CISA-Chef unter Druck nach ChatGPT-Datenleck
29.01.2026 - 05:01:12Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA ermittelt gegen ihren eigenen kommissarischen Direktor. Madhu Gottumukkala soll sensible Regierungsdokumente in die öffentliche Version des KI-Chatbots hochgeladen haben. Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz in Sicherheitsbehörden auf.
Internes Dokument in öffentlicher KI gelandet
Laut Untersuchungsberichten kopierte der höchste politische Beamte der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) im Sommer 2025 interne Unterlagen in ChatGPT. Die Dokumente waren zwar nicht als geheim eingestuft, trugen jedoch den Vermerk „For Official Use Only“ (FOUO) – für den internen Dienstgebrauch bestimmt.
Betroffen waren Unterlagen zu Vertragsangelegenheiten und internen Prozessen der Behörde, die für das öffentliche Netzwerk nicht vorgesehen sind. Entdeckt wurde der Datentransfer nicht zufällig: Im August 2025 schlugen die automatischen Sicherheitssysteme der CISA selbst Alarm.
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Sondergenehmigung für Spitzenbeamten
Besonders brisant: Gottumukkala hatte eine Ausnahmegenehmigung. Während für die meisten Mitarbeiter von CISA und des Heimatschutzministeriums (DHS) der Zugang zu öffentlichen KI-Tools gesperrt war, durfte der Behördenchef ChatGPT nutzen. Diese Sonderregelung stellt nun die internen Kontrollmechanismen in Frage.
Öffentliche KI-Modelle wie ChatGPT speichern und lernen potenziell aus eingegebenen Daten. Sensitive Informationen könnten so unbemerkt in Trainingsdaten einfließen oder anderen Nutzern zugänglich werden. Ein CISA-Sprecher betonte, die Nutzung sei „kurzfristig und begrenzt“ gewesen und unter Aufsicht des DHS erfolgt. Ergebnisse der Schadensanalyse liegen noch nicht vor.
Sicherheitsdilemma: Modernisierung versus Schutz
Der Fall zeigt das grundsätzliche Spannungsfeld, in dem Sicherheitsbehörden weltweit agieren. Einerseits drängt der Wettbewerb zur Nutzung moderner KI-Werkzeuge für mehr Effizienz. Andererseits hinken die Sicherheitsprotokolle dieser rasanten Entwicklung oft hinterher.
Cybersicherheitsexperten warnen seit Langem vor den Risiken öffentlicher KI-Modelle für behördliche Daten. Der Vorfall bei CISA dürfte nun eine grundlegende Überprüfung der KI-Nutzungsrichtlinien in US-Behörden auslösen. Besonders im Fokus: Führungskräfte mit Zugang zu sensiblen Informationen.
Vorwürfe häufen sich gegen CISA-Chef
Die Ermittlungen kommen zu einer ungünstigen Zeit für Gottumukkala. Sein Führungsstil war bereits zuvor in die Kritik geraten. Berichte über einen nicht bestandenen Lügendetektortest und die Suspendierung langjähriger Mitarbeiter von Zugängen zu Verschlusssachen belasten zusätzlich.
Das Heimatschutzministerium muss nun das volle Ausmaß des Datenabflusses bewerten und Konsequenzen ziehen. Die Entscheidung könnte nicht nur über Gottumukkalas Zukunft entscheiden, sondern auch strengere KI-Richtlinien für alle US-Bundesbehörden zur Folge haben.
In einer Zeit, in der ausländische Akteure KI für Cyberangriffe nutzen, unterstreicht der Vorfall eine dringende Notwendigkeit: Behörden müssen sichere, eigene KI-Umgebungen schaffen – bevor die Werkzeuge der Modernisierung zum Sicherheitsrisiko werden.
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