Cardano: Großanleger gegen den Trend
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein historisches Upgrade, sinkende Handelsaktivität und ein Kurs, der trotzdem kaum vom Fleck kommt — bei Cardano klaffen technischer Fortschritt und Marktreaktion auseinander. Während Kleinanleger ihre Bestände abbauen, greifen Großwallets zu. Diese Spaltung wirft die Frage auf, wer am Ende recht behält.
ADA notiert bei rund 0,16 Dollar und hat seit Jahresbeginn etwa 68 Prozent seines Wertes verloren. Damit liegt der Kurs weiterhin 95 Prozent unter dem Allzeithoch von 3,10 Dollar aus dem September 2021. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf rund 6 Milliarden Dollar.
Governance-Meilenstein ohne Kursreaktion
Am 18. Juli aktivierte das Netzwerk um 21:44 UTC den Van Rossem Hard Fork und brachte damit Protocol Version 11 live. Bemerkenswert ist weniger die Technik als der Prozess: Es ist das erste Upgrade in der Geschichte von Cardano, das vollständig über On-Chain-Governance beschlossen wurde. Delegierte stimmten mit 77,63 Prozent zu, Stake-Pool-Betreiber mit 52,7 Prozent, das Constitutional Committee votierte einstimmig. Input Output, das Unternehmen hinter dem Großteil des Codes, war erstmals nicht an der Koordination beteiligt.
Das Update senkt die Kosten für Plutus-Smart-Contracts und bereitet den Boden für Ouroboros Leios, ein Skalierungs-Upgrade, das später in diesem Jahr den Durchsatz deutlich über die aktuelle Kapazität heben soll. Ein entsprechendes Testnetz namens Musashi Dojo läuft bereits seit Juni. Die täglichen Transaktionen sanken im gleichen Zeitraum auf rund 17.400 — ein Hinweis darauf, dass die Netzwerkaktivität dem technischen Fortschritt bislang nicht folgt.
Wale kaufen, Kleinanleger verkaufen
Wallets mit mehr als einer Million ADA kontrollieren inzwischen 67,5 Prozent des Umlaufbestands, der höchste Stand seit 2023. Parallel dazu erhöhten Adressen mit 10 bis 100 Millionen ADA ihren Anteil auf 38,13 Prozent. Privatanleger mit bis zu 100 ADA bauten ihre Bestände im gleichen Zeitraum leicht ab.
Institutionell tut sich ebenfalls etwas: Clearstream, die Verwahrtochter der Deutschen Börse, nahm ADA am 7. Juli in ihr reguliertes digitales Depot auf. Die CME ergänzte zudem Cardano-Futures um ihr Angebot. Grayscale reichte einen Spot-ADA-ETF bei der SEC ein — das Prüffenster dafür öffnet sich am 9. August.
Technisch verläuft die Unterstützung bei 0,14 Dollar, der Widerstand beginnt bei 0,19 bis 0,20 Dollar. Für Juli rechnen Prognosemodelle mit einer engen Spanne zwischen 0,15 und 0,17 Dollar, während der Kurs weiterhin klar unter der 50-Tage-Linie bei 0,189 Dollar und der 200-Tage-Linie bei 0,297 Dollar liegt. Einige Modelle sehen bei einer ETF-Genehmigung ein Kursziel von bis zu 0,45 Dollar für den weiteren Jahresverlauf.
Der 9. August dürfte damit zum nächsten wichtigen Termin werden. Bis dahin bleibt die Frage im Raum, ob die Akkumulation der Großwallets ein früher Vorbote für die ETF-Entscheidung ist — oder ob die Kleinanleger mit ihrer Zurückhaltung die aktuelle Marktstimmung besser einschätzen.
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