ROUNDUPLebenszeichen, Gesamtproduktion

Deutsche Gesamtproduktion steigt überraschend stark

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 10:38 Uhr, dpa.de

Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland hat sich im Mai besser als erwartet entwickelt.

Die Gesamtproduktion sei im Vergleich zum Vormonat April saison- und kalenderbereinigt um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die von Bloomberg befragten Experten hatten im Schnitt mit einem Plus von lediglich 0,1 Prozent gerechnet.

Allerdings wurde der monatliche Anstieg der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im April von 0,4 Prozent auf 0,2 Prozent nach unten revidiert.

Die Gesamtproduktion in Deutschland besteht überwiegend aus der Industrieproduktion sowie der Energieerzeugung und der Bauwirtschaft. Die Industrieproduktion legte im Mai um 0,8 Prozent zu, im bisherigen Jahresverlauf kam der Zuwachs vor allem aus der Energie- und Bauwirtschaft. Die Erholung in der Industrie ist maßgeblich auf die Zuwächse in der Automobilindustrie zurückzuführen. Dort stieg die Produktion saison- und kalenderbereinigt um 3,6 Prozent zum Vormonat.

Bereits am Montag hatten die Auftragseingänge der Industrie positiv überrascht. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen spricht von einem "Lebenszeichen von der Produktion". "Damit machen die aktuell verfügbaren Zahlen durchaus Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal trotz der wegen des Iran-Kriegs massiv gestiegenen Energiepreise und der erhöhten Unsicherheit nicht geschrumpft ist", heißt es in einem Kommentar. "Im zweiten Halbjahr dürfte sie angesichts des zuletzt deutlich gefallenen Ölpreises ihre Erholung wieder aufnehmen."

"Die harten Daten sprechen bislang für ein positives Wachstum im zweiten Quartal", schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank. Er verweist auch auf die Einzelhandelsumsätze, die im Mai merklich gestiegen waren. "Damit könnte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal eine gewisse Resilienz gegenüber den Geschehnissen in Nahost erwiesen haben."

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verweist auf starke Schwankungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen. "Auch wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zuletzt wieder angelaufen ist, bleibt die Unsicherheit bezüglich einer Normalisierung der Handelsaktivitäten hoch", heißt es in einer Mitteilung. "Vor dem Hintergrund nach wie vor volatiler Auftragseingänge und anhaltender Lieferkettenstörungen ist eine breit angelegte Belebung der Industriekonjunktur derzeit noch nicht absehbar."

Wichtig dürfte für die Industrie die Entwicklung im Nahen Osten sein. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Lösung im Iran-Krieg hatte die Ölpreise zuletzt stark gedrückt. Die Entspannung am Ölmarkt entlastet auch die Industrie.

Zudem sinkt bei fallenden Ölpreisen die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen weiter anhebt. Zuletzt hatte die Notenbank im Juni den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Steigende Zinsen verteuern Kredite. Dies wirkt sich negativ auf Investitionen aus und belasten die Nachfrage.

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