Datenschutz-Beschwerden, Niedersachsen

Datenschutz-Beschwerden in Niedersachsen explodieren um 70 Prozent

27.01.2026 - 16:03:13

Die niedersächsische Datenschutzbehörde verzeichnet einen massiven Anstieg von Bürgerbeschwerden. Besonders Videoüberwachung und sensible Branchen stehen im Fokus, während KI die nächste Herausforderung wird.

Niedersachsen verzeichnet einen dramatischen Anstieg von Datenschutz-Beschwerden – ein Rekordwert, der Unternehmen und Behörden unter Druck setzt. Die Landesdatenschutzbehörde (LfD) meldet für 2025 einen Zuwachs von 70 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt ein wachsendes Unbehagen der Bürger und stellt die Aufsicht vor enorme Herausforderungen.

Rekordjahr für die Datenschutz-Aufsicht

Die endgültigen Zahlen bestätigen einen Trend, der sich bereits im ersten Halbjahr abzeichnete. Damals lag der Anstieg bei 42 Prozent. Dass die Jahresbilanz nun bei 70 Prozent steht, zeigt: Die Beschwerdeflut hat sich im zweiten Halbjahr noch einmal deutlich verstärkt. Parallel blieb die Zahl der gemeldeten Datenschutzverletzungen auf hohem Niveau. Allein von Januar bis Juni gingen 783 Meldungen ein, überwiegend von privaten Unternehmen.

„Die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung schreitet voran – und mit ihr die Menge der verarbeiteten Daten und potenziellen Konflikte“, erklärt Landesdatenschutzbeauftragter Denis Lehmkemper den Trend. Die Bürger zeigten zunehmend wenig Toleranz für den unsachgemäßen Umgang mit ihren personenbezogenen Daten.

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Video-Überwachung und sensible Branchen im Fokus

Woher kommt der massive Zuwachs? Eine Analyse der Behörde nennt konkrete Treiber. An vorderster Stelle stehen Klagen über den unzulässigen Einsatz von Videoüberwachung durch Privatpersonen. Immer öfter erfassen Nachbarschafts-Kameras auch fremde Grundstücke – ein klassischer Digital-Konflikt im Wohnumfeld.

Besonders betroffen sind zudem Branchen, die mit sensiblen Informationen arbeiten. Deutlich mehr Beschwerden gab es gegenüber dem Gesundheits- und Sozialwesen, Kommunen, der Immobilienwirtschaft, Auskunfteien und der Finanzbranche. Hier ist der Handlungsbedarf für die verantwortlichen Stellen besonders groß.

KI als nächste große Herausforderung

Während die Behörde die Rekordzahl an Altfällen bewältigen muss, bereitet sie sich bereits auf die nächste Welle vor: die Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI). Die LfD drängt auf klare rechtliche und politische Rahmenbedingungen, damit KI-Grundrechte respektiert.

Bereits im Juni 2025 legte die Behörde dem Landtag einen umfassenden Bericht mit Empfehlungen vor. Sie fordert neue Rechtsgrundlagen für das Training von KI-Modellen und klare Regeln für den Einsatz in der öffentlichen Verwaltung. Ab 2026 bietet die LfD spezielle Schulungen zum datenschutzkonformen Umgang mit KI an.

Appell an Unternehmen: Compliance ist kein Nice-to-have

Der Beschwerde-Rekord ist ein deutliches Signal an alle datenverarbeitenden Stellen: Die Einhaltung der DSGVO wird von der Bevölkerung zunehmend eingefordert und überwacht. Für Unternehmen bedeutet das ein höheres operationelles Risiko. Jede Beschwerde kann eine Prüfung der Aufsichtsbehörde auslösen, die zu hohen Bußgeldern und Imageschäden führen kann.

Unternehmen stehen nun unter enormem Druck, ihre Datenschutz-Managementsysteme zu überprüfen und zu verstärken. Dazu gehören die Rechtmäßigkeit von Videoüberwachung, aktualisierte technische und organisatorische Maßnahmen zur Verhinderung von Datenpannen sowie regelmäßige Mitarbeiterschulungen. Datenschutz ist keine lästige Pflichtübung mehr, sondern eine zentrale Säule für öffentliches Vertrauen und unternehmerische Zukunftsfähigkeit. Die Botschaft der Niedersachsen ist eindeutig: Der Schutz der Privatsphäre ist nicht verhandelbar.

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