ABB profitiert von hoher Nachfrage aus Rechenzentren - Zukauf geplant
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 13:15 Uhr, dpa.deUmsatz und Auftragseingang legten deutlich zu. Wie schon zum Jahresstart wuchsen beide Kennziffern prozentual zweistellig. Auch die operative Gewinnmarge verbesserte sich erneut. Zudem will der Technologiekonzern sein GeschÀft rund um Elektrifizierung und Automatisierung mit einem milliardenschweren Zukauf der britischen Firma Rotork stÀrken, eines Anbieters von DurchflusskontrollgerÀten und elektrischen Stellantrieben.
WĂ€hrend Analysten die Quartalszahlen positiv aufnahmen, bewerteten sie die geplante Ăbernahme als recht teuer. Letzteres belastete dann auch die Aktie, die zuletzt um gut vier Prozent nachgab. Nach EinschĂ€tzung von Analyst Alasdair Leslie von dem US-Analysehaus Bernstein Research sind die GeschĂ€ftszahlen zum zweiten Quartal des Industriekonzerns stark ausgefallen.
Im zweiten Quartal kletterte der Erlös des ABB-Konzerns im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 9,48 Milliarden US-Dollar, wie das auf Elektrifizierung, Automation und Antriebstechnik spezialisierte Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Auf vergleichbarer Basis betrug das Plus 12 Prozent. Wichtigster Wachstumstreiber waren höhere Volumina, aber auch Preiserhöhungen und gĂŒnstige Wechselkurse.
Der Auftragseingang, also die Basis des kĂŒnftigen Umsatzes, kletterte auf vergleichbarer Basis um 28 Prozent auf gut 12 Milliarden Dollar. Deutlich zogen vor allem die Bestellungen in den Bereichen Elektrifizierung und Antriebstechnik an.
Die operative Marge (Ebita-Marge) stieg um 0,9 Prozentpunkte auf 20,2 Prozent und lag damit innerhalb der zuletzt erhöhten Zielspanne von 18 bis 22 Prozent. Den Anstieg fĂŒhrte ABB auf Verbesserungen in zwei der drei GeschĂ€ftsbereiche und auf geringere Verluste im E-Mobility-GeschĂ€ft zurĂŒck. Der auf die AktionĂ€re anfallende Gewinn fiel mit 1,23 Milliarden Dollar sieben Prozent höher aus als im Vorjahr.
FĂŒr das laufende Jahr zeigte sich das Management etwas zuversichtlicher. Die ABB-Spitze peilt nun ein Umsatzplus im niedrigen zweistelligen bis unteren Zehner-Prozent-Bereich an. Zuvor hatte sie einen Zuwachs im hohen einstelligen bis tiefen zweistelligen Bereich im Visier gehabt. Die operative Marge (Ebita) soll sich weiterhin im Vergleich zum Vorjahreswert (19,0 Prozent) verbessern.
FĂŒr das laufende dritte Quartal wird ein Wachstum des vergleichbaren Umsatzes im unteren bis mittleren Zehner-Prozent-Bereich und eine operative Marge ĂŒber derjenigen des zweiten Quartals 2026 in Aussicht gestellt.
Derweil plant ABB einen Milliarden-Zulauf. Das Unternehmen bietet den AktionĂ€ren der britischen Rotork GB00BVFNZH21 503 Pence je Aktie in bar. Damit werde das Unternehmen mit 5,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Ăbernahme will ABB mit bestehenden Barmitteln, Bankkrediten und Erlösen aus der VerĂ€uĂerung des Robotics-GeschĂ€fts finanzieren. Die Transaktion soll in der ersten JahreshĂ€lfte 2027 abgeschlossen sein.
Rotork ist den Angaben zufolge in den Jahren 2022 bis 2025 jĂ€hrlich im Schnitt um acht Prozent aus eigener Kraft gewachsen. Zu den Kunden zĂ€hlten unter anderem die Ăl- und Gasindustrie und Chemie sowie auch Datenzentren. Die Briten erzielten 2025 einen Erlös von rund 1 Milliarde US-Dollar und eine bereinigte operative Gewinnmarge von 24,6 Prozent. Damit wĂŒrde Rotork rund drei Prozent zum ABB-Konzernumsatz und unmittelbar zur Steigerung der operativen Marge beitragen.
