Frankfurt-News, Anleihen

Börse Frankfurt-News: Anleihen: Zoll-Schock lÀsst Renditen purzeln

04.04.2025 - 12:57:49 | dpa.de

Das weitreichende US-Zollpaket stĂŒtzt die Kurse von Bundesanleihen, die Renditen fallen.

Im Handel mit Unternehmensanleihen fliegen Auto-Bonds aus den Portfolios.

4. April 2025. Das am Mittwochabend von US-PrĂ€sident Trump verkĂŒndete Zollpaket sendet Schockwellen durch die MĂ€rkte. WĂ€hrend die AktienmĂ€rkte abstĂŒrzen, hat sich die Flucht in "sichere HĂ€fen" wie Bundesanleihen fortgesetzt. "Die Erwartung eines Handelskriegs und einer wirtschaftlichen AbschwĂ€chung hat die Nachfrage nach als sicher empfundenen Anleihen gestĂŒtzt", stellt Tim Oechsner von der Steubing AG fest. "In seiner ersten Amtszeit hat Trump noch alles dafĂŒr getan, dass es in der Wirtschaft und an den Börsen rund lĂ€uft", bemerkt Gregor Daniel, der fĂŒr die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handelt. "Jetzt will er offenbar die Globalisierung zurĂŒckdrehen, wohl mit enormem Schaden fĂŒr die Weltwirtschaft."

Die Kurse von Bundesanleihen stiegen diese Woche deutlich, die Renditen fielen. Die Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen liegt am Freitagmorgen bei 2,54 Prozent nach 2,73 Prozent vor einer Woche. Anfang des Monats nach AnkĂŒndigung des milliardenschweren Finanzpakets in Deutschland waren es sogar kurz ĂŒber 2,93 Prozent. ZweijĂ€hrige Bundesanleihen rentieren jetzt nachhaltig unter 2 Prozent - erstmals seit Ende 2024.

"Schwerer Spagat" fĂŒr Notenbanken

Die Zollpolitik Trumps stellt auch die Notenbanken vor neue Herausforderungen. In den USA sind die Rezessionssorgen gestiegen. Gleichzeitig liegt die Inflation noch ĂŒber dem Fed-Ziel, mit zuletzt höheren Inflationserwartungen. BefĂŒrchtet wird nun eine Stagflation. "Damit kommt es zu einem schweren Spagat fĂŒr die US-Notenbank", bemerkt Oechsner.

Im Euroraum ist die Situation anders: Die Inflationsrate ist im MĂ€rz auf 2,2 Prozent gesunken, die Kernteuerungsrate auf 2,4 Prozent. "In den kommenden Monaten dĂŒrfte die Kerninflation weiter sinken und dem EZB-Ziel von 2 Prozent sehr nahekommen", meint Commerzbank-Analyst Vincent Stamer. Das spreche fĂŒr eine weitere Zinssenkung durch die EZB im April.

Rege gehandelt werden Oechsner zufolge langlaufende US-Staatanleihen, konkret 2041 und 2042 fĂ€llige (US912810QN19, US912810QY73), die im Moment mit 4,26 und 4,42 Prozent rentieren. Kein Thema mehr sind Daniel zufolge die in den Vorwochen stark gesuchten Anleihen in tĂŒrkischen Lira, etwa die der European Bank for Reconstruction and Development EBRD (XS2779805097). "Die TĂŒrkei steht jetzt ganz im Schatten dessen, was in den USA passiert."

Porsche, Schaeffler und ZF unter Druck

Die RisikoaufschlĂ€ge von Unternehmensanleihen sind derzeit vergleichsweise volatil, wie Anleiheanalystin Christine Bredehöft von der DZ Bank erklĂ€rt. Auch das von der designierten Bundesregierung auf den Weg gebrachte Infrastrukturpaket habe zu dieser Entwicklung beigetragen. "Insgesamt halten sich die mit dem Infrastrukturpaket verbundenen Hoffnungen auf eine Belebung der deutschen und europĂ€ischen Konjunktur einerseits und die BefĂŒrchtungen negativer Auswirkungen der Zollpolitik andererseits weitgehend die Waage."

Im Handel mit Unternehmens-Bonds ist die Autobranche weiter im Fokus. Auf den Verkaufslisten stehen Daniel zufolge Porsche-Anleihen, aber auch Bonds von den Autozulieferern ZF (XS2010039977) und Schaeffler (DE000A2YB7B5). "Das passt absolut ins Bild bei den verĂ€nderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen." Gute Nachfrage sieht er hingegen fĂŒr die 2031 fĂ€llige Anleihe von MTU Aero Engines (XS2887896574), die aktuell 3,39 Prozent abwirft. Ebenso beliebt: als "solide" geltende Papiere von NestlĂ© (XS2350621863) mit FĂ€lligkeit in diesem Juni und aktuell 2,24 Prozent. "Insgesamt herrscht aber Ratlosigkeit: Wie soll man sich positionieren in diesen Zeiten?", beobachtet er. Oechsner meldet hohe UmsĂ€tze fĂŒr Bonds von Siemens (DE000A1UDWN5) und US-Dollar-Bonds von Apple (US037833BZ29) mit FĂ€lligkeit 2028 und 2026 und aktueller Rendite von 2,23 und 3,52 Prozent.

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Etwas weniger Neuemissionen: Das NeuemissionsgeschĂ€ft von Unternehmensanleihen hat sich im ersten Quartal 2025 etwas abgekĂŒhlt. Wie die DZ Bank erklĂ€rt, sind die Emissionen nach deutlich gestiegenen Volumina im Vorjahr in den ersten drei Monate erwartungsgemĂ€ĂŸ zurĂŒckgegangen, und zwar um 14 Prozent auf 122 Milliarden Euro. Im Branchenvergleich seien Versorger- und Automobilemittenten weiterhin fĂŒhrend gewesen.

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Von Anna-Maria Borse, 4. April 2025, © Deutsche Börse

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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