ROUNDUP, Bio-Markt

Der Bio-Markt erholt sich vom Preisschock

29.12.2023 - 06:37:57 | dpa.de

Das GeschÀft mit Bio-Lebensmitteln hat in der Zeit der hohen Inflation gelitten - nach Branchenangaben geht es aber wohl schon wieder aufwÀrts.

Der "Öko-Umsatz konsolidiert sich 2023", heißt es in einem Marktbericht des Deutschen Bauernverbands, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bis Oktober sei der Umsatz bei frischen Produkten nach Daten des Marktforschungsunternehmens GfK um 2,8 Prozent gewachsen. Auch das Sortiment verpackter Ware dĂŒrfte im positiven Bereich gelegen haben. "Der deutsche Öko-Lebensmittelumsatz wĂŒrde damit 2023 in Richtung 16 Milliarden Euro wachsen." Dabei spielen die großen Handelsketten und der Preis eine wichtigere Rolle.

Das zeitweise schwĂ€chelnde Öko-GeschĂ€ft könnte so ziemlich schnell wieder Tritt fassen. "FĂŒr 2024 kann mit wachsenden UmsĂ€tzen gerechnet werden", heißt es in dem Marktbericht zum Jahreswechsel. Denn alle großen Ketten des Lebensmitteleinzelhandels profilierten sich mit Öko-Sortimenten. Im Jahr 2022 hatte der erfolgsgewohnte Bio-Markt in Deutschland ein Minus verbucht. Der Umsatz sank laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft um 3,5 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro.

Auf eine schnellere Ausdehnung der Bio-Landwirtschaft setzt auch die Politik - und dafĂŒr kommt es auf eine weiter wachsende Nachfrage an. ErklĂ€rtes Ziel der Koalition ist es, den Bio-Anteil schon bis 2030 auf 30 Prozent der gesamten AgrarflĂ€che auszuweiten. Zuletzt war er weiter gestiegen - aber nur leicht auf 11,2 Prozent mit Stand Ende 2022. Bio arbeiten nun 14,2 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe.

Im Blick steht dabei auch, wie robust sich Bio als GeschĂ€ftsmodell erweist. Im ersten Jahr der Corona-Pandemie 2020, in dem viele zu Hause kochten, war der Umsatz um 22 Prozent auf 15 Milliarden Euro hochgeschnellt und wuchs 2021 noch weiter auf 15,9 Milliarden Euro. Im Jahr 2022 kam dann ein ungewohnter RĂŒckschlag. Trotz der RĂŒckkehr vieler Menschen in Restaurants und Kantinen, in denen es meist kein Bio-Angebot gibt, habe Bio den Umsatz aber noch "weitgehend" halten können, erlĂ€uterte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

Von einer KaufzurĂŒckhaltung bei teureren Lebensmitteln in der hohen Inflation waren aber auch Bio-Produkte berĂŒhrt, die meist etwas mehr kosten - mit einem starken Trend hin zum Kauf im Supermarkt, wĂ€hrend FachgeschĂ€fte das Nachsehen hatten. "Öko-Umsatzgewinner" seien wieder die Discounter gewesen, heißt es im Bericht des Bauernverbands. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren berichtete kĂŒrzlich aber, dass die anfangs gesunkene Nachfrage im zweiten Halbjahr 2023 gestiegen sei. Seit Juni gebe es durchweg höhere Umsatzzahlen als im Vorjahresmonat.

Agrarminister Cem Özdemir (GrĂŒne) hat eine Strategie seines Ressorts vorgelegt, die den Bio-Absatz ankurbeln soll. Im Blick steht etwa verstĂ€rkte Bio-Forschung, um ErtrĂ€ge des ökologischen Landbaus zu steigern. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen auch genauer ĂŒber Bio-Vorteile fĂŒr den Umwelt- und Tierschutz informiert werden.

Ein Hebel sollen mehr Bio-Speisen in Kantinen, Mensen und Restaurants sein. Damit man auf einen Blick sehen kann, wie "bio" eine KĂŒche ist, können Anbieter freiwillig ein rundes Logo in den Medaillenfarben nutzen und so auch fĂŒr sich werben. Es zeigt den Bio-Anteil gemessen am Geldwert des gesamten Wareneinkaufs. FĂŒr Gold mĂŒssen es 90 bis 100 Prozent bio sein, fĂŒr Silber 50 bis 89 Prozent und fĂŒr Bronze 20 bis 49 Prozent. Die Logos können laut Ministerium angebracht werden, wenn Betriebe zertifiziert sind - die eigene Kantine in Bonn und die des Arbeitsministeriums in Berlin hĂ€tten auch schon ein Logo in Bronze.

FĂŒr mehr Bio kommt es außerdem darauf an, dass mehr Höfe mitmachen. Dabei betonte Özdemir schon bei der Vorlage seiner Strategie Mitte November: "Niemand muss auf Bio umsteigen." Es sei eine Option. Die Stimmung in der gesamten Branche ist aber auf einem Tiefpunkt, seit PlĂ€ne der Regierungskoalition bekannt wurden, gleich zwei VergĂŒnstigungen zu streichen, um zu sparen: die Regelungen zu Agrardiesel und die Kfz-Steuerbefreiung fĂŒr Landwirtschaftsfahrzeuge. Özdemir ging dazu auf Distanz. Der Bauernverband warnt aber im Marktbericht, die gedĂ€mpften wirtschaftlichen Aussichten drohten sich so zusĂ€tzlich zu verschlechtern. Auch von Bio-Produzenten kamen scharfe Proteste.

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