ROUNDUP, EU-Untersuchung

Elon Musks X droht hohe Geldstrafe

12.07.2024 - 16:58:22

BRÜSSEL - Nach vorlĂ€ufiger EinschĂ€tzung der EU-Kommission verstĂ¶ĂŸt US-Unternehmer Elon Musk mit seiner Online-Plattform X gegen EU-Recht.

(neu: Details.)

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Nach vorlĂ€ufiger EinschĂ€tzung der EU-Kommission verstĂ¶ĂŸt US-Unternehmer Elon Musk mit seiner Online-Plattform X gegen EU-Recht. Damit droht der Firma eine hohe Strafzahlung, wie die BrĂŒsseler Behörde mitteilt. Die Gestaltung der Online-Plattform X kann Nutzer laut Kommission in die Irre fĂŒhren. Konkret wirft die Kommission X (frĂŒher Twitter) vor, dass die Art und Weise der Verifizierung von Nutzerkonten dazu fĂŒhren könne, dass andere Nutzer der Plattform in die Irre gefĂŒhrt werden, weil jeder einen "verifizierten" Account bekommen könne.

Damit veröffentlicht die EU-Kommission erstmals vorlĂ€ufige Untersuchungsergebnisse unter einem neuen EU-Gesetz ĂŒber digitale Dienste (DSA). X kann nun auf die VorwĂŒrfe reagieren. Durch Änderungen seines Vorgehens kann X die Kommission etwa davon ĂŒberzeugen, dass sich die Plattform an EU-Regeln hĂ€lt. Damit könnte der US-Konzern eine Strafe abwenden. Die Kommission betont, dass ihre heute vorgestellten Ergebnisse noch nicht endgĂŒltig sind.

HĂ€kchen heute fĂŒr Abo-Kunden

Bei Twitter wurden die weiß-blauen HĂ€kchen-Symbole zur Verifizierung frĂŒher nach einer PrĂŒfung durch das Unternehmen an Prominente, Politiker und Personen des öffentlichen Lebens vergeben. Das ist auch die gĂ€ngige Praxis bei anderen Online-Diensten. Musk fĂŒhrte hingegen ein, dass alle Abo-Kunden HĂ€kchen bekommen, die so aussehen wie frĂŒher. Insbesondere unmittelbar nach der Umstellung gab es mehrfach Ärger, weil falsche Accounts von Unternehmen und Prominenten plötzlich echt wirkten.

Die Kommission teilte nun mit, es gebe Hinweise darauf, dass böswillige Akteure solche vermeintlich verifizierten Konten auf X missbrauchten, um andere Nutzer zu tÀuschen. Ein Kommissionsmitarbeiter sagte: "Wir sind der Meinung, dass die blauen HÀkchen die Nutzer zu der Annahme verleiten, dass die Konten hinter diesen blauen HÀkchen tatsÀchlich verifiziert sind." Um ein solches HÀkchen zu bekommen, brauche man lediglich eine Telefonnummer und ein Bankkonto, betonte die Kommission.

Das Unternehmen war zunĂ€chst nicht fĂŒr eine Stellungnahme zu erreichen. Musk reagierte bei X patzig: "Woher wissen wir, dass Sie echt sind?", fragte er zu einem Post von EU-Kommissar Thierry Breton.

Weitere Transparenzdefizite

Online-Plattformen mĂŒssen sich wegen des DSA seit einiger Zeit an deutlich strengere Regeln halten. Dabei geht es unter anderem auch darum, dass es mehr Transparenz im Bereich Werbung gibt und Forschenden Zugriff auf bestimmte Daten gewĂ€hrt wird. In beiden Punkten verstĂ¶ĂŸt X laut vorlĂ€ufiger Ansicht der EU-Kommission gegen den DSA. Auch gegen andere große Online-Plattformen laufen Untersuchungen auf Grundlage des DSA.

Konkret bemĂ€ngelt die Kommission, dass Forschenden kein Zugriff auf öffentliche Daten gewĂ€hrt wird. Vor der Übernahme durch Elon Musk habe Twitter sehr großzĂŒgig Daten bereitgestellt. Zudem geht die Kommission davon aus, dass Werbeanzeigen in betrĂŒgerischer Absicht geschaltet wĂŒrden. So habe man etwa Betrugsversuche mit Werbung fĂŒr Krypto-WĂ€hrung festgestellt.

Hohe Strafe droht

Sollte sich die vorlĂ€ufige Auffassung der Kommission bestĂ€tigen, kann die Behörde eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhĂ€ngen. Gegen die Entscheidung könnte gerichtlich vorgegangen werden.

Zum aktuellen Umsatz von X sind nur SchĂ€tzungen bekannt. Seit Musk den VorgĂ€ngerdienst Twitter im Oktober 2022 kaufte und von der Börse nahm, mĂŒssen keine Zahlen mehr vorgelegt werden. Details zum GeschĂ€ft gelangen nur bruchstĂŒckhaft ans Licht. So schrieb der Finanzdienst Bloomberg jĂŒngst, im ersten Halbjahr 2023 seien die Erlöse im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 1,48 Milliarden Dollar gefallen.

X steht auch schon lÀnger in der Kritik, nicht genug gegen Falschinformationen und Hassrede auf der Plattform zu machen. Der DSA verpflichtet Unternehmen auch dazu, strikt gegen illegale Inhalte wie zum Beispiel Hassrede und Hetze im Netz vorzugehen. Musk hatte stets betont, die aus seiner Sicht zu starken EinschrÀnkungen der Meinungsfreiheit auf der Plattform beseitigen zu wollen.

Weitere Untersuchungen

X wurde deswegen von der EU-Kommission bereits ein Fragenkatalog geschickt, nachdem es zahlreiche Hinweise auf illegale und irrefĂŒhrende BeitrĂ€ge zum Angriff der islamistischen Hamas auf Israel auf der Plattform gab. Da die Fragen offenbar nicht zur Zufriedenheit der EU-Kommission beantwortet wurden, wurde ein Verfahren gegen X eröffnet.

Dieses lĂ€uft unabhĂ€ngig von den heute vorgestellten vorlĂ€ufigen Ergebnissen weiter. Es habe etwa von nationalen Aufsichtsbehörden und Organisationen zahlreiche Hinweise gegeben, heißt es aus BrĂŒssel. Die Untersuchung werde ohne unangemessene Verzögerung vorangetrieben. Ein konkreter Zeitplan dafĂŒr ist nicht bekannt.

Die Kommission hat zudem die Möglichkeit eingerichtet, das etwa Mitarbeitende von X online anonym Informationen zu den VorwĂŒrfen einreichen können.

@ dpa.de