Gerresheimer setzt weiter auf Belebung ab dem Sommer - Aktie gibt nach
11.04.2024 - 09:57:02Ăberraschend kommt das nicht, denn viele Pharma- und Biotech-Unternehmen hatten sich wĂ€hrend der Corona-Pandemie die Lager gefĂŒllt und verbrauchen nun erst einmal ĂŒberschĂŒssiges Material. Die FĂŒhrung von Gerresheimer setzt nun weiter auf bessere GeschĂ€fte in der zweiten JahreshĂ€lfte und hĂ€lt an ihrem GeschĂ€ftsausblick fest. FĂŒr die Aktien des Unternehmens ging es am Vormittag um 1,5 Prozent nach unten.
Der Abbau der LagerbestĂ€nde gehe zurĂŒck, werde aber im zweiten Quartal noch zu spĂŒren sein, erklĂ€rte Finanzchef Bernd Metzner im GesprĂ€ch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bis zum Quartalsende werde man aber wohl aus dem Gröbsten raus sein.
FĂŒr das zweite Halbjahr rechnet Metzner auch daher mit einem anziehenden Wachstum. Dann wird jedoch auch die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr niedriger, denn damals waren die coronabezogenen Erlöse weggebrochen.
Im abgelaufenen ersten GeschÀftsquartal (bis Ende Februar) steigerte Gerresheimer seinen Umsatz im Jahresvergleich um 1,8 Prozent auf gut 466 Millionen Euro. Aus eigener Kraft - also Portfolio- und Wechselkurseffekte herausgerechnet - lag das Wachstum bei 2,8 Prozent, wie der MDax-Konzern DE0008467416 am Donnerstag weiter mitteilte.
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 3,7 Prozent auf 80,9 Millionen Euro zu. Unter dem Strich entfiel auf die AktionĂ€re der DĂŒsseldorfer im ersten Quartal ein Ăberschuss von gut 13 Millionen Euro, fast eine Million mehr als ein Jahr zuvor. Mit dem Umsatz ĂŒbertraf Gerresheimer die durchschnittlichen SchĂ€tzungen von Analysten, der operative Gewinn traf die Erwartungen.
Den Lagerabbau bekam vor allem das GeschĂ€ft mit pharmazeutischen PrimĂ€rverpackungen der Sparte PPG rund um Glas-FlĂ€schchen, Karpulen und Ampullen zu spĂŒren. Der GeschĂ€ftsbereich Plastics & Devices mit dem Fokus unter anderem auf Kunststoffverpackungen, vorfĂŒllbare Spritzen, Inhalatoren und Pens wuchs hingegen, und zwar deutlich.
Die Blicke von Investoren und Analysten dĂŒrften sich aber auch auf die kleinste Sparte Advanced Technologies richten, erklĂ€rte Analyst James Vane-Tempest vom Investmenthaus Jefferies. Hier knickten die Erlöse wegen niedrigerer UmsĂ€tze im ProjektgeschĂ€ft um gut 80 Prozent auf nur noch 0,6 Millionen Euro ein. Dabei entstand vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten ein Verlust von 5,1 Millionen Euro. Entwicklungsprojekte wie digitale Plattformen fĂŒr die TherapieunterstĂŒtzung, körpergetragene Medikamentenpumpen und die eigene Autoinjektor-Plattform wĂŒrden aber planmĂ€Ăig weitergefĂŒhrt, betonte Gerresheimer.
Gerade an der Pumpe gebe es viel Interesse, aber da brauche man ein wenig Geduld, sagte Metzner. Zudem rechnet er weiterhin noch in diesem Jahr mit einer Zulassung des Mittels Furosemid in Verbindung mit einer Mikropumpe zur Behandlung von Ădemen bei Herzinsuffizienz durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Gerresheimer arbeitet hier mit dem Schweizer Biopharma-Unternehmen SQ Innovation zusammen. Metzner betonte zudem erneut, dass der Bereich Advanced Technologies nicht im Unternehmensausblick enthalten sei.
Analyst David Adlington von der US-Bank JPMorgan stellte in einer ersten EinschĂ€tzung vor allem auf den GeschĂ€ftsausblick des Unternehmens ab. Dass Gerresheimer die Ziele fĂŒr 2024 und 2025 bestĂ€tigt habe, signalisiere Zuversicht in eine Beschleunigung des Wachstums.
FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2024 peilt Konkurrent von Schott Pharma DE000A3ENQ51 ein Umsatzplus aus eigener Kraft von 5 bis 10 Prozent an. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) soll organisch 430 bis 450 Millionen Euro erreichen. Eine Eingrenzung und PrĂ€zisierung der Ziele könnte es laut Finanzchef Metzner bei der Veröffentlichung der Zahlen fĂŒrs zweite Jahresviertel im Juli geben.
Mit Blick auf seine Wachstumsziele will der Konzern auch von einem hohen Auftragsbestand und der Expansion der FertigungskapazitĂ€ten profitieren. "In den nĂ€chsten Monaten laufen wie geplant weitere neue Linien fĂŒr langjĂ€hrige GroĂauftrĂ€ge an", erlĂ€uterte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Siemssen laut Mitteilung.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das profitable GeschĂ€ft rund um empfindliche biopharmazeutische Medikamente, die spezielle Verpackungen benötigen. Auch das GeschĂ€ft mit Verpackungen, Spritzen und Auto-Injektoren fĂŒr GLP-1-Medikamente zur Behandlung von Diabetes und starkem Ăbergewicht nimmt weiter Fahrt auf.
Vor diesem Hintergrund peilt Gerresheimer fĂŒr das Jahr 2025 weiterhin ein Umsatzwachstum aus eigener Kraft von 10 bis 15 Prozent an. Die bereinigte operative Marge soll mindestens 22 Prozent erreichen. Mittelfristig strebt das Management ein jĂ€hrliches Umsatzplus von mindestens 10 Prozent sowie eine Marge von 23 bis 25 Prozent an.

