ROUNDUP, Spanien

Spanien ĂŒber Schweigen von Merz bei Trump verĂ€rgert

04.03.2026 - 16:25:39 | dpa.de

Das Schweigen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesichts der harschen Kritik von US-PrĂ€sident Donald Trump im Weißen Haus an Spaniens Widerstand gegen den Iran-Krieg hat die Regierung in Madrid verĂ€rgert.

Diplomatisch höflich formulierte Spaniens Außenminister JosĂ© Manuel Albares, er habe Deutschland seine "Überraschung" ĂŒber die mangelnde SolidaritĂ€t des Bundeskanzlers ĂŒbermittelt. Spanien ist innerhalb der EU einer der schĂ€rfsten Kritiker von Trumps Politik und setzt sich deutlich von dem eher auf Schadenbegrenzung bedachten Kurs anderer europĂ€ischer Staats- und Regierungschefs wie etwa Merz ab.

Sånchez zog Groll Trumps schon öfter auf sich

Der linke Regierungschef Pedro SĂĄnchez bezweifelt, ob die Angriffe auf den Iran vom Völkerrecht gedeckt sind und verbot deshalb die Nutzung spanischer MilitĂ€rbasen durch das US-MilitĂ€r fĂŒr EinsĂ€tze gegen den Iran.

Zudem legte er sich in der Vergangenheit schon wiederholt mit Trump an, indem er die Erhöhung der MilitĂ€rausgaben auf fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ablehnte, US-Techkonzerne an die Kandare legen will oder die Festnahme des venezolanischen PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro kritisierte.

Merz ließ Trumps Attacken zunĂ€chst unerwidert

Trump hatte bei dem Treffen mit Merz am Dienstag im Weißen Haus in Washington harte Kritik an den Regierungen in Madrid und London geĂŒbt. "Einige europĂ€ische LĂ€nder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", sagte er mit Blick auf die US-Angriffe auf den Iran. "Spanien hat tatsĂ€chlich gesagt, dass wir ihre StĂŒtzpunkte nicht nutzen dĂŒrfen", beschwerte sich Trump.

"Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunĂ€chst unklar. Vor laufenden Kameras ging Merz im Weißen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein.

SpĂ€ter trat der Kanzler der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU. "Und als solches fĂŒhren wir Verhandlungen ĂŒber ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht", stellte Merz klar.

Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Mittwoch in Berlin auf eine Frage nach Merz' Verhalten in Washington: "Der Kanzler hat im Oval Office zu Spanien nicht reagiert und hat anschließend im GesprĂ€ch - wie er das selbst gestern anschließend mitgeteilt hat - diese Situation noch mal aufgegriffen und eine Klarstellung gemacht."

Sånchez warnt vor NaivitÀt

Diese Äußerungen wurden in spanischen Medien als Versuch des Kanzlers gewertet, sein anfĂ€ngliches Schweigen gegenĂŒber Trump zu korrigieren. SĂĄnchez erwĂ€hnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es sei "naiv zu glauben, dass blinder und unterwĂŒrfiger Gehorsam FĂŒhrung bedeutet".

Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron, der die Angriffe gegen den Iran ebenfalls als nicht vom Völkerrecht gedeckt sieht, sicherte Spanien in einem Telefonat mit Sånchez die "europÀische SolidaritÀt Frankreichs" zu.

Der britische Premier Keir Starmer bemĂŒhte sich bei der wöchentlichen Fragestunde im Parlament in London, die beißende Kritik Trumps vom Vortag als nebensĂ€chlich abzutun. FĂŒr den innenpolitisch schwer angeschlagenen Starmer ist der Iran-Krieg heikel. Das liegt vor allem daran, dass die Briten dem frĂŒheren Labour-Premier Tony Blair noch heute nachtragen, den USA 2003 in den Irak-Krieg gefolgt zu sein. Die Invasion gilt in Großbritannien inzwischen als Desaster.

Die EU warnte Trump davor, Spanien mit einem Handelsembargo zu belegen. "Wir stehen in voller SolidaritĂ€t mit allen Mitgliedstaaten und ihren BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern und sind im Rahmen unserer gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln, falls dies erforderlich ist, um die Interessen der EU zu wahren", sagte ein Sprecher der EU-Kommission von Ursula von der Leyen. Man erwarte, dass sich die USA an die Handelsabsprachen hielten.

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