ROUNDUP, Milliardenstrafe

EU mit nÀchster Milliardenstrafe gegen Google - Trump droht

05.09.2025 - 22:05:54

BRÜSSEL - Die EU-Kommission verhĂ€ngt gegen Google US02079K1079 wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen Wettbewerbsregeln im WerbegeschĂ€ft eine Strafe von 2,95 Milliarden Euro.

(neu: Trump-Drohung)

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die EU-Kommission verhĂ€ngt gegen Google US02079K1079 wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen Wettbewerbsregeln im WerbegeschĂ€ft eine Strafe von 2,95 Milliarden Euro. Der US-Konzern habe eigene Online-Werbedienstleistungen zum Nachteil konkurrierender Anbieter bevorzugt, teilte die BrĂŒsseler Behörde mit. Google bezeichnete die Entscheidung als falsch und will in Berufung gehen. Die Strafe löste eine harsche Reaktion von US-PrĂ€sident Donald Trump aus, der mit neuen Zöllen gegen die EU drohte.

Der Kommission zufolge nimmt Google mit seinen Produkten eine marktbeherrschende Stellung ein. Diese habe der Konzern seit 2014 missbraucht, um seinen eigenen Produkten einen Vorteil zu verschaffen. Dadurch habe Google gegen Artikel 102 des Vertrags ĂŒber die Arbeitsweise der EuropĂ€ischen Union verstoßen.

EU kritisiert Interessenkonflikt im GeschÀftsmodell von Google

Laut der BrĂŒsseler Behörde entsteht durch das GeschĂ€ftsmodell von Google ein Interessenkonflikt: Das Tech-Unternehmen schaltet auf den eigenen Webseiten und Anwendungen einerseits selbst Werbung, vermittelt aber auch zwischen Werbetreibenden und denen, die den Platz dafĂŒr online zur VerfĂŒgung stellen. FĂŒr die Vermittlung von den WerbeplĂ€tzen hat das Unternehmen den eigenen Marktplatz AdX. Zudem bietet das Unternehmen Programme an, die Werbetreibende automatisiert WerbeplĂ€tze finden lassen.

Konkret lautet der Vorwurf: Google habe den Werbetreibenden und den Anbietern von WerbeplĂ€tzen den eigenen Marktplatz AdX bevorzugt vorgeschlagen. Dies habe zu höheren Kosten gefĂŒhrt, die am Ende auch an Verbraucher weitergereicht worden seien. Die EU-Kommission fordert Google nun auf, sich nicht weiter selbst zu bevorzugen - und geht noch weiter: Aktuell sehe es danach aus, dass die Trennung von einem Teil des WerbegeschĂ€fts der einzige Weg sei, den Interessenkonflikt auszurĂ€umen.

In den USA scheiterte gerade erst die US-Regierung vor Gericht mit dem Versuch, Google zur Abspaltung des Webbrowsers Chrome und des Mobil-Systems Android zu zwingen.

Google hat 60 Tage Zeit - und kontert

Werbung ist die zentrale Einnahmequelle von Google und des Mutterkonzerns Alphabet US02079K3059. Das Unternehmen hat 60 Tage Zeit, um der Kommission mitzuteilen, wie das GeschÀftsmodell den Vorgaben entsprechend angepasst werden soll.

Google konterte, die Geldstrafe sei ungerechtfertigt und die verlangten Änderungen wĂŒrden "Tausenden von europĂ€ischen Unternehmen schaden", da sie deren GeschĂ€ft erschweren. "Die Bereitstellung von Diensten fĂŒr Werbekunden und -verkĂ€ufer ist keineswegs wettbewerbswidrig, und es gibt mehr Alternativen zu unseren Diensten als je zuvor", hieß es.

Trump ist sauer

Die Strafe könnte nun auch politische Folgen nach sich ziehen. US-PrĂ€sident Donald Trump kritisierte sie als nĂ€chsten Schlag gegen "ein großartiges amerikanisches Unternehmen". Er werde sich gezwungen sehen, ein Verfahren fĂŒr neue Zölle einzuleiten, wenn US-Konzerne weiter zur Kasse gebeten wĂŒrden, schrieb Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social.

Konkret drohte der PrÀsident eine Untersuchung auf Basis von Artikel 301 des US-Handelsrechts an, der Zölle als Reaktion auf unfaire Handelspraktiken vorsieht. Die EU und die US-Regierung hatten sich erst im Juli auf eine umfassende Handelsvereinbarung geeinigt, deren Details gerade noch geklÀrt werden. Die EuropÀer akzeptierten dabei unter anderem einen generellen US-Zoll von 15 Prozent auf ihre Waren.

Trump hatte kĂŒrzlich bereits mit zusĂ€tzlichen Zöllen fĂŒr LĂ€nder gedroht, die amerikanische Technologieunternehmen aus seiner Sicht angreifen. Dabei ging es ihm um digitale Regulierungen, die er kritisch sieht. Die US-Regierung fordert schon lĂ€nger Änderungen an den strengen EU-Digitalgesetzen, die zum Beispiel die Verbreitung von Falschinformationen ĂŒber Plattformen wie X verhindern sollen und auch Unternehmen wie Amazon US0231351067, Apple US0378331005, Meta US30303M1027 (Facebook), Alphabet (Google) und Microsoft US5949181045 betreffen.

EU-Kommission strafte Google bereits wiederholt ab

Die VizeprĂ€sidentin der EU-Kommission, Teresa Ribera, teilte zu der Strafe mit, dass die EU ihre Regeln konsequent und ohne Angst oder Bevorzugung durchsetzen werde. Gesetze und Grundwerte der EU stĂŒnden nicht zur Debatte. Andreas Schwab (CDU), Mitglied der EVP-Fraktion im EuropĂ€ischen Parlament, kritisierte die Strafe hingegen als zu niedrig, um echte Abschreckung zu erzielen.

Als einen Sieg fĂŒr die europĂ€ische Digitalwirtschaft bezeichnete der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) die Entscheidung - vor allem vor dem Hintergrund der Drohungen von US-PrĂ€sident Trump, bei Maßnahmen gegen US-Unternehmen weitere Zölle zu erheben. "Mit der heutigen Entscheidung hat die Kommission klargestellt, dass sie sich von solchen Drohungen nicht beirren lĂ€sst. Das ist ein wichtiges Zeichen, nicht nur fĂŒr die digitale SouverĂ€nitĂ€t, auch fĂŒr das europĂ€ische Rechtsstaatsprinzip. Die Kommission hat sich nicht verbiegen lassen", lobte der Verband.

Die EU-Kommission hatte Google und Alphabet seit 2018 bereits mit mehreren Wettbewerbsstrafen in Gesamthöhe von rund acht Milliarden Euro belegt. Der Konzern verdaute sie jeweils schnell. Die bisher höchste Strafe gab es mit gut vier Milliarden Euro wegen des GeschÀfts mit dem Google-Betriebssystem Android.

@ dpa.de