EU kassiert vorerst keine Zusatzzölle auf Chinas E-Autos
20.08.2024 - 15:17:13(neu: Stellungnahmen des VDA und BWM ergÀnzt.)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die EU wird keine vorlĂ€ufigen Zusatzzölle auf chinesische E-Autos erheben. Eigentlich war vorgesehen, dass in bestimmten FĂ€llen rĂŒckwirkend hohe Ausgleichszölle von bis zu 37,6 Prozent gezahlt werden sollten, weil E-Autos aus China nach EU-Angaben von wettbewerbsverzerrenden Subventionen profitieren und der EU-Industrie deswegen ein Schaden droht. Der EU-Kommission zufolge sind chinesische Elektroautos normalerweise rund 20 Prozent gĂŒnstiger als in der Union hergestellte Modelle. Wie die Kommission nun mitteilte, wĂŒrden aber die rechtlichen Voraussetzungen fĂŒr eine rĂŒckwirkende Erhebung von Zöllen nicht erfĂŒllt.
Hintergrund ist nach Angaben eines Kommissionsbeamten, dass noch kein materieller Schaden fĂŒr EU-Unternehmen festgestellt worden sei. Derzeit bestehe lediglich die Gefahr eines Schadens, wie sich in den vergangenen Monaten ergeben habe.
Höchstsatz von 36,6 Prozent Zusatzzoll
Zudem teilte die Behörde mit, dass die ZollsĂ€tze leicht angepasst wurden. Sie wurden in den meisten FĂ€llen etwas abgesenkt. Konkret sollte fĂŒr den Hersteller BYD CNE100000296 etwa ein vorlĂ€ufiger Strafzoll von 17,4 Prozent, fĂŒr Geely KYG3777B1032 19,9 Prozent und fĂŒr SAIC 37,6 Prozent gelten. Diese SĂ€tze wurden nun auf 17,0 Prozent, 19,3 Prozent und 36,3 Prozent abgesenkt. Tesla US88160R1014 bekommt demnach einen individuellen Zollsatz von neun Prozent. Firmen, die mit der EU zusammenarbeiten werden mit 21,3 Prozent (ursprĂŒnglich 20,8) belastet, fĂŒr unkooperative Unternehmen wird der Höchstsatz von 36,3 Prozent fĂ€llig.
Wie hoch der Zollsatz am Ende ausfÀllt, hÀngt auch davon ab, wie hoch die Subventionen sind, von denen die einzelnen Firmen profitieren. Geely produziert unter anderem die elektrischen Smart-Modelle #1 und #3 sowie den Volvo EX30. SAIC baut den in Deutschland populÀren MG4, der in den Zulassungsstatistiken aus Flensburg im Mai unter den E-Autos knapp hinter dem VW DE0007664039 ID.3 auf dem zweiten Platz landete.
Niedrigerer Zollsatz fĂŒr BMW DE0005190003-Unternehmen
Ein Gemeinschaftsunternehmen von BMW und mit Great Wall Motors in China wurde nach BMW-Angaben nun in den Kreis kooperierender Unternehmen aufgenommen und wird nun unter einem niedrigeren Zollsatz gefĂŒhrt. Der deutsche Autobauer bezeichnete dies als folgerichtig. GrundsĂ€tzlich sieht er, ebenso wie der Verband der Automobilindustrie (VDA), Zölle auf E-Autos aus China kritisch. Durch die MaĂnahme wĂ€chst laut VDA das Risiko eines globalen Handelskonfliktes weiter an. Die HandelsmaĂnahme sei auch nicht geeignet, die WettbewerbsfĂ€higkeit der europĂ€ischen Automobilindustrie zu stĂ€rken.
EndgĂŒltige Entscheidung noch offen
Die Entscheidung, ob tatsĂ€chlich irgendwann Strafzölle gezahlt werden mĂŒssen, soll bis Ende Oktober bekanntgegeben werden. Die Kommission muss diese Entscheidung aber unter den 27 EU-Staaten abstimmen lassen. Wenn sich eine Mehrheit dagegen ausspricht, kann sie die Ausgleichszölle nicht einfĂŒhren. Es wird auch darauf gehofft, dass mit Peking noch eine diplomatische Lösung gefunden wird.
Autohersteller aber auch andere betroffene Parteien haben nun die Möglichkeit Anhörungen bei der Kommission zu beantragen und innerhalb von zehn Tagen Stellungnahmen abzugeben. Die Kommission guckt sich diese an und legt dann den Mitgliedstaaten ihren Vorschlag fĂŒr eine endgĂŒltige Entscheidung vor.

