DAX Aktie: Tech-Schock aus Seoul
23.06.2026 - 15:35:02 | boerse-global.de
Gewinnmitnahmen in Asien — und der DAX bekommt die Quittung. Der deutsche Leitindex ist am Dienstagmorgen unter die Marke von 25.000 Punkten gerutscht und notierte nach gut einer halben Handelsstunde bei rund 24.822 Punkten, ein Minus von 1,3 Prozent.
Was Seoul dem DAX antut
Der Auslöser kam von weit her. An den Börsen in Japan und Südkorea schwappte nach dem jüngsten Rekordlauf eine Welle an Gewinnmitnahmen durch den Markt. In Seoul wurde der Handel zeitweise sogar ausgesetzt — so heftig war der Kursrutsch bei Schwergewichten wie SK Hynix und Samsung, die teils zweistellig einbrachen.
Die Dynamik griff direkt auf europäische Tech- und Chipwerte über. Infineon verlor rund vier Prozent von seinem 26-Jahreshoch. Siemens Energy gab ebenfalls vier Prozent ab. Für Halbleiter-Zulieferer wie Aixtron oder PVA TePla war es mit Abschlägen zwischen vier und zehn Prozent noch schmerzhafter.
Dabei hatte der DAX zum Wochenstart noch aufgeholt: Am Montag erreichte er mit 25.176 Punkten ein Hoch seit Anfang Juni und näherte sich seiner Allzeit-Bestmarke vom Januar bis auf 330 Punkte.
Einzeltitel im Gegenwind — und zwei Ausnahmen
Neben dem Tech-Sektor bewegt sich RWE: Der Energiekonzern will die Mehrheit am Übertragungsnetzbetreiber Amprion übernehmen. Für die dafür nötige milliardenschwere Kapitalerhöhung platzierte RWE gut 74 Millionen Aktien zu je 54 Euro — ein Abschlag von knapp drei Prozent gegenüber dem Vortag. Die Aktie folgte mit rund zwei Prozent Minus.
Vonovia gab nach der Ankündigung einer Wandelanleihe ebenfalls nach, weil Anleger den potenziellen Verwässerungseffekt einpreistu.
Positiv stachen zwei Titel heraus. Brenntag hielt sich mit einem kleinen Plus, nachdem der Chemikalienhändler seine Jahresprognose nach einem über den Erwartungen liegenden zweiten Quartal angehoben hatte. DWS legte rund zwei Prozent zu: Exane BNP stufte die Aktie auf "Outperform" hoch und setzte das Kursziel auf 74 Euro — deutlich über dem bisherigen Kursrekord von 65,80 Euro.
Micron als nächster Stresstest
Marktbeobachter sehen den heutigen Rücksetzer vor allem als stimmungsgetriebenes Phänomen. In der Nähe von Rekordnotierungen reagieren Anleger sensibel auf fehlende Aufwärtsimpulse — besonders im Tech-Segment, wo viel Zukunftsfantasie im Kurs steckt. Einen ersten Hinweis, ob die Konsolidierung anhält, liefern morgen Abend die Quartalszahlen von Micron. Angesichts einer Vervierfachung des Micron-Kurses allein in diesem Jahr dürften nur außerordentlich starke Ergebnisse die Halbleiter-Rally wieder in Gang bringen.
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