DAX, Zykliker

DAX: Zykliker treiben Rekordjagd

Veröffentlicht am: 02.07.2026 um 21:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schwache US-Arbeitsmarktdaten und ein Berliner Reformpaket treiben den DAX auf ein neues Allzeithoch. Konjunktursensible Werte fĂŒhren die Rally an.

DAX-Rekord: Schwache US-Jobdaten treiben Zykliker an
Ein stilisierter, aufwĂ€rts gerichteter Börsenchart, ĂŒberlagert von Silhouetten industrieller Maschinen und Windturbinen, vor einer Stadtlandschaft im Morgengrauen. Illustration mit AI erstellt.

Sechs Monate lang hielt die alte Bestmarke. Am Donnerstagnachmittag war damit Schluss: Schwache US-Arbeitsmarktdaten schickten den DAX auf ein neues Allzeithoch — und ausgerechnet die Aktien, die zuletzt niemand wollte, gaben den Ausschlag.

Zur Eröffnung tat sich zunÀchst wenig. Der Index startete mit minimalen Verlusten bei 25.025,13 Punkten in den Handel. Im Tagesverlauf drehte die Stimmung jedoch deutlich, am Nachmittag kletterte der DAX bis auf 25.655,82 ZÀhler und riss damit die bisherige Bestmarke vom 13. Januar bei 25.507,79 Punkten. Das Plus zum Handelsende summierte sich auf fast zwei Prozent.

Schwache US-Jobs als Kurstreiber

Auslöser war der amerikanische Arbeitsmarktbericht. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden im Juni nur 57.000 neue Stellen, Volkswirte hatten mit rund 113.000 gerechnet. ZusĂ€tzlich wurden die Zahlen der beiden Vormonate um insgesamt 74.000 Stellen nach unten korrigiert. An den Börsen wurde das als Signal gelesen, dass die US-Notenbank ihre Zinsen vorerst nicht anheben muss — genau das, was AktienmĂ€rkte hören wollen.

UnterstĂŒtzung kam zudem aus Berlin. Union und SPD einigten sich im Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket mit 34 Einzelpunkten. Steuerentlastungen von zehn Milliarden Euro, ein Abbau von BĂŒrokratie und flexiblere ArbeitsvertrĂ€ge sollen die deutsche Wirtschaft aus der Krise fĂŒhren. Die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit wurde dagegen vertagt, um Konflikte mit den Gewerkschaften zu vermeiden.

Rotation in Zykliker und Banken

Bemerkenswert war weniger die Schlagzeile als die Struktur des Kursanstiegs. Anleger griffen gezielt bei konjunktursensiblen Branchen zu, die zuletzt gemieden wurden — Banken und Finanzwerte rĂŒckten auf die Gewinnerliste vor. Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung durch das Reformpaket dĂŒrfte diese Rotation befeuert haben.

Besonders gefragt waren Bayer-Aktien. Nach einer fĂŒr den Konzern gĂŒnstigen Gerichtsentscheidung plant das Unternehmen eine neue Struktur, um die Pflanzenschutz-AktivitĂ€ten zu bĂŒndeln. Auch Infineon geriet zeitweise in den Sog fallender Halbleiterwerte aus Asien, wo Chip-Titel unter Druck standen — belastet auch durch PlĂ€ne von Meta Platforms, ein Cloud-GeschĂ€ft fĂŒr ĂŒberschĂŒssige KI-Rechenleistung aufzubauen. Im Tagesverlauf zogen die ĂŒbrigen 39 DAX-Werte den Chiphersteller aber ins Plus.

Der DAX profitierte an diesem Tag sichtbar von seiner geringen Technologie-Gewichtung — wĂ€hrend Japan und SĂŒdkorea unter Kursverlusten im Chipsektor litten, blieb der deutsche Leitindex davon weitgehend verschont. Nach einem bereits starken ersten Halbjahr ist der Rekordsprung zugleich der gelungene Auftakt in die zweite JahreshĂ€lfte, nachdem der Index zuletzt hinter internationalen Kursbarometern wie dem EuroStoxx 50 zurĂŒckgelegen hatte.

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