ChatGPT startet Werbeplattform mit Premium-Preisen
28.01.2026 - 04:25:12OpenAI stellt die Monetarisierung seiner KI auf eine harte Probe: Für Werbeanzeigen im beliebten ChatGPT verlangt das Unternehmen mit rund 60 Euro pro 1.000 Impressionen einen dreifach höheren Preis als Meta. Das aggressive Preismodell zielt auf eine neue „Intent Economy“ – doch Werbetreibende erhalten kaum Performance-Daten.
Premium-Preis für Konversations-Kontext
Mit dem Einstieg in den Werbemarkt setzt OpenAI auf ein kühnes Preismodell. Das Unternehmen verlangt eine Prämie für eine Werbefläche, die es als grundlegend wertvoller einschätzt. Im Gegensatz zu sozialen Feeds oder Suchresultaten erscheinen die Anzeigen in einer „Post-Intent“-Umgebung. Nutzer haben ihren Bedarf und Kontext bereits im Dialog detailliert beschrieben.
Die Abrechnung erfolgt nach Impressionen (CPM), nicht nach Klicks (CPC). Diese Methode ist eher mit klassischen Branding-Kampagnen vereinbar als mit den performance-getriebenen Metriken des Digitalmarketings. Der Ansatz sichert OpenAI eine stetige Einnahmequelle – unabhängig davon, ob Nutzer mit den Anzeigen interagieren.
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Branchenanalysten deuten dies als Vorsichtsmaßnahme für potenziell niedrige Klickraten. Nutzer sind darauf fokussiert, Antworten im Chat zu erhalten. OpenAI wettet, dass Marken trotzdem mehr zahlen, um Nutzer in einem kritischen Moment der Entscheidungsfindung zu erreichen.
Der Trade-off: Hohe Kosten, wenig Daten
Trotz der Spitzenpreise bietet die Plattform Werbetreibenden zunächst nur eingeschränkte Analysemöglichkeiten. Im Kontrast zu den datenreichen Ökosystemen von Google und Meta liefert OpenAI laut Berichten nur grobe Kennzahlen wie Gesamtimpressionen und Klickzahlen.
Performance-orientierten Werbetreibenden fehlen damit Werkzeuge wie Conversion-Tracking, detaillierte User-Journey-Daten oder Audience-Segmentierung. Marken zahlen First-Class-Preise für Analysen auf Stand der 1990er Jahre. Die präzise Messung des Return on Investment wird schwierig.
Diese Datensparsamkeit resultiert aus OpenAIs öffentlichem Bekenntnis zum Nutzerdatenschutz. Das Unternehmen hat zugesagt, niemals Nutzerdaten an Werbetreibende zu verkaufen. Das Werbeprodukt wird als vertrauensbasierte Plattform positioniert, bei der Markensicherheit und Kontext den hohen Preis rechtfertigen.
Stufenweise Einführung und Nutzerschutz
Die ersten Anzeigen sollen in den kommenden Wochen für Nutzer in den USA erscheinen. Integriert werden sie in die kostenlose Version von ChatGPT und den günstigeren „Go“-Tarif. Die Premium-Abos „Plus“, „Pro“ und „Enterprise“ bleiben werbefrei.
Um Vertrauen und Sicherheit zu wahren, hat OpenAI klare Grenzen definiert. Anzeigen erscheinen in gekennzeichneten Boxen, getrennt von den KI-Antworten, und beeinflussen den Output nicht. Nutzer unter 18 Jahren sehen keine Werbung. Gespräche zu sensiblen Themen wie mentaler Gesundheit oder Politik werden ausgespart.
Analyse: Monetarisierung der „Intent Economy“
Die Strategie ist ein hochriskantes Experiment an einer neuen Werbefront. OpenAI steht unter immensem finanziellen Druck, um die gewaltigen Rechenkosten zu decken und aus seiner riesigen Nutzerbasis von wöchentlich 800 Millionen Menschen Einnahmen zu generieren. Die Werbeoffensive ist ein entscheidender Schritt zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell jenseits von Venture Capital und Abos.
Kern der Wette ist das Konzept einer „Intent Economy“, bei der der Wert auf die klar definierten Bedürfnisse des Nutzers im Dialog gelegt wird. Doch es gibt Skeptiker. Einige Branchenführer bezweifeln die grundsätzliche Vereinbarkeit von Werbung in einem Werkzeug, das als hilfreicher, objektiver Assistent konzipiert ist.
Konkurrent Google hat erklärt, derzeit keine Pläne zu haben, Werbung in seine Konversations-KI Gemini zu integrieren. Das Unternehmen scheint zufrieden damit, OpenAI als ersten in diesen unerforschten Gewässern navigieren zu sehen.
Ausblick: Ein teures Pilotprojekt
Das initiale Werbeprogramm wird als Pilot positioniert. Frühe Werbetreibende sollen sich für Testphasen mit Beträgen unter einer Million Euro engagieren. Diese Phase ist kritisch, um Feedback zu sammeln und den Ansatz zu verfeinern. OpenAI hat angedeutet, dass mit der Zeit ausgefeiltere Messwerkzeuge hinzukommen könnten.
Letztlich spekuliert OpenAI, dass die schiere Größe seines Publikums und die Einzigartigkeit der Konversationsumgebung den Aufpreis rechtfertigen – selbst ohne die detaillierten Analysen, die zum Industriestandard geworden sind. Die Reaktion des Marktes wird ein Wendepunkt für die KI-Monetarisierung sein.
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