 und 119 US-Dollar pro Barrel, WTI zwischen 94 und 100 US-Dollar – rund 50-70 Prozent über Vorkriegsniveaus. Der russische Urals-Preis kletterte auf 110,73 US-Dollar, ein Monatsanstieg von 90 Prozent.
Die Volatilität ist hoch: Ein früherer Rückgang um 3 Prozent wich einem Dienstagsanstieg von 3 Prozent nach iranischen Drohungen. Dies unterstreicht, wie schnell geopolitische Eskalationen den Oelpreis heute bewegen.
In Deutschland spiegelt sich das in Spritpreisen wider: Diesel bei 2,301 Euro, Super E10 bei 2,083 Euro pro Liter – vor Allzeithoch. Für DACH-Industrie bedeutet das höhere Energiekosten.
US-Reaktionen: Reserven und Jones Act
Die USA konterten mit einer 60-tägigen Ausnahmeregelung vom Jones Act, die ausländische Schiffe für US-internen Transport zulässt. Die IEA koordinierte eine Freigabe von 400 Millionen Barrel aus Reserven, davon 172 Millionen aus US-Vorräten – erste Tranche 45,2 Millionen Barrel.
EIA-Daten zeigten jedoch einen Bestandsanstieg um 6,2 Millionen Barrel auf 449,3 Millionen – trotz rückläufiger Benzin- und Destillatbestände, was starke Nachfrage signalisiert. Benzinpreise in den USA stiegen um über 30 Prozent seit Monatsbeginn auf 3,20 US-Dollar pro Gallone.
Auswirkungen auf DAX und europäische Märkte
Der DAX fiel um 2 Prozent auf 22.380 Punkte, eine Verlustwoche von 4 Prozent – Ölpreisdruck als neuralgischer Punkt. Energieintensive Sektoren wie Chemie und Auto leiden unter höheren Raffineriekosten.
In der Schweiz und Österreich verstärkt der Oelpreis-Anstieg Inflationsdruck: ECB beobachtet Energiepreise eng, da sie die Eurozone-Inflation antreiben. Für DACH-Investoren bedeutet das höhere Kosten für Transport und Industrie, potenziell sinkende Gewinne bei DAXX-Unternehmen.
Der starke US-Dollar belastet zusätzlich: Ein höherer Dollar macht Rohoel für Euro-Käufer teurer, verstärkt den Preisdruck in Europa.
Geopolitische Risiken und Supply Shock
Der Konflikt weitet sich aus: Iranische Revolutionsgarden drohen mit weiteren Angriffen auf Energieanlagen als Vergeltung. Experten sehen einen nicht voll eingepreisten Angebotsschock, vergleichbar mit 1973.
Iraks Produktionskürzung und Hormus-Unsicherheiten reduzieren das verfügbare Angebot um Millionen Barrel täglich. Ohne Deeskalation droht ein anhaltender **Supply Shock**, der Brent weiter über 120 Dollar treiben könnte.
Für OPEC+ ist die Situation ambivalent: Höhere Preise entlasten Budgets, doch Sanktionsrisiken steigen. Keine unmittelbaren Produktionsanpassungen gemeldet.
Ausblick: Volatilität und DACH-Relevanz
Kurzfristig bleibt der Markt unberechenbar: Weitere Eskalation könnte Preise explodieren lassen, Deeskalation sie dämpfen. John Kilduff warnt vor weitreichenden Engpässen.
DACH-Investoren sollten auf **Rohoel-ETCs** und Schutz vor Inflation achten. Die ECB-Politik hängt von Energiepreisen ab – ein Faktor für Zinsen und Euro-Stärke. Deutsche Raffinerien sehen Margen drücken, was Aktien wie OMV oder Wintershall belastet.
Langfristig: Ein Kriegspreis über 100 Dollar erhöht Rezessionsrisiken, dämpft Nachfrage – ein Trade-off für Lieferanten.
Weiterfuehrende Inhalte
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und andere Finanzinstrumente sind volatil.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂĽr. Immer. Kostenlos.

