Dauerhaft 7 Prozent Mehrwertsteuer: Rettungsanker für die Gastronomie
11.02.2026 - 13:52:12Seit Jahresbeginn gilt für Speisen in der Gastronomie dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Die Branche atmet auf – doch für Gäste wird es nicht billiger.
Die deutsche Gastronomie hat seit dem 1. Januar 2026 Planungssicherheit. Das im Dezember beschlossene Steueränderungsgesetz 2025 hat den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für Speisen in Restaurants, Cafés und im Catering dauerhaft verankert. Damit endet eine Phase der Unsicherheit nach dem pandemiebedingten temporären Steuernachlass und der Rückkehr auf 19 Prozent in den Jahren 2024 und 2025.
Doch was bedeutet die Steuererleichterung konkret für die Preise? Die ersten umfassenden Marktdaten nach sechs Wochen zeichnen ein klares Bild: Die Gäste sollten keine sinkenden Preise auf der Speisekarte erwarten. Stattdessen nutzen die meisten Betriebe die Steuerdifferenz, um ihre angeschlagenen Margen zu stabilisieren.
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Marktanalyse: Stabilität statt Preissenkungen
Eine große Analyse des Datenspezialisten Meoton zeigt die unmittelbaren Auswirkungen der Reform. Die Studie wertete über 200.000 Preispunkte von mehr als 30.000 gastronomischen Betrieben zwischen Mitte Dezember 2025 und Mitte Januar 2026 aus.
Das Ergebnis: Die Speisepreise stiegen im ersten Monat des neuen Steuerregimes marginal um 0,1 Prozent. Getränkepreise, für die weiterhin der volle Satz von 19 Prozent gilt, legten um 0,2 Prozent zu. Die Zahlen belegen, dass die Steuerersparnis bei den Betrieben verbleibt. Sie fungiert als Puffer gegen die gleichzeitig zum Jahreswechsel gestiegenen Betriebskosten.
Steuererlass als Schutzschild gegen Kostenlawine
Die Entscheidung der Wirte, die Preise stabil zu halten, ist eine Reaktion auf erheblichen Kostendruck. Zum 1. Januar 2026 stieg der gesetzliche Mindestlohn auf 13,90 Euro pro Stunde – ein direkter Treffer für den personalintensiven Gastgewerbesektor. Hinzu kommen weiter steigende Energiekosten und Gewerberenten in Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg.
Branchenpublikationen wie Tageskarte und HOGAPAGE berichten, dass der Steuernachlass für viele Betriebe ein Überlebensmechanismus ist. Ohne die Senkung auf sieben Prozent wären die Menüpreise wohl um 10 bis 15 Prozent gestiegen, um den neuen Mindestlohn und die Inflation auszugleichen. So verhinderte die Steuererleichterung einen „Preisschock“ für die Verbraucher.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) betont, der ermäßigte Satz sei notwendig für fairen Wettbewerb mit dem Lebensmitteleinzelhandel und Lieferdiensten. Diese profitieren seit Langem vom ermäßigten Steuersatz.
Politisches Großprojekt der Großen Koalition
Die dauerhafte Absenkung ist eine zentrale Säule der Wirtschaftspolitik der Großen Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). Nach der Neubildung der Regierung 2025 einigten sich SPD und Union darauf, die Stabilisierung der heimischen Dienstleistungsbranchen zu priorisieren.
Finanzminister Klingbeil setzte das Gesetz gegen intensive Verhandlungen mit den Ländern zur Finanzierung durch. Das Steueränderungsgesetz 2025, das der Bundesrat am 19. Dezember 2025 billigte, beendete die Unsicherheit in der Branche. Die politische Erzählung wandelte sich von „Krisenmanagement“ zu „langfristiger Strukturförderung“.
Kritikpunkt bleibt die Unterscheidung zwischen Speisen (7 %) und Getränken (19 %). Sie stellt für die Betriebe nach wie vor eine bürokratische Hürde dar.
Branche zwischen Erleichterung und anhaltenden Sorgen
Die Stimmung in der Branche ist vorsichtig optimistisch. Bei der „Nacht der Sterne“ am 9. Februar in Stuttgart begrüßten Spitzenköche die neue Planungssicherheit. Die Auszeichnung von Restaurants wie Jan in München oder der Schwarzwaldstube in Baiersbronn unterstreicht die anhaltende Exzellenz der deutschen Küche trotz wirtschaftlicher Gegenwinde.
Die Realität für kleinere Traditionsbetriebe ist jedoch ernüchternder. Lokalberichte dokumentieren weiterhin Schließungen von Betrieben, die mit dem „bürokratischen Monster“ und dem Personalmangel nicht fertig werden. Die angekündigte Schließung des beliebten Backstübla in Bamberg am 9. Februar zeigt: Die Steuererleichterung allein kann strukturelle Probleme wie auslaufende Pachten oder Fachkräftemangel nicht lösen.
Das am 3. Februar veröffentlichte HDE-Konsumbarometer zeigt zudem: Die Konsumlaune hat sich zwar leicht verbessert, die Sparneigung bleibt aber hoch. Gäste werden wählerischer, das Preis-Leistungs-Verhältnis steht strenger denn je auf dem Prüfstand.
Ausblick: Der steinige Weg durch 2026
Im weiteren Jahresverlauf wird sich zeigen, ob die verbesserten Margen zu höheren Löhnen jenseits des Mindestlohns oder zu Modernisierungen führen. Für die Gäste bedeutet das „neue Normal“ Preisstabilität. Die Angst vor einer drastischen Preisexplosion 2026 ist gebannt – die Ära des billigen Essens geht ist jedoch definitiv vorbei.
Die kommenden Monate werden offenbaren, ob die Steuersenkung die Insolvenzwelle bremsen kann. Das erste Quartal ist für die Liquidität traditionell das schwierigste. Branchenbeobachter blicken daher gespannt auf die Insolvenzanmeldungen im März und April. Der dauerhafte Sieben-Prozent-Satz ist ein Rettungsanker, der Tausende Betriebe vor der sofortigen Schließung bewahrt hat. Alle Herausforderungen auf der Speisekarte löst er aber nicht.
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