DAX: Rekordnähe trotz Ölalarm
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 21:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eigentlich müsste der DAX heute fallen. Der Ölpreis schießt auf ein Mehrwochenhoch, die USA bombardieren den Iran in der elften Nacht in Folge, und selbst die Ausweichroute durch das Rote Meer gerät unter Druck. Der deutsche Leitindex klettert trotzdem weiter Richtung Rekord — ein Widerspruch, der zeigt, wie stark die Berichtssaison derzeit gegen die geopolitischen Risiken ankämpft.
Am Mittwochnachmittag stand der DAX rund 0,5 Prozent im Plus bei etwa 25.147 Punkten, nachdem er zwischenzeitlich sogar ein Zweiwochenhoch von 25.239 Punkten markiert hatte. Der MDAX zog um 0,6 Prozent auf 32.009 Punkte an, der EuroStoxx 50 gewann 0,3 Prozent.
Ă–l treibt die Zinssorgen, der Markt bleibt gelassen
Brent-Rohöl kletterte am Mittwoch zeitweise um mehr als vier Prozent auf über 95 Dollar je Barrel — das höchste Niveau seit Anfang Juni. Auslöser sind die anhaltenden US-Angriffe auf iranische Ziele. In der Nacht zum Mittwoch wurde in Teheran erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation wieder die Flugabwehr aktiviert.
Parallel verschärft sich die Lage auch am Roten Meer. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen drohen mit einer Blockade saudischer Häfen, nachdem bereits die Straße von Hormus kaum noch befahren wird. Am Anleihemarkt zogen die Renditen an, weil höhere Ölpreise auf die Inflationserwartungen drücken — ein Umfeld, das eigentlich für vorsichtigere Anleger sprechen würde. Marktbeobachter werten die aktuelle Gelassenheit als Wette darauf, dass die Eskalation bald wieder abklingt.
Airbus und GEA ziehen den Index
Den Ausschlag für die Kursgewinne gaben handfeste Unternehmensnachrichten. Airbus sprang um rund sechs Prozent nach oben, nachdem der Flugzeugbauer neue Mittelfristziele bis 2029 vorgelegt und ein Aktienrückkaufprogramm über fünf Milliarden Euro angekündigt hatte. Der Ausblick für 2026 mit rund 870 Flugzeugauslieferungen und einem operativen Ergebnis von etwa 7,5 Milliarden Euro wurde bestätigt.
GEA legte nach einem überraschend starken zweiten Quartal um mehr als fünf Prozent zu. Der Anlagenbauer hob seine Jahresprognose an, der Auftragseingang stieg um 14,2 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro. Gegenläufig entwickelte sich Siemens Energy: Die Aktie verlor mehr als vier Prozent, nachdem enttäuschende Zahlen des US-Konkurrenten GE Vernova die Stimmung belasteten.
Im SDAX sorgte Friedrich Vorwerk für Aufsehen. Der Pipeline- und Anlagenbauer hob nach gestiegener Profitabilität im ersten Halbjahr seine Gewinnprognose an, die Aktie schnellte um bis zu acht Prozent nach oben. Als größter Aktionär profitierte auch die Beteiligungsgesellschaft MBB, die ihre eigene Profitabilitätsziele ebenfalls anhob und um mehr als vier Prozent zulegte.
FĂĽr Bewegung im MDAX sorgte zudem Porsche: Das Bankhaus Metzler stufte die Vorzugsaktien im Zuge eines Analystenwechsels gleich von "Sell" auf "Buy" hoch und verdoppelte das Kursziel von 31 auf 64 Euro. Die Aktie reagierte mit einem Plus von rund vier Prozent auf ĂĽber 46 Euro.
Nach Handelsschluss in New York richten sich die Blicke auf die Quartalszahlen von Tesla, Alphabet und IBM. Sollte die US-Berichtssaison ähnlich positiv überraschen wie die europäische, dürfte das dem DAX zusätzlichen Rückenwind geben — vorausgesetzt, die Lage am Golf verschärft sich nicht weiter.
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