Kraftwerkstopp und Urlaubsnöte
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 19:21 Uhr | dpa.deIn Ungarn und in Rumänien wurden die Kernkraftwerke mangels Wasser heruntergefahren. In Österreich mussten mehrere Wasserkraftwerke die Produktion drosseln.
In Ungarn werden am Kernkraftwerk Paks an der Donau, etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest, alle vier Reaktorblöcke schrittweise abgeschaltet. Das kündigte Ministerpräsident Peter Magyar an. Bereits am Vortag war einer der Reaktoren in Paks wegen eines Mangels an Kühlwasser aus der Donau heruntergefahren worden. Die übrigen drei Blöcke sollen binnen der nächsten 24 oder 72 Stunden abgeschaltet werden.
Versorgungsengpässe drohen in Ungarn
Spätestens ab Montag könne es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen, sagte Magyar weiter. Dann würden 2.000 Megawatt aus ungarischer Produktion ausfallen, während zugleich wegen der steigenden Hitze der Stromverbrauch der Bewohner und der öffentlichen Dienstleister steigen werde. An einem durchschnittlichen Sommerabend würden 6.000 Megawatt Strom verbraucht, aufgrund der Hitze würde dieser Wert um 20 Prozent steigen, erläuterte Magyar. Man setze nun die Stromreserven des Landes ein und kümmere sich um Importe.
Grund für den Engpass sei, dass auch das gasbetriebene Stromkraftwerk Dunamenti Erömü in Szaszhalombatta bei Budapest wegen einer technischen Panne vorübergehend nicht produziert, sagte Magyar. Die Bevölkerung sei aufgerufen, besonders stromintensive Aktivitäten - wie etwa das Aufladen von Elektroautos und den Betrieb von Klimaanlagen - zu verschieben, und zwar auf eine Zeit außerhalb der Spitzenlast zwischen 17 und 22 Uhr.
AKW in Rumänien abgeschaltet
In Rumänien sank der Wasserstand der Donau auf ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Werts. Dort mussten beim Kernkraftwerk Cernavoda beide funktionierenden Reaktorblöcke abgeschaltet werden. Sie erzeugen normalerweise etwa ein Fünftel des Stroms in Rumänien. Das Wirtschaftsministerium rechnet dennoch nicht mit Versorgungsengpässen.
Regen- und Gletscherwassermangel
Hintergrund für den Wassermangel in der Region, darunter Österreich, sind mangelnde Regenfälle, aber auch zunehmend wenig Schmelzwasser von Gletschern, wie Florian Seidl, Sprecher des größten österreichischen Wasserkraftwerkbetreibers, Verbund, sagte: "Eigentlich sollten wir jetzt das Wasser aus der Schneeschmelze abarbeiten, aber aufgrund der Erderwärmung fällt immer weniger Schnee." Beim Verbund liegt die Produktion rund 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel.
Auch an fast allen Zubringern zur Donau in Oberösterreich herrscht Wassermangel. Viele der mehr als 4.000 Kleinwasserkraftwerke sind betroffen, mit bis zu 50 Prozent gedrosselter Produktion oder gänzlichem Stopp.
Fracht- und Urlauberschiffe eingeschränkt
Der Schiffsverkehr ist aufgrund des Niedrigwassers bereits eingeschränkt. Kreuzfahrten von Passau nach Wien enden vorzeitig. Der österreichische Wasserstraßenbetreiber viadonau warnt auf seiner Webseite vor Stellen mit besonders geringer Wassertiefe.
Diese Woche blieb nahe dem rumänischen Donauhafen Cetate ein Kreuzfahrtschiff mit fast 240 Menschen an Bord auf einer Sandbank stecken. Alle Passagiere konnten in Sicherheit gebracht werden. Frachtschiffe können nur noch teilweise beladen werden und fahren dadurch Verluste ein.
